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Nach Beinahe-Prügelei: Darum werden Wilder und Fury nicht zusammen gewogen

1. Wer kämpft überhaupt und um was gehts?

Es ist der am heissesten herbeigefieberte Kampf des Box-Jahres: Weltmeister Deontay Wilder (34, USA) trifft auf Tyson Fury (31, Gb) kämpfen in der Nacht auf Sonntag im legendären MGM Grand von Las Vegas um den WBC-Weltmeistertitel. Es ist das zweite Duell der beiden: Im Dezember 2018 standen sich die beiden ungeschlagenen Boxer schon einmal gegenüber. Damals gab es nach einem spektakulärem Fight, in dem Fury zweimal zu Boden ging, ein Remis.

2. Wo kann ich den Kampf sehen?

Der Streaming-Dienst DAZN zeigt den Fight am frühen Sonntagmorgen ab 5:45 Uhr live. DAZN zeigt ab 3 Uhr auch die Vorkämpfe als Direktübertragung.

3. Wer ist der härtere Schläger?

Wilder. Der WBC-Weltmeister aus dem US-Bundesstaat Alabama ist in 43 Kämpfen (42 Siege, 41 Knockouts, 1 Remis) ungeschlagen. Nur bei einem seiner Siege (2015 gegen Bermane Stiverne einstimmig nach Punkten) musste er über die volle Distanz gehen. Ansonsten hat sich Gegner ein Mittel gefunden gegen die verheerend harte rechte Faust des Olympia-Bronzemedaillengewinners von 2008 – ausser eben Fury beim Unentschieden 2018.

4. Ist er auch der bessere Boxer?

Nein. Geht es nach Technik, Variabilität und Instinkt, ist Tyson Fury der stärkste Schwergewichtler der Gegenwart. Im ersten Fight gegen Wilder war der 2,06-m-Riese beweglicher und treffsicherer, dominierte die meisten Runden. Er ist trotz seiner Masse schwer zu treffen und kann sowohl als Links- als auch Rechtsausleger boxen. Und der Brite bewies, dass er einstecken kann: Zweimal stand er nach einem harten Treffer von Wilder wieder auf. Nicht, dass ihm das im Ring helfen würde: Aber auch als Unterhalter ist Fury Wilder überlegen. Der Brite ist scharfzüngiger, schlagfertiger und lustiger – und er dürfte nach dem Fight wieder als Amateur-Sänger auftreten. Nach dem ersten Wilder-Kampf gabs an der Pressekonferenz eine spontane Interpretation von «American Pie».

5. Warum dürfen die beiden Kontrahenten nicht zusammen zum Wiegen antreten?

Weil sie bei einer Pressekonferenz diese Woche aneinandergeraten sind. Statt manierlich Journalistenfragen zu beantworten, standen sich die beiden minutenlang Auge in Auge gegenüber, pöbelten gegeneinander und begannen dann, sich zu schubsen. Aus Sicherheitsgründen kommt es nun am Freitagabend (Mitternacht Schweizer Zeit) nicht zum traditionellen «Face-off» beim Wiegen. «Zwei Profis die sich gegenseitig herumschubsen und in Kauf nehmen, dass sich vor dem grossen Kampf jemand verletzt, das passt nicht zum Boxen als grosse Sportart», so Bob Bennett, Direktor der Nevada Athletic Commission, die den Kampf lizenziert. «Die Pressekonferenz sprach für sich.» Andere sahen das weniger entspannt. «Ich bin schockiert», sagt Todd duBoef von Mitveranstalter «Top Rank». «In 25 Jahren im Box-Business habe ich nie davon gehört, dass ein Face-off abgesagt worden wäre. Das ist frustrierend.»

6. Was sagen die Buchmacher?

Die sehen Wilder als leichten Favoriten, bieten aber vor allem auch sonst unterhaltsame Wetten an. Zum Beispiel darüber, ob US-Präsident Trump dem Sieger gratuliert (bei Wilder wohl ja, bei Fury eher nein), ob Wilder maskiert in den Ring kommen wird, wie lange der Kampf dauern wird (mehr oder weniger als 10,5 Runden).

7. Wer gewinnt?

BLICK sagt: Fury. Im ersten Duell war der Engländer besser, in den Augen vieler Experten hätte er den Punktsieg verdient gehabt. Kommt dazu, dass er mittlerweile in besserer Verfassung sein dürfte als vor 14 Monaten: Der Wilder-Fight war erst der dritte Kampf nach seinem Comeback nach langer Drogen-, Alkohol- und Depressions-Pause für Fury. Jetzt hat der Brite wieder zwei Jahre Leben als Profi hinter sich, dürfte noch spritziger sein. Sein Problem: Die ganz grosse Knockout-Power fehlt ihm. Damit ist er darauf angewiesen, dass ihn die Punktrichter korrekt behandeln – und der Heimvorteil liegt in Las Vegas beim Gegner, dem US-Amerikaner Wilder.