Switzerland

Mehr als 4000 Corona-Tote in den USA: New Yorker Ärztin warnt vor «Kriegszone»

Kriegszone. So sieht Dr. Arabia Mollette seit der Corona-Krise das Krankenhaus, in dem sie arbeitet. «Das ist eine Kriegszone, eine medizinische Kriegszone», sagt die verzweifelte Notfallärztin des Brookdale Hospital Medical Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn zu CBS NY. «Täglich sehe ich Schmerz, Verzweiflung, Leid und Ungleichheiten im Gesundheitswesen.»

Schockierende Fotos zeigen Patienten in dem überlasteten 370-Betten-Spital auf dem Gang ausharren. Es fehlt offenbar an allen Ecken und Enden: Beatmungsgeräte, Schutzkleidung – und psychischem Support für die Ärzte und Pfleger, die wie Mollette unter enormem Druck stehen.

In den USA verschärft sich die Corona-Krise täglich. Mehr als 4000 Tote gibt es bereits – innerhalb von vier Tagen hat sich die Zahl der Todesopfer der Pandemie verdoppelt. Zum Vergleich: Im Corona-geplagten Italien beträgt die Verdopplungszeit aktuell knapp 13 Tage, in Deutschland rund 7.

«Wir werden Tausende verlieren»

US-Präsident Donald Trump (73) schwört die USA auf «schmerzhafte zwei Wochen» ein. «Die nächsten zwei oder drei Wochen werden zu den schwierigsten gehören, die wir in diesem Land jemals hatten», sagte Trump am Dienstagabend im Weissen Haus. «Wir werden Tausende Menschen verlieren.» Das Weisse Haus befürchtet nach einer Prognose zwischen 100'000 und 240'000 Tote in den USA durch das Coronavirus – trotz Massnahmen zur Eindämmung.

Noch vor drei Wochen hatte Trump gesagt, das Coronavirus werde einfach «verschwinden». Er rechne damit, dass wärmere Tage und ein Medikament das Virus besiegen würden. Doch sein versprochenes Wundermittel scheint weit weg: Die USA haben inzwischen mehr bestätigte Corona-Fälle als jedes andere Land der Welt.

Die Verbreitung der Coronavirus-Epidemie in den USA hat sich zuletzt dramatisch beschleunigt. So hatte etwa die Zahl der bekannten Infektionen erst am vergangenen Freitag die Marke von 100'000 überschritten. Bis dahin waren rund 1500 Tote gemeldet gewesen. Am Dienstagabend lag die Zahl der bestätigten Infektionen bei fast 190'000, die Zahl der Toten bei rund 3900.

Um die Krise im Epizentrum New York in den Griff zu bekommen, hat die Hilfsorganisation Samaritan's Purse am Sonntag im Central Park ein Feldlazarett zur Versorgung von Corona-Patienten eingerichtet.

Florida wird zum neuen Krisenherd

An der Westseite Manhattans legte am Montagmorgen ausserdem das Spital-Schiff USNS Comfort der Marine an: Auf dem 1000-Betten-Schiff mit zwölf Operationssälen sollen Patienten versorgt werden, die nicht mit dem Virus infiziert sind – um so in den Krankenhäusern der Stadt Betten für Coronavirus-Patienten freizumachen. Zuletzt hatte die USNS Comfort nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Hafen von New York angelegt.

Nach New York rückt nun Florida in den Fokus. Der Sonnenschein-Staat, in dem auch Trumps Golfclub Mar-a-Lago liegt, hat bislang wenig Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen. Das rächt sich nun: 1037 Neu-Infektionen in nur 24 Stunden.

Von Trumps Verharmlosungstaktik ist angesichts der Katastrophe nichts mehr übrig. Täglich erwähnt er, dass er inzwischen selbst Freunde hat, die mit der Lungenkrankheit Covid-19 im Spital liegen. Der Schock darüber sitzt offenbar so tief, dass er nun jede Hilfe annimmt, die er kriegen kann.

Putin schickt Trump Corona-Hilfe

Russlands Präsident Wladimir Putin (67) hat nach einem Telefonat mit Trump eine Militärmaschine in die USA geschickt. An Bord sind nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums medizinische Ausrüstung und Schutzmasken. Das Ministerium veröffentlichte ein Video, das die beladene Maschine und ihren Start von einem Flugplatz in der Nähe der Hauptstadt Moskau zeigt.

Die Lieferung verschafft Trump Luft – und ist ein Erfolg für Putin. «Erstens kann Putin damit die amerikanisch-russischen Beziehungen betonen und hat anschliessend eine Basis, um mit Trump andere Themen wie etwa Energiefragen direkt zu diskutieren. Zweitens steht Putin als Retter in der Not da. Und drittens erweckt es den Eindruck, als habe Moskau die Krise besser im Griff als andere Länder», analysiert Russland-Expertin Susan Stewart für BLICK.

Russland hat bereits Italien mit Schutzausrüstungen, mobilen Versorgungsstationen und Mitteln für Desinfektionen geholfen. «From Russia with Love» stand auf den russischen Flug- und Fahrzeugen. Die «Liebesgrüsse aus Russland» waren angesichts der politischen Spannungen zwischen Moskau und dem Westen eine kleine Sensation.

Alle wollen helfen

Auf den Rückholflügen der Schweiz bekam BLICK keinen Platz. Er bedaure das sehr, sagte ein Sprecher des EDA am Telefon. Er freue sich zwar über das Interesse an einer Berichterstattung über die grösste Rückholaktion der Geschichte, es werde aber jeder Platz für gestrandete Urlauber gebraucht. Und zwar längst nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus den Nachbarländern. Bei den bislang elf vom EDA organisierten Rückflügen sassen 973 Nicht-Schweizer an Bord.

In der Krise zeigt sich: Die Welt hält zusammen. Russland schickt Hilfsgüter nach Italien und in die USA, Corona-Vorbild Taiwan spendet zehn Millionen Schutzmasken an Europa und die USA. Und auch das vom Coronavirus zuerst betroffene China half weltweit. Unter anderem schickte China Corona-Tests nach Kambodscha, Beatmungsgeräte, Masken und Medikamente nach Italien und Frankreich, Iran und Irak und versprach den Philippinen, Spanien und anderen Hilfe.

Dabei geht es jedoch nicht um pure Nächstenliebe. Präsident Xi Jinping (66) tröstete den spanischen Premierminister Pedro Sanchez (48), dass «auf den Sturm Sonne folge» – und fügte direkt an, dass er die Zusammenarbeit mit Spanien nach der Krise gerne verbessern würde. Fabienne Kinzelmann

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