Switzerland

Mit DJ Bobo und Langenthal das Gewitter vergessen

Die Slam-Poeten Dominik Muheim und Valerio Moser zeigen, dass der Lockdown für die Kleinkunst nicht nur schlecht war. Mit ihrem Corona-Comedyprogramm «Ä Härde Vire» sind sie auf Sommertour.

Dominik Muheim und Valerio Moser haben das Talent, aus unspektakulärem Alltag amüsante Geschichten zu spinnen.

Dominik Muheim und Valerio Moser haben das Talent, aus unspektakulärem Alltag amüsante Geschichten zu spinnen.

Foto: Adrian Moser

Im grellen Licht eines Lebensmittelgeschäfts bewegen sich zwei Einkäufer plötzlich in Zeitlupe. Als beide gleichzeitig zu den Karotten greifen wollen, berühren sich ihre Fingerspitzen. Nun fallen kurz alle Hemmungen, die sie sich in den letzten Wochen eisern angewöhnt hatten – also für den Fall, man begegnete überhaupt anderen Menschen. Zu kitschigen Geigenmelodien gehen die zwei Fremden dazu über, sich die Hände zu schütteln. Erst zögerlich, dann immer leidenschaftlicher. So schnell es allerdings angefangen hat, ist es vorüber. Die Einkäufer kaufen weiter ein.

Der Mann, der einem solch unromantischen Ort wie der Gemüsetheke eine solche Dramatik anzudichten vermag, heisst Dominik Muheim. Da sollte man sich von seinem Schnauz und seiner Vorliebe für Hemden, mit denen er am Ballermann kaum auffallen würde, nicht täuschen lassen. Das Talent, aus unspektakulärem Alltag – ja dem schieren Nichts – amüsante Geschichten zu spinnen, teilt Muheim mit seinem Partner in Crime Valerio Moser. Der Basler und der Langenthaler Wortkünstler präsentierten gestern im Mokka in Thun ihr Corona-Programm «Ä Härde Vire».

Nie abgedroschen, mit sprachlichem Ehrgeiz und sympathischer, impulsiver Präsenz beleuchten sie Corona-Phänomene.

Wenn wir schon bei Dramatik sind, ist eine Rückblende an den Anfang des Abends angebracht. Die stattliche Zuschauerschar im Garten hat fertig gespeist und sich mehrheitlich auf die Plätze vor der Bühne verschoben. Da ziehen wie auf Kommando dunkelgraue Wolken auf, und anrollende Donner begleiten Muheims Gitarren-Intro. Im Text, der folgt, beschwört Moser die aufgekratzt-apokalyptische Stimmung vom 13. März herauf, als der Lockdown ausgerufen wurde. Er war damals, erzählt er, noch an einem «letzten Konzert» und fühlte sich wie ein Schwamm, der jedes Detail aufsaugte. Bevor es aber zu rührselig wird, kommt auch schon ein ironischer Bruch: «… wenn es wenigstens ein gutes Konzert gewesen wäre.»

Freude am Improvisieren

So spassig die Lage in Mosers und Muheims Rückblick klingt, sie war für die Bühnenkünstler und Moderatoren durchaus ernst, wie sie nicht verhehlen. Denn nicht nur für den Kuchen beim Grosi oder das Spielen in der Kneipe, sondern auch für ihre Auftritte und somit Einkünfte galt: «Alles fällt aus.» Dominik Muheim musste sein neues Soloprogramm gleich nach der Premiere aussetzen, Valerio Moser organisierte Poetry-Slams auf Youtube. «Hoffentlich fällt uns zum Schreiben genauso viel ein, wie jetzt ausfällt», fragten sie sich bang daheim in der Stille vor dem leeren Blatt. Das ist selbstverständlich etwas kokettiert, zählen sie in ihrem Fach doch zu den schlagfertigsten und kreativsten Schweizer Stimmen.

Und sie haben auch im Lockdown gute Arbeit geleistet. Nie abgedroschen, mit sprachlichem Ehrgeiz und sympathischer, impulsiver Präsenz beleuchten sie Corona-Phänomene. Es geht um Verschwörungstheorien (mit Auftritten von DJ Bobo), Briefkastenbeziehungen (zu den Eltern) oder Langenthal während der Pandemie (nicht viel leerer als sonst). Zudem kommt bei diesem so kurzfristig aufgegleisten Programm die Improvisier-Freude von Moser und Muheim zur Geltung. Sie binden Reaktionen aus dem Publikum in die Text-Performances ein und gestalten auch die Übergänge weitgehend spontan. Dabei öffnet sich im munteren Geplänkel der beiden Freunde auch mal unerwartet eine philosophische Falltür.

So verdrängen sie das Donnerwetter so lange, bis es regnet und der Rückzug ins Haus unausweichlich wird. Eine bessere Metapher für das menschliche Verhalten im Angesicht der Pandemie hätte ihnen nicht zufliegen können.

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