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Nach mehrtägigen Ausschreitungen: Der Polizist, der Floyd zu Boden drückte, ist wegen Mordes angeklagt worden

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach massiver Polizeigewalt lässt die Proteste eskalieren. Inzwischen ist die Nationalgarde in Minneapolis eingetroffen.

Eine Demonstrantin auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Minneapolis. Sie wurde bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt. Die Aufnahme stammt vom Donnerstag.

Eine Demonstrantin auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Minneapolis. Sie wurde bei Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt. Die Aufnahme stammt vom Donnerstag. 

Carlos Barria / Reuters

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in der amerikanischen Grossstadt Minneapolis ist einer der an dem brutalen Einsatz beteiligten und inzwischen entlassenen Polizisten angeklagt worden. Dies hat der zuständige Bezirksstaatsanwalt Mike Freeman bei einer Pressekonferenz vom Freitag bestätigt. Alle notwendigen Beweise lägen nun vor, sagte er. Die Anklage gegen den Polizisten laute auf Mord und Totschlag. Die Fälle der anderen drei beteiligten Polizisten würden noch untersucht.

So schnell habe seine Behörde in einem vergleichbaren Fall noch nie eine Anklage erhoben, normalerweise dauere das mehrere Monate, sagte Freeman. Er räumte ein, dass die Proteste dabei eine Rolle gespielt hätten. «Ich bin nicht unempfindlich demgegenüber, was auf den Strassen passiert.»

Der 46-jährige Floyd war nach einem brutalen Polizeieinsatz am Montag im Spital gestorben. Anschliessend kam es zu schweren Ausschreitungen in Minneapolis im Gliedstaat Minnesota. Die vier an dem Einsatz beteiligten Polizisten wurden entlassen. Sie wurden zunächst aber weder festgenommen noch angeklagt, was die Wut der Demonstranten anheizte.

Minnesotas Gouverneur Tim Walz sicherte am Freitag bei einer emotionalen Pressekonferenz zu, dass die Justiz das Vorgehen der Beteiligten schnell untersuchen werde. Der Gouverneur teilte das Entsetzen über den Vorfall. «Das Kapitel, das diese Woche geschrieben wurde, ist eines unserer dunkelsten Kapitel», sagte er. Walz rief Demonstranten eindringlich zum Gewaltverzicht auf.

In der Nacht auf Freitag war es in Minneapolis erneut zu Protesten und Ausschreitungen gekommen. Demonstranten drangen am späten Abend in ein Polizeigebäude ein und legten Feuer. Das Gebäude war zuvor evakuiert worden, Verletzte wurden vorerst keine gemeldet. Gemäss lokalen Medienberichten taten in der ganzen Stadt mehrere tausend Menschen auf der Strasse ihren Unmut kund. 

Bereits in den vorangehenden zwei Nächten war es zu Demonstrationen, Plünderungen und nächtlichen Ausschreitungen gekommen. Der Gouverneur des amerikanischen Gliedstaats Minnesota hatte deshalb am Donnerstag einen Notstand für die 3,5-Millionen-Stadt erklärt und 500 Nationalgardisten mobilisiert, die am Freitag eintrafen. Die Lage beruhigt hat dies bisher offenbar noch nicht.

Am frühen Morgen verhaftete die Polizei ein Team des Nachrichtensenders CNN, das über die Proteste berichtete. Der Reporter Omar Jimenez wurde mit zwei Kollegen in Handschellen abgeführt, auch nachdem er sich eindeutig als Journalist zu erkennen gegeben hatte.

Der Reporter wurde gemäss CNN inzwischen wieder freigelassen. 

Die Demonstrationen scheinen sich auszuweiten: Am Donnerstag kam es auch in zahlreichen anderen amerikanischen Grossstädten zu Protestaktionen. 

FBI ermittelt, Trump droht

Auslöser für die Empörung der Demonstranten ist der brutale Polizeieinsatz gegen George Floyd in Minneapolis, der am Montag zum Tod des Afroamerikaners führte. Ein rund zehn Minuten langes Video des Einsatzes hatte sich in der Folge wie ein Lauffeuer in den sozialen Netzwerken verbreitet. 

Ein Video vom 25. Mai zeigt, wie ein Polizist auf dem Hals eines Mannes in Handschellen kniet. Der Mann starb kurz danach im Spital.

Ein Video vom 25. Mai zeigt, wie ein Polizist auf dem Hals eines Mannes in Handschellen kniet. Der Mann starb kurz danach im Spital.

Darnella Frazier via AP

Die Aufnahme zeigt, wie ein weisser Polizist während mehrerer Minuten sein Knie auf den Hals Floyds drückt. Mehrmals fleht dieser um Hilfe, verspricht zu kooperieren und sagt wiederholt: «Ich kann nicht atmen.» Dann verliert der 48-Jährige, den die Polizei wegen der Verwendung eines mutmasslich falschen Geldscheins festgenommen hatte, das Bewusstsein. Im herbeigerufenen Krankenwagen verstirbt er, noch vor Ankunft im Spital. 

Auch Präsident Donald Trump äusserte sich bereits mehrfach zu dem Ereignis. Am Mittwoch sprach er den Angehörigen und Freunden des Opfers George Floyd sein Mitgefühl aus und versprach auf Twitter: «Der Gerechtigkeit wird Genüge getan!» Nach den jüngsten Ausschreitungen änderte sich indes seine Tonlage: «Diese Schlägertypen entehren das Andenken an George Floyd, und das werde ich nicht zulassen», schrieb Trump in der Nacht auf Freitag. Wenn es weiter Schwierigkeiten gebe und der «sehr schwache Bürgermeister» die Lage nicht in den Griff kriege, werde das Militär in Minneapolis die Kontrolle übernehmen. «Wenn die Plünderungen beginnen, beginnt das Schiessen», schrieb Trump.

«Zieht die Mörderpolizisten zur Verantwortung», steht auf dem Plakat einer Demonstrantin in Minneapolis, wo die Beamten Pfefferspray gegen die Frau einsetzen (27. Mai).

«Zieht die Mörderpolizisten zur Verantwortung», steht auf dem Plakat einer Demonstrantin in Minneapolis, wo die Beamten Pfefferspray gegen die Frau einsetzen (27. Mai).

Tannen Maury / EPA

Twitter warf dem Präsidenten kurz danach vor, mit dieser Nachricht die Richtlinien der Plattform gegen die Verherrlichung von Gewalt verletzt zu haben. Der Konzern deckte den Tweet ab und versah ihn mit einem Warnhinweis, gefolgt von einem Link, über den Trumps Aussage trotzdem sichtbar gemacht werden kann.

Erinnerungen an 2014

In den USA erregen Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze seit Jahren immer wieder Aufsehen. Wiederholt kam es deshalb zu Demonstrationen, teilweise auch zu Ausschreitungen.

Der jüngste Vorfall erinnerte an den ebenso auf Video festgehaltenen Fall des Afroamerikaners Eric Garner. Der damals 43-Jährige wurde 2014 von New Yorker Polizisten zu Boden geworfen; sie drückten ihm die Luft ab, später starb er im Spital.

Garners letzte Worte – «Ich kann nicht atmen» – wurden zu einem Slogan der Bewegung «Black Lives Matter». Diese setzt sich in den USA für Gleichberechtigung von Schwarzen und Weissen und gegen Polizeigewalt ein.

Mit Agenturmaterial.

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