Switzerland

Mordversuch aus Habgier? Eine Frau soll ihrem Nochehemann Temesta in sein Lieblingsgetränk gemischt haben

Ein Ehepaar muss sich wegen unterschiedlicher Vorwürfe vor Bezirksgericht Zürich verantworten. Sie soll versucht haben, ihn mit einem präparierten Getränk zu ermorden. Er soll sie mehrfach vergewaltigt haben. Beide Beschuldigten bestreiten die Tatvorwürfe.

Der arglose Ehemann trinkt zwei Gläser eines mit Psychopharmaka präparierten Getränks.

Der arglose Ehemann trinkt zwei Gläser eines mit Psychopharmaka präparierten Getränks.

Florian Gaertner / Photothek / Imago

Beide leben seit rund 30 Jahren in der Schweiz und haben vier gemeinsame, mittlerweile erwachsene Kinder. Beide sind in Pflegeberufen tätig, beide stammen aus Kosovo, beide sind angeklagt, für beide werden Freiheitsstrafen und Landesverweise beantragt: Während die 53-jährige Ehefrau aber von Polizisten in den Gerichtssaal geführt wird, ist ihr 48-jähriger Nochehemann derzeit ein freier Mann. Begegnen tun sich die beiden vor Gericht nicht. Die Befragung der einen Person wird für die andere Person jeweils per Video in einen separaten Raum übertragen.

In einem Nebenpunkt sind beide Beschuldigten des Sozialhilfebetrugs angeklagt: Mehrere Immobilien in Kosovo im Gesamtwert von rund 170 000 Euro sind nicht deklariert worden. Zudem hatte die Ehefrau zwei Monate lang ein Einkommen von 5500 Franken gegenüber den Behörden nicht angegeben. Gemäss Version der Anklage hatte der Ehemann den Besitz der Liegenschaften lange Zeit vor seiner Frau geheim gehalten.

Ehemann verfällt in Tiefschlaf

Irgendwann soll die Beschuldigte erfahren haben, dass ihr Ehemann in Kosovo auch ein Verhältnis zu einer wesentlich jüngeren Frau unterhielt. Laut Anklage befürchtete sie deshalb, dass ihr Ehemann das Vermögen seiner Familie im Falle einer Scheidung seiner Geliebten zukommen lassen würde. Aus Habgier soll sie geplant haben, ihn zu töten. Ende März 2018 zog ihr Mann aus der gemeinsamen Wohnung aus. Am 5. April soll sie ihn in die Wohnung nach Zürich gelockt haben. Er habe noch Sachen zurückgelassen. Er solle diese holen kommen, andernfalls werde sie die Sachen fortwerfen.

In der Wohnung bot sie ihm sein aus Wasser, Honig und Weintrauben gekochtes Lieblingsgetränk an, das sie zuvor mit Psychopharmaka und Beruhigungsmitteln – «Risperdal»- und «Temesta»-Tabletten – präpariert hatte. Der arglose Ehemann trank zwei Gläser davon. Er wurde sehr müde und verfiel in einen Tiefschlaf. Gestorben ist er aber nicht, was die Frau – laut Anklage – am nächsten Morgen bemerkte. Deshalb soll sie ihm die Schlaufe eines Netzkabels um den Hals gelegt und kräftig daran gezogen haben.

Kurz vor Todeseintritt betraten aber – immer gemäss Anklage – zwei Töchter des Ehepaars das Zimmer und zogen die Mutter vom Vater weg. Der Mann wurde ins Spital gebracht und überlebte, die Frau wurde verhaftet. Seit dem 6. April 2018 sitzt sie in Gefängnissen, inzwischen im vorzeitigen Strafvollzug im Frauengefängnis Hindelbank. Im Verlauf der Strafuntersuchung gegen sie deckte sie ihren Ehemann mit Vergewaltigungsvorwürfen ein, nachdem sie die Ehe zunächst noch als gut bezeichnet hatte.

«Damit ich in der Nacht ruhig schlafen kann»

Bei der Befragung vor Bezirksgericht behauptet die Frau, ihr Mann sei gar nie richtig ausgezogen, sondern habe jede Nacht weiterhin in der Zürcher Wohnung verbracht. Sie räumt ein, ihm Medikamente ins Getränk getan zu haben, aber nicht, um ihn zu töten, sondern «damit ich in der Nacht ruhig schlafen kann». Wie viele Tabletten es waren, kann sie nicht sagen. «Es waren aber schon ein paar.» Stetig wiederholt sie, sie sei sehr verzweifelt gewesen und habe in panischer Angst vor ihm und unter einer grossen seelischen Belastung gelebt. Zwei Tage zuvor sei sie zum wiederholten Mal von ihm vergewaltigt worden.

