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Mit dem Impfstoff von AstraZeneca rücken weltweite Massenimpfungen noch schneller in Reichweite

Die Chancen steigen, dass schon im kommenden Jahr bedeutende Teile der Weltbevölkerung wirksam gegen Sars-CoV-2 geimpft werden können. Sorge bereitet der Industrie indes die wachsende Zahl von Impfgegnern.

Auch der britisch-schwedische AstraZeneca-Konzern ist auf der Zielgeraden mit einem Impfstoff.

Auch der britisch-schwedische AstraZeneca-Konzern ist auf der Zielgeraden mit einem Impfstoff.

Oxford University / John Cairns / EPA

Es scheint schon fast zur Regel zu werden: kein Montag ohne gute Nachrichten von der Impfstoff-Front. Nachdem in den vergangenen zwei Wochen das Duo Biontech und Pfizer sowie die Firma Moderna Therapeutics erste überzeugende Angaben zum Abschneiden ihrer Kandidaten in der abschliessenden Phase III gemacht haben, ist nun die Reihe an AstraZeneca. Auch der britisch-schwedische Pharmakonzern kann zusammen mit seinem Forschungspartner, der Universität von Oxford, einen Durchbruch vermelden.

Erst aktivieren, dann verstärken

So hat das Vakzin gegen Sars-CoV-2 mit der provisorischen Bezeichnung AZD1222 eine Wirksamkeit von 90% gezeigt bei der Vergabe in zunächst einer halben Dosis sowie – im zweiten Schritt – in einer vollen Dosis. Dieser Wert liegt nur wenig unter den Werten von 95 bzw. 94,5%, die Biontech/Pfizer und Moderna ausgewiesen haben. Als deutlich weniger wirksam erwies sich der Impfstoff von AstraZeneca laut den bisherigen Erprobungen, wenn er den Probanden zweimal in voller Dosis im Abstand von mindestens einem Monat gespritzt wurde. Dann beschränkte sich die Wirksamkeit auf 62%.

Allerdings steht für AstraZeneca wohl nun fest, dass man mit dem Regime von einer halben Dosis bei der ersten Verabreichung und einer vollen bei der zweiten fortschreiten wird. Wie Professor Andrew Pollard von der Universität Oxford an einer Online-Medienkonferenz sagte, hat sich gezeigt, dass man das Immunsystem so besser zur gewünschten Antwort bringt. Bei der ersten Dosis gehe es darum, es zu aktivieren – mit der zweiten stärke man es dann. Der Leiter der Studie in Phase III, welche die Universität von Oxford mit rund 23 000 Probanden in Grossbritannien, Brasilien und Südafrika durchgeführt hat, wies zudem darauf hin, dass in diesem Regime die Impfung noch besser vertragen worden sei als bei der Verabreichung in zwei vollen Dosen.

Unverhoffter Kapazitätszuwachs

Das zweimalige Spritzen mit einem Abstand von mehreren Wochen dazwischen dürfte bei Impfungen gegen Sars-CoV-2 zum Standard werden. Wenn sich AstraZeneca nun bei der ersten Verabreichung auf eine halbe Dosis beschränken kann, bietet dies dem Unternehmen Grössenvorteile in der Produktion und der Distribution. Bisher war man in der Firma davon ausgegangen, dass man zwei volle Dosen pro Impfung benötigen werde. Nun zeichne sich eine Mehrkapazität von 25% ab, rechnete die Managerin Pam Cheng vor, die bei AstraZeneca für den Impfstoff die gesamte Lieferkette verantwortet.

Laut ihren Angaben ist die Vorlaufzeit für die Herstellung des Wirkstoffs am längsten. Um das Vakzin fertig zu formulieren und abzufüllen, würden dann nur noch wenige Tage benötigt. Die Firma AstraZeneca, die anders als Pfizer im Geschäft mit Impfstoffen bis anhin nur ein kleiner Anbieter war, hat sich ein weitläufiges Netzwerk an Partnerfirmen für die Herstellung und die Distribution des Vakzins gegen Sars-CoV-2 aufgebaut. Es umfasst über zwanzig Unternehmen – darunter Auftragsfertiger, deren Dienste bis zu einem gewissen Grad auch Biontech/Pfizer und Moderna in Anspruch nehmen. Wie diese überschaubare Gruppe von Partnerfirmen die riesige Aufgabe im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Milliarden Dosen an Impfstoffen bewältigen wird, ist eine spannende offene Frage.

