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Merkel, Marin, Wilmès, Ardern: Darum meistern Frauen die Krise bessser

Als Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (42) und US-Präsident Donald Trump (73) den Krieg gegen das Coronavirus ausriefen, machte Jacinda Ardern (39) in aller Ruhe die Schotten dicht. Lange, bevor das Virus zur Gefahr für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem wurde, liess die neuseeländische Premierministerin Schulen und Restaurants schliessen und empfahl eine Kontaktsperre: «Bitte seid stark und nett zueinander», appellierte Ardern an ihre Landsleute. Gerade mal 102 Infektionen gab es zu jenem Zeitpunkt in Neuseeland. Und bislang starb erst eine Person in Neuseeland an den Folgen von Covid-19.

Arderns Massnahmen und ihr empathisches Auftreten gelten in der Pandemie-Bekämpfung als vorbildlich. Und sie ist unter ihren Amtskolleginnen nicht allein. In der Krise gehen viele Ministerpräsidentinnen und weibliche Staatschefs mit gutem Beispiel voran.

Nicht jede Regierungschefin ist so krisenerfahren wie Angela Merkel

Corona-Vorbild Taiwan wird von Präsidentin Tsai Ing-wen (63) geführt. Und die Corona-Ansprache von Angela Merkel (65) am 18. März war eine «Meisterleistung der Krisenkommunikation», wie sich der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen ausdrückt – Merkels «Rede an die Nation» war während ihrer fast 15-jährigen Kanzlerschaft die erste überhaupt.

Sicher: Merkel ist krisenerfahren und versteht als Physikerin, was «exponentieller Anstieg» bedeutet. Tsai Ing-wen konnte aus den Erfahrungen ihres Landes bei der Sars-Pandemie 2003/2004 schöpfen. Doch auch Politneulinge bewähren sich in der Krise.

In Belgien etwa wächst Notfall-Ministerpräsidentin Sophie Wilmès (45) erfolgreich in ihre neue Rolle. Früh liess sie Schulen, Restaurants sowie Grenzen schliessen und setzte sich für Corona-Bonds ein – also dafür, dass Euro-Staaten gemeinsame Anleihen herausgeben. Die reichen EU-Länder würden damit solidarisch für die Schulden der anderen haften. Dafür gab es selbst von den Rechtspopulisten Lob.

Dänemark, Norwegen und Finnland, ebenfalls von weiblichen Oberhäuptern regiert, setzen zur Eindämmung der Pandemie auf harte Massnahmen und auf innovative Wege. Die Finnin Sanna Marin (35), die jüngste Regierungschefin der Welt, stufte etwa Influencer als systemrelevant ein – da sie Bevölkerungsgruppen mit Informationen versorgen, die von der Regierung nicht erreicht werden. In Norwegen berief Ministerpräsidentin Erna Solberg (59) eigens eine Kinder-Pressekonferenz ein.

Frauen schützen eher die Schwachen

Woran liegt es, dass Frauen die Krise besser bewältigen? Am zusätzlichen X-Chromosom sicher nicht. Was bei der persönlichen Immunabwehr gegen das Virus hilft – es gibt deutlich mehr männliche Corona-Opfer als weibliche –, ist natürlich nicht per se Vorbedingung einer besseren Politik. Ausschlaggebend sind vielmehr selbst gemachte Erfahrungen und eigene Werte.

Kristina Lunz (30), Mitgründerin und Direktorin des Thinktanks «Centre for Feminist Foreign Policy», sagt im Gespräch mit SonntagsBlick: «Viele der Frauen in Verantwortungspositionen sind auch dafür bekannt, Feministinnen zu sein, durch ihr Tun Ungerechtigkeiten anzugehen und zu beheben. Das macht den Unterschied.» Feministische Führungspersönlichkeiten schützten demnach die Verwundbarsten.

«Feministische Führungspersönlichkeiten schaffen es, Politik zu machen, welche die Auswirkungen der Krise abfangen», fasst Kristina Lunz zusammen. Wobei sie da durchaus auch Männer einschliesst, etwa Kanadas Premierminister Justin Trudeau (48).

Kein Land war auf Corona vorbereitet

Kriegsrhetorik jedenfalls sucht man bei feministischen Führungspersönlichkeiten vergeblich. «‹Krieg führen› ist die verlockendste Analogie für die Mobilisierung privater und öffentlicher Ressourcen, um einer gegenwärtigen Gefahr zu begegnen. Wir sollten dieser Verlockung jedoch widerstehen», schreibt die US-Politologin Cynthia Enloe (81) in einem Essay zur Corona-Krise. Wenn kriegerisch gesprochen werde, schüre das Sexismus, Rassismus, Autokratie, Geheimhaltung und Fremdenfeindlichkeit – und zwar über Generationen. «Das wird ganz sicher nicht die Grundlage für eine Demokratie nach der Pandemie legen.»

Richtig ist, dass kein Land der Welt auf diese Pandemie ausreichend vorbereitet war. Auch weibliche Regierungschefs hätten jedes Recht darauf, in der Corona-Krise Fehler zu machen.

Sie tun es bislang nur seltener.

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