Switzerland

Nach dem Willen der Zürcher Umweltallianz sollen die Jäger nun auch beim Naturschutz helfen

Die Umweltfraktionen im Kantonsrat justieren das neue Jagdgesetz in ihrem Sinne. Überall können sie sich aber nicht durchsetzen. Mit Stichentscheid des Präsidenten lehnt es das Parlament ab, dass Ausländer mit Niederlassungsbewilligung Revieraufseher werden.

Abschluss einer Treibjagd in der Nähe von Effretikon.

Abschluss einer Treibjagd in der Nähe von Effretikon.

Simon Tanner / NZZ

Der Zürcher Waidmann lässt seinen Flachmann in Zukunft besser zu Hause. Denn wer «wiederholt in angetrunkenem Zustand» auf die Pirsch geht, dem drohen ernstliche Konsequenzen: Er wird von der Jagd ausgeschlossen. Dasselbe gilt auch für diejenigen, die unter Betäubungs- oder Arzneimitteleinfluss im Sinne des Strassengesetzes die Flinte anlegen.

Dieses Alkoholverbot ist eine der unumstrittenen Neuerungen im Zürcher Jagdgesetz, das der Kantonsrat überarbeitet und welches das Gesetz von 1929 ablösen soll. Die vorberatende Kommission war sich einig, dass unregelmässig auftauchende Medienberichte über Jagd unter Alkoholeinfluss deren Ansehen schadeten, wie der Präsident Beat Bloch (csp., Zürich) am Montag sagte. Darum wurde dies in die Liste der Gründe aufgenommen, die einen Ausschluss nach sich ziehen – so wie das unvorsichtige Führen der Schusswaffe etwa auch.

Im Grundsatz viel Einigkeit

Allgemein ist das Verhältnis der Politik zu den Jägern aber nicht von Misstrauen geprägt, im Gegenteil. Die Jagdgesellschaften geniessen grossen Rückhalt – nicht nur bei der Stimmbevölkerung, die vor rund zwei Jahren eine Volksinitiative zur Abschaffung der Revierjagd und Einführung staatlicher Wildhüter abgelehnt hat, sondern auch im Kantonsparlament, wie sich am Montag zeigte.

Niemand stellte das heutige System infrage, und von rechts bis links waren sich die Kantonsrätinnen und -räte einig, dass die Rückkehr einst ausgestorbener Wildtiere, die geänderten Ansprüche an die Jagd oder die überholten Bestimmungen zum Arten- und Lebensraumschutz ein neues Gesetz erforderten. So stimmte man darin überein, dass die Baujagd nicht mehr zeitgemäss ist und ausdrücklich verboten gehört.

Da die Jagd aber überwiegend im Wald stattfindet, standen eben doch sehr viele Interessen auf dem Spiel. Neben denjenigen der Jäger waren es auch diejenigen von Naturschützern, von Gemeinden und Waldbesitzern, die sich um Jungwuchs und wegen Verbissen sorgen, von Landwirten, denen Wildschweine Äcker umpflügen, oder von Spaziergängern, Hundebesitzern, Mountainbikern, Orientierungsläufern, die im Forst Erholung suchen oder Sport treiben wollen. Angesichts der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse überraschte es wenig, dass der Kantonsrat das Gesetz vor allem im Sinne ökologischer Anliegen noch abänderte: Die Umweltallianz aus SP, Grünliberalen, Grünen, EVP und AL drückte ihm den Stempel auf.

Jagdgesellschaften in ökologischer Pflicht

Zum Beispiel setzte die Ökoallianz nicht nur durch, dass die Baudirektion bedrohte Wildtierarten schützen und fördern muss, sondern auch, dass sie die Jagdgesellschaften zur Hilfe verpflichten kann. Dies gegen eine angemessene Reduktion des Pachtzinses. Den Jägern komme beim Wildtierschutz eine Schlüsselrolle zu, sagte die Grünliberale Melissa Näf (Bassersdorf). Sie verfügten über das nötige Wissen vor Ort. Daher sei es angemessen, dass sie zur Mitwirkung verpflichtet werden können.

