Switzerland

Nach dem Klimaprotest auf dem Bundesplatz: 10 Kommentare, die zum Weiterdenken anregen

Der Bundesplatz ist geräumt, das Klimathema wieder in aller Munde. Diese Kommentare von Leserinnen und Lesern zeigen, wie die Diskussion konstruktiv weitergehen kann.

Ist ziviler Ungehorsam das richtige Mittel? Das ist eine der Fragen, die nach dem Klimaprotest diskutiert werden.

Ist ziviler Ungehorsam das richtige Mittel? Das ist eine der Fragen, die nach dem Klimaprotest diskutiert werden.

Foto: Adrian Moser

«Klimachaoten» und «Arschlan», «Huerä fucking Glarner» und Rücktrittsforderungen an den Stapi – super konstruktiv ist die Diskussion um den Klimaprotest ja nicht immer verlaufen. Immerhin: Es wird diskutiert. Weit über 1000 Kommentare und Leserbriefe gab es in den letzten Tagen zu diesem Thema. Wir haben zehn herausgepickt, die nicht im Demo-Kleinkrieg verharren, sondern zum Weiterdenken anregen:

Keine Kompromisse

Welche Möglichkeiten hat eine junge Generation, deren Zukunft von einer Krise nie gesehenen Ausmasses geprägt sein wird, noch? Im Kampf ums Überleben gibt es keinen Kompromiss. Anstatt die Legitimität der Klimabewegung und die extreme Dringlichkeit anzuerkennen, wird leider wieder nur über Bürokratie gesprochen. Wie soll ich meiner kleinen Schwester erklären, wieso der Reichtum weniger über das Leben aller gestellt wird? Wie soll ich als junger Mensch noch optimistisch in die Zukunft blicken? Kritikerinnen und Kritiker sollten sich mal ernsthafte Antworten überlegen, anstatt sich in Paragrafen zu verbeissen – denn die Klimakrise betrifft alle. Leserbrief von Pascal Kipf, Liebefeld

Willkür bei Demonstrationen

Wir haben Regeln und Gesetze, wie eine Demo ablaufen muss. Diese müssen bei Bedarf auch konsequent durchgesetzt werden, egal, ob es Klimaaktivisten, Corona-Gegner, Rechts- oder Linksextreme etc. sind. Denn sonst wird der Willkür Tür und Tor geöffnet. Die einen Demonstrantinnen und Demonstranten sind gut, weil sie sich ja für das Klima einsetzen, und die anderen sind böse, weil sie für was auch immer demonstrieren. Das Signal muss auch ganz klar sein für alle folgenden Demos. Sonst meinen die Nächsten, dass man nur genug renitent sein muss. Die Verantwortlichen müssen ihren Job machen, auch wenn er nicht so angenehm ist. Onlinekommentar von Silvia Donner

«Ziviler Ungehorsam oder sogenannt illegale Aktionen haben eine lange Tradition, zum Beispiel unser Nationalheld Tell.»

Christian Bauer

Irrwitzige Ziele sind unsinnig

Was die Schweiz in Bezug auf den CO₂-Ausstoss unternimmt, ist sowieso nutzlos. Wir benötigen die USA und China an Bord, alles andere verringert nur unseren Wohlstand ohne Effekt auf das Klima. Das ist nun mal eine Tatsache. Wir sollten auf jeden Fall nicht hinterherhinken oder sollten leicht voraus sein, aber uns irrwitzige Ziele aufzuerlegen, die – global betrachtet – keinerlei Konsequenzen haben, ausser dass wir ärmer werden, ist unsinnig. Es ist besser, ein reiches Land zu bleiben und die Ressourcen in anderen Ländern zur Umsetzung von Massnahmen oder zur Förderung der öffentlichen Wahrnehmung zu investieren. Onlinekommentar von Yarne Meyer

Ich hoffe, wir kriegen die Kurve

Ich bin dankbar, dass sich Menschen für unseren bewohnbaren Planeten einsetzen. Die Klimaschützer sind Menschen wie du und ich, die sich aber der Dramatik der Umweltsituation bewusst sind – meist Menschen, die studieren, arbeiten und sich die Zeit für solche Aktionen freischaufeln müssen. Diese Klimaschützer wollen uns warnen. Eine exponentielle Zerstörung des Klimas wird schon bald die katastrophalen Auswirkungen auch in der Schweiz zeigen. Ich hoffe, wir kriegen die Kurve und starten, die Klimakrise wirklich ernstzunehmen. Onlinekommentar von Christina Marchand

Ziviler Ungehorsam hat Tradition

Ziviler Ungehorsam oder sogenannt illegale Aktionen haben eine lange Tradition: von Mahatma Gandhi und M. Luther King bis zu unserem Nationalhelden Tell. Wichtige Veränderungen, Revolutionen sind kaum je durch «braves und erlaubtes» Demonstrieren zustande gekommen, und die Klimajugend hat lange genug brav demonstriert, ohne dass sich viel geändert hat. Onlinekommentar von Christian Bauer

@Christian Bauer: Der Unterschied zu den von Ihnen erwähnten Beispielen ist, dass wir hier ein ganzes Arsenal an direktdemokratischen Instrumenten haben (Initiativen, Referenden, Petitionen usw.), welche solche Aktionen einfach überflüssig und illegitim machen. Onlinekommentar von Pascal Wegweis

Nach der Räumung des Bundesplatzes blieb Abfall liegen.

Nach der Räumung des Bundesplatzes blieb Abfall liegen.

