Switzerland

Minister wird Missbrauch vorgeworfen: Schwere Anschuldigungen erschüttern Australiens Politik

Als junger Mann soll ein Kabinettsmitglied einst eine 16-Jährige vergewaltigt haben. Premier Morrison hält den Mann im Amt.

Steht hinter seinem Kabinettsmitglied: Australiens Premier Scott Morrison spricht zu den Medien in Sydney. (1. März 2021)

Steht hinter seinem Kabinettsmitglied: Australiens Premier Scott Morrison spricht zu den Medien in Sydney. (1. März 2021)

Foto. Rick Rycroft (Keystone)

Im Kabinett von Australiens Premier Scott Morrison sitzen 22 Minister. Nur sechs von ihnen sind Frauen. Und über den übrigen 16 mächtigen Männern hängt ein unerhörter Verdacht: Einer von ihnen könnte ein Vergewaltiger sein.

Aber wer? Darüber spekuliert die Nation, seit am Freitag die Existenz eines Briefs bekannt wurde, der schwerste Vorwürfe gegen einen von Morrisons Ministern enthält. Das anonyme Schreiben, das an den Premier und zwei Senatorinnen der Opposition ging, nennt den Namen des Mannes. Öffentlich ausgesprochen oder aufgeschrieben wurde er bis Dienstag aber nicht. Denn die Anschuldigungen sind noch unbewiesen, womöglich unbeweisbar.

Doch der Druck der Öffentlichkeit ist nun so gross geworden, dass sich dieser Minister offenbar doch gezwungen sieht, sein Schweigen zu brechen. Wie der öffentlich-rechtliche Sender ABC meldete, wollte er sich «wahrscheinlich» am Mittwochvormittag (Ortszeit) den Medien stellen. Nicht um seinen Rücktritt anzukündigen, sondern um jedes Fehlverhalten vehement abzustreiten.

Die Tat, um die es in dem Brief geht, soll vor 33 Jahren in Sydney geschehen sein. 1988, so schreibt die Frau, sei sie von einem jungen Mann, der heute im Kabinett sitzt, auf brutalste Weise vergewaltigt worden. 16 Jahre alt war sie damals, zur Polizei ging sie nicht. Erst vor einem Jahr schaltete sie, beraten von einem Anwalt, die Polizei des Bundesstaats New South Wales ein. Die bildete angesichts der Prominenz des Beschuldigten eine Ermittlungsgruppe, doch die Covid-Pandemie verzögerte die Vernehmung der Frau.

Das mögliche Opfer ist inzwischen verstorben, und der Name des von ihr Beschuldigten kursiert in den sozialen Medien

Und dann war es zu spät. Ende Juni vergangenen Jahres fanden Polizisten die Leiche der 49-Jährigen in ihrer Wohnung im südaustralischen Adelaide. Nach Aussagen von Freunden hatte sie sich das Leben genommen. Sie war demnach in psychiatrischer Behandlung, litt unter einer bipolaren Persönlichkeitsstörung. Die Polizei hat ihre Ermittlungen mittlerweile mangels «genügend zulässiger Beweise» eingestellt, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Der Anwalt der Frau und ihre Freunde wollen den Fall jedoch nicht auf sich beruhen lassen. In der ABC forderten mehrere von ihnen eine unabhängige Untersuchung und betonten, dass sie die Aussagen ihrer verstorbenen Freundin für sehr glaubwürdig halten. Zwei erklärten, den Abend vor der mutmasslichen Vergewaltigungsnacht mit ihrer Freundin verbracht zu haben – und mit dem jungen Mann, der heute Minister ist.

Den Namen des Verdächtigen zwitschern inzwischen die Vögel von den Dächern der Hauptstadt Canberra und, anonym, die sozialen Medien. Er trendete gar übers Wochenende auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, obwohl oder gerade weil der Mann gar nichts gesagt hatte.

Ein Netzwerk einstiger Privatschüler prägt die für Frauen oft toxische Politiksphäre

Premier Morrison erklärte wiederum, er habe mit seinem Minister gesprochen. Der habe die Vorwürfe «kategorisch zurückgewiesen». Im Übrigen sei es ein Fall für die Polizei. Morrisons liberalkonservative Regierung steht ohnehin unter Druck, seit eine junge Regierungsmitarbeiterin vor zwei Wochen öffentlich gemacht hatte, sie sei von einem damaligen ranghöheren Kollegen im Büro der heutigen Verteidigungsministerin Linda Reynolds vergewaltigt worden.

Schon dieser Fall löste eine Debatte über die Sicherheit von Frauen am Arbeitsplatz Politik aus. Der ist auch im Land mit dem weltweit zweitältesten Frauenwahlrecht noch geprägt von den mates – den Freundeskreisen, die ihre Netzwerke oft schon in teuren Privatschulen nur für Jungen und deren Teenagerkultur aus Sport, Saufpartys und fragwürdigem Frauenbild geknüpft haben. Manche weibliche Abgeordnete nennen die Atmosphäre im Parlamentsgebäude von Canberra toxisch.

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