Ebenfalls zwei Tage zuvor hatte sie von ihrer Ärztin 14 Tabletten «Risperdal» und 20 Tabletten «Temesta» bezogen. Bei der Hausdurchsuchung nach der Tat wurden nur noch 3 «Temesta»-Tabletten gefunden. Diese habe sie für sich bezogen und nichts geplant, beteuert die 53-jährige Beschuldigte. Sie habe auch nicht alle ins Getränk getan. Die anderen habe sie in ihre Jacke gesteckt und «draussen in einen Kübel geworfen».

Am nächsten Morgen sei ihr Ehemann aufgewacht und habe gemerkt, was sie getan habe. Er habe sie angegriffen. In panischer Angst habe sie nach dem Kabel gegriffen. Sie habe sich nur gewehrt. Ein Richter macht sie darauf aufmerksam, dass der Ehemann laut dem rechtsmedizinischen Gutachten auch am Morgen noch im Tiefschlaf gewesen sein muss. «Er war wach, er hat mich angegriffen», wiederholt sie. Sie sei in einem Schockzustand gewesen. Eine Tochter habe ihr dann eine Ohrfeige verpasst und sie vom Ehemann weggezogen.

Zu den Immobilien in Kosovo sagt sie, es habe sie nicht interessiert, was ihr Mann in Kosovo gemacht habe. Zudem habe er ihr immer gedroht, und sie habe Angst vor ihm gehabt. Auch ein weiterer Vorwurf, wonach sie ihrem Ehemann dreimal eine TV-Fernbedienung gegen den Kopf geschlagen haben soll, stimme nicht. Es sei eine Falschanzeige. Sie sei von ihrem Ehemann jahrelang missbraucht und ihre Kinder seien von ihm jahrelang misshandelt worden.

Stimmen und Schreie gehört

Der Ehemann erklärt in seiner Befragung, seine Ehefrau habe ihn mit dem Getränk hereingelegt. «Ich hätte nicht erwartet, dass sie so weit gehen würde.» Die Frau müsse das vorbereitet und geplant haben. Er habe ab Ende März 2018 in seiner neuen Wohnung übernachtet, was seine Frau erzähle, stimme nicht. Was sich am Morgen nachdem er das Getränk getrunken hatte, abgespielt habe, wisse er nicht. Er sei am Morgen immer noch schläfrig gewesen, habe einfach einen Druck von einem Kabel am Hals gespürt und Stimmen und Schreie gehört. Er könne aber nicht sagen, wer was gemacht habe.

Er lebe nun mit einer neuen Partnerin zusammen, erzählt er. Diese habe ihm seine Schulden von 110 000 Franken beim Sozialamt bezahlt. Er zahle es ihr mit monatlichen Raten von 1000 Franken zurück. Die vier erwachsenen Kinder hätten den Kontakt zu ihm abgebrochen. Seine zwei Enkelkinder habe er noch nie gesehen. Die Kinder stehen offensichtlich zu ihrer Mutter.

Die Vergewaltigungsvorwürfe seiner Ehefrau seien erfunden. Er habe schon in der gemeinsamen Wohnung ein eigenes Zimmer gehabt. Und seine Frau sei jeweils zu ihm ins Zimmer gekommen, wenn sie Lust gehabt habe. Sie sei es gewesen, die ihn zum Sex gezwungen habe. Dazu habe sie ihm schon früher etwas in die Getränke getan, so dass er die Kontrolle über sich verloren habe. «Ich habe ihr offen gesagt, dass ich mit anderen Frauen Geschlechtsverkehr habe», erklärt er, er habe es gar nicht nötig gehabt, mit seiner Ehefrau zu schlafen oder sie zu vergewaltigen. Wenn er sie während der Ehe ständig vergewaltigt haben soll, hätte sie ja Anzeige erstatten können. Das habe sie nie gemacht.

Zu den Sozialhilfe-Vorwürfen macht der Mann vor Gericht keine Aussagen. In der Untersuchung hatte er sich auf den Standpunkt gestellt, er habe nicht gewusst, was im Antrag auf Sozialhilfe gestanden sei.

Einen Beweisantrag des Verteidigers der Frau auf Befragung von zwei Kindern des Ehepaars vor Gericht lehnen die Bezirksrichter ab. Die vier Kinder seien alle während der Untersuchung schon dreimal befragt worden. Eine anwesende Tochter schreit daraufhin in den Saal, sie habe gesehen, wie ihr Vater die Mutter vergewaltigt habe. Er habe auch versucht, sie zu vergewaltigen.

Die Anträge der Parteien sind noch nicht bekannt. Der Prozess ist vorerst unterbrochen und wird am 19. November mit den Plädoyers fortgesetzt.

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