Foto: Adrian Moser

Sich für das Klima einsetzen, aber nicht so

Nichts gegen mehr Klima- und Umweltschutz und umweltbewussteres Denken und Handeln, aber bitte nicht so. Die Demo war unbewilligt, verboten und somit illegal. Leider haben die Politiker und die Polizei diesem Treiben viel zu lange zugeschaut. Dies auf Kosten der Marktbetreiber, die dadurch finanzielle Einbussen erleiden mussten. Die selbst ernannten Klimaaktivisten haben sich strafbar gemacht. Nun sollen sie auch gebüsst und zur Kasse gebeten werden. Denn schon nur Corona-bedingt war dieser Menschenauflauf «bireweich». Und was mich am meisten an dieser Aktion stört: heuchlerisch für den Klima- und Umweltschutz einstehen wollen, den Abfall aber nicht korrekt entsorgen – das geht gar nicht. Leserbrief von Andrea Mordasini, Bern

«Fortschritte sind erst dann zu erwarten, wenn erneuerbare Energien und die Kernenergie gefördert werden.»

Benedikt Jorns

Klimaabkommen hochzuhalten, macht Effort zunichte

Und was hat der Klamauk nun dem Klima gebracht? Genau gar nichts. Solange wir uns mit einem Pariser Klimaabkommen brüsten, welches die grössten Emittenten China und Indien von jeden Verpflichtungen befreit, müssen wir uns gar nicht darüber unterhalten, ob wir uns Umlenkungssteuern auferlegen sollen, die schlicht null Impact haben. Wir verschlechtern nur die Wettbewerbsfähigkeit. Letzteres ist auch der Grund, warum Trump dieses Abkommen zu Recht ignoriert. Es ist eine Farce, die leider von zu vielen noch immer hochgehalten wird. Solange wir das tun, wird jeder Effort zunichtegemacht sein, bevor er überhaupt angegangen wird. Paris ist das programmierte Scheitern, und alle verschliessen die Augen davor – auch die Klimademonstranten. Das ist das Thema, welches endlich diskutiert werden sollte. Onlinekommentar von Martin Schwizer

Erneuerbare Energien und Kernenergie fördern

Die ganze Energieversorgung muss von Erdöl, Kohle und Gas befreit werden. Die beiden anderen Energiequellen sind bekanntlich die erneuerbaren Energien und die Kernenergie. Anstatt beide stark weiterzuentwickeln, werden sie gegeneinander ausgespielt. Entscheidende Fortschritte sind erst dann zu erwarten, wenn sowohl die erneuerbaren Energien wie auch die Kernenergie wesentlich stärker als heute gefördert und weiterentwickelt werden. Die Klimaaktivisten erreichen dann am meisten, wenn sie sich in diesen beiden Bereichen engagieren. Ein hartnäckiges Verbleiben auf dem Bundesplatz würde konstruktives Denken und Handeln der Demonstrierenden infrage stellen und leider viele Sympathien im Volk verscherzen. Onlinekommentar (gekürzt) von Benedikt Jorns

Vor dem Bundeshaus wird demonstriert, drinnen entschieden.

Vor dem Bundeshaus wird demonstriert, drinnen entschieden.

Foto: Adrian Moser

Wer Mehrheiten schafft, entscheidet – nicht wer demonstriert

Aktivistinnen und Aktivisten sagen, sie hätten mit zivilem Ungehorsam die Politik herausgefordert und diese habe gezeigt, dass sie sich gegen eine klimagerechte Zukunft positioniere. Die Demonstranten sollten verstehen, dass in einem demokratischen Rechtsstaat nicht eine Gruppe Demonstranten entscheidet, welche sich letztendlich der Demokratie entzieht. Entscheiden tun diejenigen, die Mehrheiten schaffen. Das Ringen um den Klimaschutz findet unter der Ratskuppel in der Diskussion und in den Meinungsverschiedenheiten statt. Radikalforderungen haben selten Erfolg. Die Demonstranten haben sich für volle Konfrontation entschieden. Der Räumungsentscheid hat mit einer Positionierung wenig bis nichts zu tun – wenn, dann nur, dass der Respekt vor breit abgestützten Regeln eingefordert wird. Schade um die hehren Ziele, die Methoden kann ich leider nicht unterstützen. Onlinekommentar (gekürzt) von Tom Taylor

Drei Wünsche für die Umwelt

Dass sich in den Kommentarspalten Rechte und Linke verbal die Köpfe einschlagen, ist mir zu langweilig. Weshalb nicht für einmal eine ernst gemeinte Diskussion starten? Ich wünsche mir Folgendes bezüglich Umwelt: dass Kreuzfahrten teuer werden, damit die Angestellten anständige Löhne erhalten und die Kähne nicht mit dreckigem Treibstoff fahren. Dass Fliegen teurer wird und dass Leute wie ich längere Zeit daraufhin sparen müssen und wieder Vorfreude erleben. Dass die Schweizer Entwicklungshilfe während mindestens eines Jahrzehnts den Schwerpunkt auf Verhütung legt – und wir nicht einfach abwarten, bis die Geburtenrate in den Entwicklungsländern (nach Jahrzehnten) von selber sinkt. Es ist okay, diese Vorschläge schlecht zu finden. Man kann eigene Vorschläge machen, damit eine Diskussionskultur entsteht, die unsere Gesellschaft (vielleicht) weiterbringt. Onlinekommentar von Andrea Meyer

dog

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