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Switzerland

Megamarsch 50/12: Wie ich fast 12 Stunden ohne Pause durchwanderte

Worauf habe ich mich da bloss eingelassen? Diese Frage stellte ich mir ein halbes Jahr immer wieder. Grund dafür war eine Entscheidung, die ich nach einem sehr laufintensiven Städtetrip getroffen hatte: Ich habe mich für den Megamarsch angemeldet. Dabei gilt es, 50 Kilometer in 12 Stunden zu wandern.

Umfrage

Hast du auch schon einmal an einer Extremwanderung teilgenommen?

In meinem jugendlichen Leichtsinn war ich der Überzeugung, dass, wer wie in New York rund 28 Kilometer am Tag schafft, auch 50 Kilometer hinter sich bringen kann. Auch der Extremwandern-Hinweis der Veranstalter liess mich nicht zaudern. Zumal wir uns eine vermeintlich entspannte Route ausgesucht hatten – die um Düsseldorf herum, im flachen Rheinland (siehe Bildstrecke).

Parat am Start

Mit einem halben Jahr Training (mindestens 15 Kilometer pro Tag), perfekt vorbereiteten Füssen (täglich Hirschtalg, damit es keine Blasen gibt; die Nägel raspelkurz, um ihren Verlust zu vermeiden; Zinksalbe, um Schwitzen zu verhindern) stehen wir Anfang Juli 2019 tatsächlich am Start. Gut aufgewärmt sogar. Da wir den Bus verpasst haben, stecken uns bereits zwei Kilometer in den Knochen, was sich später noch bemerkbar machen wird.

Mit dem Nötigsten im Rucksack – Wasser, ein paar Snacks und Sonnencreme – marschieren wir los. Der Pulk vom Start löst sich rasch auf. Gruppen bunt gekleideter Wanderer ziehen durch die Natur, am Rhein entlang, sogar an einem Schlösschen vorbei. Es könnte schlimmer sein.

Pausen? Fehlanzeige!

All das Schöne blende ich aus, als sich nach 20 Kilometern meine Füsse erstmals bemerkbar machen. Meine Freundin und ich beschliessen, fortan jeweils in unserem eigenen Tempo weiterzugehen, unseren unteren Extremitäten zuliebe. Der Plan geht auf. Ich schliesse mich anderen an und beginne sogar, neue Freundschaften zu schliessen.

Bei 27 Grad in Wald und freier Flur gehen wir stumpf weiter. Wir verzichten darauf, im Sitzen Pause zu machen. Am dritten Versorgungsposten (VPS, Kilometer 30) füllen wir nur unsere Flaschen auf. Die Gurken, Bananen, Salamis, Energieriegel und Milchbrötchen essen wir im Stehen. Auf die Toilette müssen wir nicht – die vielen Liter Wasser, die wir an diesem Tag trinken werden, schwitzen wir aus.

Herausforderung Hügel

Die nächsten zehn Kilometer meistern wir mal redend, mal lachend. Wir fluchen auch. Wir sind seit mehreren Stunden unterwegs. Ohne Pause. Da fühlen sich Hügel wie Berge an.

Einige Zeit verbringe ich sogar in einer Art Tunnel, in dem ich ausser dem Weg vor meinen Füssen nichts mehr wahrnehme. Das Blut in den Beinen pumpt ordentlich.

11 Stunden 40 Minuten

Ab Kilometer 42 wird es mühsam – weil die Wirkung der Zinksalbe nachlässt und weil es danach im Wald stundenlang geradeaus geht. Zur körperlichen Pein gesellt sich nun psychische: Will dieser Wald niemals enden?

Er will, etwa zwei Kilometer vor dem Ziel. Danach knallharter Asphalt. Die Füsse schreien nach so vielen Kilometern am Stück bei jedem einzelnen Schritt. Aber Aufgeben ist keine Option mehr. Nach dem gefühlt härtesten Abschnitt meines Lebens stehe ich dann tatsächlich im Ziel. Nach 11 Stunden und 40 Minuten ununterbrochen auf den Beinen. Aber die Zeit spielt für mich in diesem Moment keine Rolle. Ich bin fix und alle, aber auch stolz wie Bolle!

Bilder vom Marsch und Infos, wie es danach weiterging, findest du in der Bildstrecke!

Fast 2000 Wanderer gingen 2019 am Megamarsch in Düsseldorf an den Start. (Video: Youtube/Megamarsch)

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