Es reicht (noch) nicht für alle

Bei AstraZeneca äussert man sich jedoch sehr zuversichtlich. Dank der bisherigen Produktion werde man schon bis Ende des ersten Quartals 2021 über 300 Mio. fertige Dosen parat haben, sagte der Konzernchef Pascal Soriot. Er fügte hinzu, dass pro Monat 100 Mio. bis 200 Mio. Dosen auf den Markt gebracht werden könnten. Dies sollte reichen, um wie geplant nächstes Jahr insgesamt bis zu 3 Mrd. Dosen herzustellen.

Zugleich hielt Soriot fest, dass dieses Volumen zusammen mit jenen von Pfizer/Biontech und Moderna noch nicht genüge, um die Erdbevölkerung ausreichend zu versorgen. Zur Erinnerung: Biontech und Pfizer kündigten an, nächstes Jahr bis zu 1,3 Mrd. Dosen zu liefern, bei Moderna liegt das Ziel bei 500 Mio. bis 1 Mrd. Dosen.

Lassen sich Impfgegner umstimmen?

Eine andere Frage ist, ob sich überhaupt genügend Leute impfen lassen werden, damit die Verbreitung des Virus rasch eingedämmt werden kann. Doch auch diesbezüglich sind die Forscher aus Oxford optimistisch gestimmt. Man habe bereits im April mit den ersten Impfungen begonnen, sagte Professor Pollard. Dadurch sei es gelungen, eine grosse Sammlung von Sicherheitsdaten zusammenzutragen, die nun den Zulassungsbehörden zum genauen Studium übergeben werde.

Besorgter äusserte sich im Gespräch mit der NZZ Iskra Reic, die für die Geschäfte von AstraZeneca in Europa und Kanada verantwortlich ist. Die Informationsflut zum Thema der Impfungen gegen Covid-19 insbesondere in den sozialen Netzwerken verunsichere viele Leute. Die generelle Bereitschaft, sich impfen zu lassen, scheine denn auch manchenorts abgenommen zu haben, sagt die Managerin. Für umso wichtiger hält sie es, dass es der Industrie und den Behörden gelingt, die Bevölkerung umfassend aufzuklären.

Geschäft ohne Gewinn

Ähnlich wie bei Biontech/Pfizer und Moderna rechnet man auch bei AstraZeneca damit, schon im Verlauf der nächsten Wochen Notfallzulassungen für die Lancierung des Impfstoffs zu erhalten. In Europa pflegt der Konzern laut eigenen Angaben bereits einen intensiven Austausch sowohl mit der Europäischen Arzneimittelbehörde als auch mit deren Pendants in Grossbritannien und der Schweiz (Swissmedic). Die EU hat sich vertraglich die Lieferung von 300 Mio. Dosen gesichert, für die Schweiz sind 5,3 Mio. bestimmt. Sobald die Zulassungen vorlägen, werde man mit hoher Geschwindigkeit mit der Verteilung beginnen, versichert Reic.

Wie der Konzern von Anfang an betont hat, erwartet er indes kein Geschäft aus dem Vakzin gegen Sars-CoV-2. Man werde den Impfstoff während der Pandemie weltweit auf einer Nicht-Gewinn-Basis zur Verfügung stellen, liess AstraZeneca auch dieses Mal wieder verlauten. Anders ausgedrückt: Das Unternehmen strebt lediglich danach, seine Kosten einzuspielen.

Für Biontech und Moderna dürfte dies so nicht gelten. Die beiden noch kleinen Biotechnologiefirmen werden wohl versuchen, sich beträchtliche Einnahmen zu verschaffen – eine Erwartung, die sich auch in starken Gewinnen beim Kurs ihrer Aktien seit Anfang Jahr zeigt. Die Notierung von AstraZeneca bewegt sich hingegen ähnlich wie jene von Pfizer seit Wochen mehr oder weniger seitwärts.

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