Die bürgerliche Minderheit wandte dagegen ein, dass viele Jagdgesellschaften heute schon personell an ihre Grenzen stiessen. Zudem seien auch bereits ausreichend Mittel für Schutz- und Fördermassnahmen vorhanden, sagte Martin Farner (fdp., Oberstammheim). Mit 85 zu 82 Stimmen wurde die Änderung jedoch angenommen. Auch Anträge, die Anliegen von Landwirten oder Gemeinden Rechnung tragen sollten, blieben auf der Strecke.

Allerdings setzten sich die linken und ökologischen Fraktionen nicht in jedem Punkt durch. So wollten sie festhalten, dass die Baudirektion Wildruhezonen nicht nur ausscheiden kann, sondern muss – was gleichbedeutend mit der vorübergehenden Einschränkung oder dem Verbot von Freizeitaktivitäten ist. Das weckte Widerstand. Es bestehe die Gefahr, dass dies einschneidende Folgen für den Cevi, die Jungwacht, die Pfadi oder für Orientierungsläufer habe und sie aus dem Wald verbannt würden, kritisierte Yvonne Bürgin (cvp., Rüti). «Wir müssen alle Bedürfnisse berücksichtigen und nicht gegeneinander ausspielen.»

Der grüne Fraktionschef Thomas Forrer stellte den Konflikt gar nicht in Abrede. Es sei der Sinn der Zonen, dass das Wild etwa zur Brut- oder Setzzeit geschont werde, sagte er. Es gebe viele Alternativen ausserhalb der Ruhezonen, sich zu Fuss oder auf dem Velo zu bewegen. Man solle doch diese Möglichkeiten nutzen. Die Abstimmung ging aus Sicht der Umweltfraktionen aber mit 83 zu 85 Stimmen verloren. Den Ausschlag gaben vereinzelte Sportler aus den linken Reihen, die mit der anderen Seite stimmten.

Gegen ausländische Aufseher

Das Jagdgesetz betrifft auch Haustiere und ihre Halter. So nahm der Rat die Bestimmung auf, dass Hunde im Wald und am Waldrand von Anfang April bis Ende Juli anzuleinen sind. Das dient dem Schutz von Bodenbrütern und Jungtieren. Unbestritten war, dass wildernde Hunde nach einer Warnung an den Halter erlegt werden können. Im Fall von verwilderten Katzen genügt dafür, dass sie sich mindestens 300 Meter vom nächsten Wohngebäude aufhalten und einen verwilderten Eindruck machen. In den letzten zehn Jahren wurden indes nur ganz wenige Katzen abgeschossen.

Schliesslich entwickelte sich noch eine ausländerpolitische Diskussion. Die rot-grüne Mehrheit wollte den Entwurf der Regierung dahingehend ergänzen, dass auch Jäger mit Niederlassungsbewilligung die Revieraufsicht erfüllen könnten. Für die SVP war damit eine rote Linie erreicht, die es ihr verunmöglichen würde, dem Gesetz zuzustimmen. Hier gehe es um eine hoheitliche Aufgabe, die nur mit dem Schweizer Bürgerrecht ausgeübt werden dürfe, sagte Ueli Bamert (svp., Zürich).

Die Gegenseite wunderte sich über die Aufregung. Ihr ging es darum, den Kreis von Anwärtern mit dem nötigen Fachwissen zu erweitern. Stefan Feldmann (sp., Uster) zählte die Anforderungen auf, die für die Übernahme dieser Funktion zu erfüllen sind. Thomas Forrer (gp., Erlenbach) betonte, die Jagdgesellschaften würden ja selber ihre Aufseher ernennen.

Weil die EVP sich in diesem Punkt auf die Seite der Gegner schlug und die CVP gespalten war, resultierte ein Patt von 82 zu 82 Stimmen. Ratspräsident Roman Schmid (svp., Opfikon) gab daraufhin den Stichentscheid gegen Ausländer in den Reihen der Revieraufseher. Denkbar ist dazu ein Rückkommensantrag, bevor es in einigen Wochen nach der zweiten Lesung zur Schlussabstimmung kommt.

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