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Mosnang/Münchwilen: «Ich hatte Angst, meinen Sohn zu ertränken»

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250 Augenoperationen hat Luana Maione bereits hinter sich. Beim Gang ins Spital konnte sie stets auf Taxifahrer Samuel Künzle bauen. Heute sind die beiden glücklich verheiratet.

Luana Maione leidet seit ihrer Geburt an der Krankheit «Grüner Star». Ihren ersten Eingriff hatte sie bereits im Alter von vier Monaten. Wie die «Wiler Nachrichten» am Donnerstag berichten, sind es mittlerweile bereits 250 Operationen, die die Frau über sich ergehen lassen musste. Viele seien missglückt und auch eine Hornhaut-Transplantation sei erfolglos gewesen.

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Ihr heutiger Ehemann Samuel Künzle hat sie jahrelang regelmässig von Wil ins Kantonsspital St. Gallen gefahren. Künzle wohnte bis 2013 in Mosnang SG. Dort hat er als Taxifahrer im Familienunternehmen «Taxi Elvis» gearbeitet. Heute ist der 30-Jährige Musiker und Elvisimitator und lebt von der Musik.
Weshalb sie ständig ins Krankenhaus musste, wusste er anfangs nicht. Erst später erzählte sie ihm seine Geschichte.

Prägende Vergangenheit

Zu Beginn sei Maione vom Taxifahrer nämlich nicht so angetan gewesen. «Anfangs hielt ich ihn für einen Angeber. Er erzählte immer von Hollywood und der Musik. Das imponierte mir nicht», so die 35-Jährige. Für sie sei es auch schwierig gewesen, seine Hilfe anzunehmen. «Ich bin es gewohnt, mich nur auf mich selbst zu verlassen», so die Münchwilerin. Die zweifache Mutter habe aufgrund der Krankheit schon früh Verantwortung tragen müssen.

In der Vergangenheit litt sie oft unter Angstzuständen und starken Schmerzen. Mit 24 Jahren musste sie sogar die IV-Rente beantragen. Aufgrund ihrer Krankheit habe ihr damaliger Freund sie während der zweiten Schwangerschaft verlassen. Für sie eine schwierige Zeit. «Anfangs hatte ich Angst, dass ich meinen Sohn beim Baden ertränke, da ich das Wasser nicht sehe», so Maione. Also habe sie mit Lebensmittelfarbe das Wasser eingefärbt, um es besser zu sehen.

Anderen helfen

Künzle habe um ihre Liebe gekämpft. Anfangs der Beziehung habe seine Nähe sie nämlich fast erdrückt. Doch sie habe gelernt, zu vertrauen. «Ich ging 30 Jahre lang durch die Hölle. Das Spital war mein Zuhause. Jetzt bin ich da, wo ich immer hin wollte», wird die 35-Jährige zitiert.

Inzwischen ist das Paar glücklich verheiratet und möchte Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung helfen. Die beiden wollen einen Verein oder eine Stiftung namens «Luana» gründen und Benefizkonzerte veranstalten. Oft würden Menschen nach der Diagnose einer Sehkrankheit alleine gelassen. «Diese Lücke will ich schliessen», so Maione.

(gab)

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