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Mehr Freiheit für Terroristen

Die internationale Koalition zieht sich wegen der Corona-Krise zurück. Das versuchen IS-Kämpfer auszunutzen.

Die US-Armee übergibt im Irak einen Stützpunkt nach dem anderen an die einheimischen Soldaten. Foto: Abdullah Rashid (Reuters)

Die US-Armee übergibt im Irak einen Stützpunkt nach dem anderen an die einheimischen Soldaten. Foto: Abdullah Rashid (Reuters)

Als sich das Coronavirus Mitte März in Europa und dem Nahen Osten ausbreitete, liess eine Reisewarnung aufhorchen: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) warnte ihre Kämpfer vor Reisen nach Europa. In dem Artikel, der im IS-Sprachrohr «al-Naba» veröffentlicht wurde, hielten die Jihadisten ihre Anhänger zudem mit theologisch unterfütterten Argumenten zum Händewaschen an und dazu, beim Niesen Mund und Nase zu bedecken. Pandemien wie Corona, versicherten die IS-Propagandisten ihren Lesern, würden nicht von selbst zuschlagen, sondern auf Erlass Gottes. «Wir bitten ihn, die Qualen der Kreuzfahrer zu erhöhen und die Gläubigen davor zu retten», hiess es weiter.

Dass die Terrororganisation das Chaos und den Zusammenbruch der Märkte in den Ländern ihrer Gegner auszunutzen versucht, ist aus ihrer Sicht nur logisch. Zumal der Gruppe ausser ihrer Propaganda nicht mehr viel zur Mobilisierung bleibt, seitdem sie im vergangenen Jahr weitgehend militärisch besiegt wurde. Doch die Massnahmen vieler Staaten weltweit gegen das Virus binden immer mehr Mittel. Sie behindern zugleich schon laufende Operationen, sodass der IS davon zu profitieren versucht, während der Kampf gegen das Virus den Kampf gegen den Terror von der Prioritätenliste verdrängt hat.

Nato-Länder ziehen ihre Soldaten ab

Besonders deutlich wird dies im Irak, wo seit Juni 2014 die internationale Anti-IS-Koalition mehrere Stützpunkte unterhält. Zunächst wurde von diesen Basen die Zerschlagung des Kalifats und der Sturm auf die Millionenstadt Mosul koordiniert. Seit deren Wiedereroberung im Juli 2017 bildeten Mitglieder der Koalition dort vor allem irakische Truppen aus und unterstützten deren Missionen durch Luftaufklärung – ein wichtiger strategischer Vorteil der Regierungstruppen gegenüber den Jihadisten. Zumindest bis Anfang März: Da stellte die Nato ihren Beitrag zum Training zunächst für 60 Tage ein. In der Folge reduzierte Grossbritannien den Einsatz seiner Truppen, vergangene Woche zogen Deutschland und Frankreich Soldaten ab, ebenso Spanien und die Niederlande.

Zu den Corona-bedingten Ausfällen kommt jedoch ein Vakuum, dessen Ursachen rein politisch sind: Seit dem Befehl von US-Präsident Donald Trump Anfang Januar, den iranischen Topgeneral Qasem Soleimani durch einen Drohnenschlag töten zu lassen, sind die Tage der Supermacht im Irak gezählt: Obwohl sich die Politiker in Bagdad seit Monaten auf kein neues Kabinett einigen können, sind sich die Abgeordneten in einem Punkt einig: Die US-Soldaten sollen abziehen. Diese Forderung erheben auch schiitsche Milizen – nur tragen sie ihre Argumente nicht im Parlament vor: In den vergangenen Wochen regnete es immer wieder Raketen auf US-Stützpunkte, von Vergeltungsschlägen zeigte sich etwa die Miliz Kataib-Hizbollah unbeeindruckt.

Schutzmasken zur Uniform

Im US-Verteidigungsministerium arbeiten Stäbe nach Informationen der «New York Times» zwar an Plänen, wie die Miliz ausgeschaltet werden könnte, doch laut dem Bericht sind selbst die US-Kommandeure im Irak skeptisch. Und so bleibt vorerst nur der Rückzug: Am Sonntag übergab die US-Armee die Basis K1 bei Kirkuk an irakische Truppen, bei der Zeremonie trugen die Soldaten Einweghandschuhe und Atemmasken zur Uniform. Der Stützpunkt ist bereits der dritte, den die USA im März aufgeben. Sprecher der Anti-IS-Koalition betonen, dass dies längerfristig geplant war und dem IS keinen Raum für neue Operationen ermögliche. Doch vor allem besorgt manche Beobachter, dass sich das Militärbündnis aus der Stadt al-Qaim an der schwer zu kontrollierenden syrisch-irakischen Grenze zurückgezogen hat.

In dieser Gegend nämlich hielt die Terrormiliz IS ihre letzten Bastionen. Einige Militante schafften es auch nach deren Verlust, zwischen den Ländern hin und her zu wechseln. Und obwohl hier mittlerweile pro-iranische Milizen immer grösseren Einfluss ausüben, könnte die Region als Versteck und klandestine Schmuggelroute auch in den kommenden Wochen für den IS wichtig werden – wenn es der Terrormiliz gelingt, das durch die Corona-Krise entstandene Machtvakuum zu nutzen.

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