Switzerland

Mitbieterin Shake Alushi ist nach Tumult-Versteigerung der Erb-Villa immer noch aufgewühlt: «Für mich ist ein grosser Traum geplatzt»

Die Zwangsversteigerung der Erb-Villa in Winterthur ZH endete gestern mit einem Paukenschlag: Rund 200 Schaulustige wurden Zeugen eines Bieterstreits zwischen der Immobilienunternehmerin Shake Alushi und Robert Hofer, Inhaber der Bau- und Immobilienfirma Leeman + Bretscher. Über dreissig Mal gingen die Gebote hin und her, bis nur noch zwei Personen übrig blieben, die mitboten.

Dann brechen tumultartige Zustände aus: Bei 2,6 Millionen Franken erhält Bieter Hofer den Zuschlag. Das Publikum protestiert lautstark. Auch Alushi wehrt sich. «Ich hatte nochmals ein Gebot abgegeben», so die 45-Jährige. Der Moderator und stellvertretende Notar des Konkursamtes Winterthur, Simeon Bertschinger, habe noch gar nicht «zum Dritten» gesagt. Der Konkursverwalter und Notar Stefano Masciadri schreitet ein und gibt Alushi recht.

Villa soll in Winterthurer Besitz bleiben

Alushi, Mutter einer achtjährigen Tochter und alleinige Inhaberin der Firma Berghof Alushi Immobilien, darf ihr Gebot von 2,61 Millionen Franken also doch noch abgeben. Sie bietet mit, bis der Betrag 2,65 Millionen Franken übersteigt. «Das war meine Limite, mehr konnte ich nicht bieten.»

Die Villa geht also doch noch an die Winterthurer Immobiliengruppe Leemann + Bretscher. Für 2,9 Millionen Franken – lediglich 50'000 Franken unter dem Preis, für den die Erb-Villa ursprünglich zum Verkauf ausgeschrieben war. Fast drei Jahre lang war kein Investor bereit, so viel zu bieten.

Wieso also bietet Hofer nun trotzdem so viel für das marode Anwesen? Offenbar hat er das Geld spontan ausgegeben – gegen den Rat seiner Frau. Sie hatte ihn am Morgen noch ermahnt: «Kauf den Mist nicht!» Zu BLICK sagt Hofer, er wisse noch nicht, was er mit dem Liebhaberobjekt hoch über Winterthur vorhabe. «Es war mir wichtig, dass das Anwesen in Winterthurer Händen bleibt», sagt er. Hofer kannte die Familie Erb, drückte mit einem der Söhne von Hugo Erb (1918–2003) die Schulbank.

Liebe auf den ersten Blick

Während der Zwangsversteigerung wurde aber auch klar, dass er auf keinen Fall wollte, dass der Zuschlag an seine Konkurrentin Alushi ging. Diese ist einen Tag nach den Ereignissen noch immer aufgewühlt. «Für mich ist ein grosser Traum geplatzt», sagt sie zu BLICK.

Die Villa Wolfensberg hätte sie privat nutzen wollen. Sie wollte mit ihrer Familie dort einziehen. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt die Unternehmerin aus Beggingen SH. Eine Beschwerde werde sie trotz des Zwischenfalls nicht einreichen. Sie wünscht dem neuen Besitzer trotz allem viel Glück mit dem Haus.

Alushi gehören in der Schweiz mehrere Immobilien. Derzeit baut sie in Mosen LU am Hallwilersee. Zudem ist sie Eigentümerin des Hotels Schweizer Hof in Blumberg (D).

Der Meistbietende hat sich verkalkuliert

Robert Hofer war für ein Statement nicht mehr erreichbar. Er könnte innert zehn Tagen eine Beschwerde einreichen. Immerhin musste er für die Villa am Ende 300'000 Franken mehr bezahlen als beim ersten, misslungenen Zuschlag. Darüber dürfte er sich am Tag danach ärgern. «Wir rechnen nicht damit, dass noch ein Rechtsmittel erhoben wird», sagt jedoch Konkursverwalter Masciadri.

«Der Meistbietende hat sich verkalkuliert», meint auch Auktionsexperte Martin Göppert, der schon an mehreren Versteigerungen von Immobilien teilgenommen hat. Das sei eben auch Teil des Spiels. «Wer etwas unbedingt will, handelt an einer Auktion immer auch ein Stück weit irrational», sagt er.

Sanierungskosten in Millionenhöhe

Das gesamte Anwesen ist in höchstem Grad sanierungsbedürftig. Zum letzten Mal wurde die Villa 1956 umgebaut. Die Verkaufsdokumentation des Anwesens zeigt auf, wie hoch die Kosten sind, die nun auf den Käufer zukommen: Rund 830'000 Franken kostet die obligatorische Instandsetzung des geschützten Terrassengartens.

Für die gesamten Aussenanlagen samt Swimmingpool kommen laut Schätzungen weitere 1,74 Millionen Franken dazu. Die Erneuerung von Werkleitungen und Wasserfassung werden sich auf mindestens 600'000 Franken belaufen.

Die Vergangenheit der Villa Wolfensberg

Die Villa Wolfensberg hat eine bewegte Vergangenheit. Erbaut wurde sie 1937 von Kurt Schoellhorn (1894–1966), Spross der Haldengut-Brauerei-Dynastie. Hugo Erb hatte das Anwesen damals gekauft, weil er den eingesessenen Winterthurer Familien zeigen wollte, dass er auch einer von ihnen ist. 2003 ging das undurchsichtige Imperium der Erbs in Konkurs. Die Gruppe hinterliess über sechs Milliarden Franken Schulden. Nach dem Konkurs der Swissair ist das bis heute die zweitgrösste Firmenpleite der Schweiz. Am 8. April 2017 wurde Rolf Erb (†65) von seiner Lebenspartnerin im Schloss Eugensberg in Salenstein TG tot aufgefunden. Er starb laut Obduktionsbericht an Herzversagen. Nur wenige Tage später hätte der Winterthurer wegen Betrug und Urkundenfälschung sieben Jahre ins Gefängnis müssen. Bereits versteigert wurden das Schloss Eugensberg, eine Oldtimer-Sammlung und mehrere Liegenschaften in Winterthur. (pbe)