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Monika Maron gecancelt?: Zu rechts für den S. Fischer-Verlag

Schon länger fiel sie durch rechte Positionen auf. Nun hat sich der Verlag von seiner langjährigen Autorin Monika Maron getrennt.

Der Schriftstellerin Monika Maron bietet der S.-Fischer-Verlag über die bestehenden Verträge und einen für 2021 geplanten Essayband hinaus keine neuen Buchverträge mehr an.

Der Schriftstellerin Monika Maron bietet der S.-Fischer-Verlag über die bestehenden Verträge und einen für 2021 geplanten Essayband hinaus keine neuen Buchverträge mehr an.

Foto: Keystone

Man hat Monika Maron für ihren Mut und ihre kritischen Stellungnahmen gefeiert. Seit einiger Zeit aber gefällt ihr, nun ja, sperriges Auftreten weniger; es ist eher im rechten Spektrum angesiedelt. Und der S.-Fischer-Verlag, dem sie seit 1981 verbunden war, will sie in Zukunft nicht mehr publizieren. Was ist passiert?

Die 79-jährige Schriftstellerin selber gibt sich im Gespräch mit der «Welt am Sonntag» eher verständnislos, obwohl schon seit längerem Unstimmigkeiten geschwelt hätten. «Natürlich weiss ich, dass man nicht mit allen meinen politischen Äusserungen zum Islam und zur Flüchtlingspolitik glücklich ist», räumt sie ein. Bereits beim Roman «Munin oder Chaos im Kopf», der 2018 bei S. Fischer erschien, sei der Verlag mit Bedenken auf sie zugekommen. Im Roman werden der Dreissigjährige Krieg und die Auswirkungen der Flüchtlingskrise in Deutschland ineinander gespiegelt, es ist von bedrohlichen Massen junger Männer die Rede, von «südlichen Typen».

Rechtsextremer Verlag

Verlagschefin Siv Bublitz hält fest, man habe sich in den vergangenen Monaten intensiv ausgetauscht über die verfahrene Situation. In der Pressemitteilung formuliert sie: «Man kann nicht bei S. Fischer und gleichzeitig im Buchhaus Loschwitz publizieren, das mit dem Antaios-Verlag kooperiert.» Im Frühling war in der «Exil»-Reihe des Dresdner Buchhauses Loschwitz Marons Band «Krumme Gestalten, vom Wind gebissen» erschienen; Maron betont, der S.-Fischer-Verlag sei ihrer Bitte nach einem Essayband damals nicht nachgekommen. Besagter Antaios-Verlag wird von einer prominenten Figur der rechtsextremen Szene geführt.

Das ist also das traurige Ende einer Geschichte, die damit begann, dass der S.-Fischer-Verlag einer unterdrückten Stimme eine Heimat bot. Marons Debütroman «Flugasche» handelt von einer Journalistin, die einen Umweltskandal in B. – der Chemie-und-Kohle-Stadt Bitterfeld – aufdecken will und dafür von der SED drangsaliert wird. Er geisselt die Politik ebenso wie die Duckmäuserei der DDR-Bürger. Und durfte in der DDR nicht veröffentlicht werden. So erschien «Flugasche» im westdeutschen S.-Fischer-Verlag – während die Romancière selbst noch bis 1988 in Ostberlin wohnen blieb.

Monika Maron, Stieftochter des zeitweiligen DDR-Innenministers Karl Maron, hatte sich den Ansprüchen des Mainstreams und auch des Apparats nie gebeugt. Selbst als sie sich Mitte der Siebziger für kurze Zeit von der Stasi anwerben liess, hielt sie ihre Auftraggeber auf Abstand – und trennte sich bald wieder, wurde selbst zum bespitzelten Objekt. Jetzt, so zitiert sie die «Süddeutsche Zeitung» (SZ), sei sie «traurig und fassungslos», dass sie sich «in einer Situation befinde, in der ich vor vierzig Jahren mit Flugascheschon einmal war. Nur war ich damals eben vierzig Jahre jünger.»

«Ein gutes Programm braucht Meinungsvielfalt.»

Siv Bublitz, S.-Fischer-Verlags-Chefin

Verlagsleiterin Bublitz wehrt sich gegen Vorwürfe, sie betreibe eine Art Cancel-Kultur und erlaube kein breites Meinungsspektrum im Verlag. «Wir haben sehr unterschiedliche Positionen im Verlagsprogramm zu politischen und gesellschaftlichen (und vielen weiteren) Fragen. Ein gutes Programm braucht diese Vielfalt. Wenn es Kontroverses oder Provozierendes gibt, dann wird diskutiert oder auch gestritten. Doch das kann nie ein Grund sein, sich von einer Autorin zu trennen», sagt sie der SZ. Marons Publikation in der «Exil»-Reihe habe jedoch eine rote Linie überschritten.

«Besonders problematisch ist für uns das Umfeld des Antaios-Verlags, mit dem das Buchhaus Loschwitz kooperiert. Zu dessen Programm gehören zahlreiche Bücher, die völkisch-rassistische Positionen vertreten. Mit völkischen und rassistischen Diskursen will der S.-Fischer-Verlag nicht assoziiert werden, auch nicht mittelbar», unterstreicht Bublitz, die auf das Geschichtsbewusstsein des Verlags pocht, der 1886 vom deutsch-jüdischen Verleger Samuel Fischer gegründet wurde und im Dritten Reich schwer unter Repressalien zu leiden hatte. Der international renommierte Verlag steht für eine liberale, diverse Gesellschaft, die sich gegen Rassismus und Diskriminierung stellt. Auf eine Diskussion vor der Publikation bei Loschwitz habe sich Monika Maron – Enkelin eines jüdischen Holocaust-Opfers – nicht eingelassen.

Opfer der Political Correctness?

Maron beruft sich gegenüber der SZ dagegen auf ihre langjährige Freundschaft mit der inzwischen nach rechts abgedrifteten Leiterin des Buchhauses Loschwitz und vermutet, dass der S.-Fischer-Verlag seine Bereitschaft, das Meinungsspektrum der Gesellschaft abzubilden, verloren habe. Im letzten Roman, «Artur Lanz», im Sommer bei S. Fischer publiziert, geht es darum, was in einer dem Mainstream «unterworfeneGesellschaft, unter dem Joch der Political Correctness, noch gesagt werden darf. Sie fühle sich nun genau in jener Lage, die sie dort beschreibe.

Der S.-Fischer-Verlag will im Frühling dennoch einen letzten Essayband – mit älteren Texten – veröffentlichen. Quasi als Abschiedsbouquet. Eine Versöhnung ist angesichts der zwei diametral entgegengesetzten Standpunkte nicht denkbar. Der Konflikt ist symptomatisch: Manche der einstigen aufrechten DDR-Kritiker sind fast unversehens an den rechten Rand gerutscht.

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