Switzerland

Messerangriff in Lugano: Zugestochen hat eine radikalisierte Schweizerin

Bei der Tat im Manor von Lugano vermuten die Behörden einen terroristischen Hintergrund. Die Frau war der Polizei bereits bekannt.

Der Angriff passierte am Nachmittag kurz nach 14 Uhr: Polizeiautos stehen am Dienstagabend vor dem Kaufhaus Manor in Lugano.

Der Angriff passierte am Nachmittag kurz nach 14 Uhr: Polizeiautos stehen am Dienstagabend vor dem Kaufhaus Manor in Lugano.

Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone/Ti-Press)

Eine 28-jährige Schweizer Konvertitin hat am Dienstagnachmittag zwei Frauen in einem Kaufhaus in Lugano angegriffen. Die eine packte die Täterin an der Kehle, die andere verletzte sie schwer am Hals mit einem Messer. Das Opfer befindet sich laut Angaben der Polizei aber ausser Lebensgefahr. Die Täterin wurde von einem beherzten Paar schnell gestoppt und später von der Polizei verhaftet. Norman Gobbi, Tessiner Staatsrat, dankte dem herbeigeeilten Paar bei einer improvisierten Pressekonferenz für das mutige Eingreifen, mit dem möglicherweise weiteres Blutvergiessen verhindert worden sei.

Die Tatumstände sind noch ziemlich unklar. Nicoletta della Valle, Chefin des Bundesamts für Polizei (Fedpol), meinte, es sei noch zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Sie verglich die Tat aber mit der Messerattacke eines Islamisten in Morges VD, bei der im September ein Mann zu Tode kam.

Der Angriff in Lugano habe sie nicht überrascht, sagte della Valle bei der Pressekonferenz in Bellinzona über einen Videolink. Solche Taten gebe es überall auf der Welt. Das Fedpol vermutet einen terroristischen Hintergrund, ebenso wie beim Mord in Morges. Sollte sich dies bestätigen, hätte die Schweiz innerhalb weniger Wochen zwei islamistische Terrorattentate erlebt.

Den Behörden bekannt

Bei der Täterin handelt es sich laut Recherchen dieser Zeitung um eine radikalisierte Konvertitin mit einem im Nahen Osten und im Maghreb gebräuchlichen Nachnamen. Sie lebt in der Region Lugano und war den Behörden bekannt. Die Bundesanwaltschaft, die auch für Terrorismus zuständig ist, hat inzwischen ein Strafverfahren gegen die Frau eröffnet.

Wie bei der möglicherweise ähnlich gelagerten Tat in Morges werden die Ermittler zu prüfen haben, aus welchem Motiv die 28-Jährige gehandelt hat und ob es Mitwisser oder gar Mittäter gab. In Morges handelte es sich um einen Täter mit psychischen Problemen, der zuvor schon auf stümperhafte Weise versucht hatte, eine Tankstelle in Brand zu stecken und dabei gescheitert war.

Österreich an der Seite der Schweiz

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz verurteilte das «islamistische Terrorattentat» von Lugano auf Twitter und drückte sein Mitgefühl aus. Österreich stehe in diesen schwierigen Stunden an der Seite der Schweiz. Zusammen werde man den islamistischen Terrorismus bekämpfen. In Wien hatte ein IS-Terrorist Anfang November drei Personen auf offener Strasse erschossen, bevor er selber von der Polizei getötet wurde. Zwei Islamisten aus Winterthur hatten den Attentäter noch im Sommer in Wien besucht. Die beiden wurden kurz nach dem Attentat verhaftet. Die Ermittler beider Länder arbeiten in diesem Fall eng zusammen.

Ob es bei der Tat von Lugano ebenfalls Verbindungen zur islamistischen Szene in anderen Landesteilen oder im Ausland gibt, ist noch unbekannt. Beim Attentat von Morges deutete am Anfang vieles auf einen Einzeltäter hin, doch vermuten Ermittler inzwischen, dass es möglicherweise einen Mitwisser gab. Bei den meisten «einsamen Wölfen» stellt sich mit der Zeit heraus, dass sie in eine entsprechend radikalisierte Szene eingebettet waren. Dass Frauen Terrorattentate verüben, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich.

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