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Mit Spenden und Musikwerbung: So zieht Tiktok den Jungen das Geld aus der Tasche

Auf Tiktok gelten andere Regeln als auf den übrigen Social-Media-Plattformen. Wer ein verspieltes Video mit den richtigen Hashtags zur richtigen Zeit postet, erreicht schnell ein Millionenpublikum – vorwiegend im Jugendalter. Meist handelt es sich um kurzlebige Unterhaltung wie Tanzeinlagen, Hundevideos und um Streiche.

Die chinesische Plattform Tiktok bringt derzeit unzählige neue Social-Media-Sternchen hervor, die der breiten Öffentlichkeit unbekannt sind. Etwa die US-Amerikanerin Loren Gray (17). Der Tiktok-Königin folgen 38 Millionen Leute – vorwiegend Teenies. Sie verkauft – genauso wie Influencer auf Instagram und Facebook – Reichweite für Geld. Aber nicht nur.

Fans «spenden» an ihre Stars

Anders auf den gängigen Social-Media-Plattformen bezahlen Zuschauer für Beiträge ihrer Stars – und das freiwillig. Startet ein «Tiktoker» eine Live-Übertragung, können Zuschauer diesem sogenannte «Gifts» zusenden. Tönt harmlos, in Tat und Wahrheit sind diese Geschenke aber nichts anderes als Geldbeträge.

Diese «Gifts» fliessen letztendlich in die Brieftasche des Darstellers. Einen Teil dieses Geldes zwackt Tiktok in die eigene Kasse ab. So finanziert sich die Gratis-App. Weil Minderjährige schon Tausende von Franken verschenkten, erhöhte Tiktok die Altersbeschränkung für diese Funktion auf 18 Jahre.

Das Alter muss auf der App nicht verifiziert werden. Trotzdem soll dieser Schritt genützt haben: Die Geschenke-Funktion habe seither an Beliebtheit verloren, wie das Onlineportal «Marketwatch» schreibt. Die neuen Tiktok-Sternchen, versuchen jetzt, andere Geldquellen anzuzapfen.

Viele versuchen den Schritt ins echte Showbusiness. Etwa in die Schauspielerei oder in die Musikbranche. So auch Loren Gray. Sie hat letztes Jahr einen Millionenvertrag bei einem Plattenlabel unterschrieben.

Geschäft mit der Musik

Damit nicht genug: Auf Tiktok verdienen die Darsteller Geld mit Werbung für Musik. Bei jedem Tiktok-Video läuft im Hintergrund ein Song. Künstler bezahlen die Darsteller, die Clips mit ihren neuen Songs zu drehen. Je mehr Aufrufe das Video erhält, desto populärer wird das Stück.

Auch entscheidet die Reichweite über die Höhe der Bezahlung: Die Preise sind von der Marke und der Anzahl der Aufrufe abhängig, die der Tiktoker pro Video durchschnittlich erreicht. Ein aktuelles Beispiel dafür der Song «Dance Monkey». Der Titel von «Tones and I» wurde durch Tiktok bekannt – und hält sich seit mittlerweile 23 Wochen an der Spitze der Schweizer Single-Charts.

Kinder werden ausgenommen

Der Tiktoker Jaden Hossler (19) schätzt, dass ein Darsteller mit mehr als vier Millionen Followers bis zu 2000 Dollar pro platzierten Song verdienen kann. Bei einem 15-sekündigen Video – wie auf Tiktok üblich – sind das 133 Dollar pro Sekunde.

Hossler, der auf 3,4 Millionen Fans auf Tiktok zählen kann, spricht im Gespräch mit «Marketwatch» aber auch ein Problem an. Die meisten Darsteller mit Millionenpublikum erhalten für eine Song-Platzierung nicht so viel Geld. Grund dafür ist laut Hossler das Alter der Tiktok-Sternchen: «Kinder werden stark unterbezahlt.»

Doch auch das klassische, von Instagram und Facebook bekannte Influencing spielt eine wichtige Rolle. Die Tiktok-Stars setzen Produkte, für die sie werben in ihren Videos in Szene. Oft albern, mit neuer Musik und Spezialeffekten, ganz im Tiktok-Style eben.

Wertvollstes Start-up der Welt

Die App gehört dem chinesischen Unternehmen Bytedance mit Hauptsitz in Peking. Bytedance ist das wertvollste Start-up der Welt und liegt mit einem Börsenwert von 75 Milliarden US-Dollar vor SpaceX und Airbnb.

Laut Angaben von «Datareportal» hat Tiktok 500 Millionen aktive Nutzer weltweit. Für die 2016 lancierte App macht das Platz neun unter den sozialen Netzwerken. Zurzeit sind keine Userzahlen aus der Schweiz bekannt. Zu den erfolgreichsten Schweizer Tiktokern gehören Sänger Luca Hänni (25) mit 743'000 und Freeskier Andri Ragettli (21) mit über 444'000 Followern.