Switzerland

Maskenpflicht = Armutsfalle? Caritas verteilt schon Gratis-Masken

In Genf wurden vor der Maskenpflicht im ÖV kostenlos Masken verteilt. Bild: KEYSTONE

Maskenpflicht = Armutsfalle? Caritas verteilt schon Gratis-Masken

Für Menschen mit kleinem Budget könnte die vom Bund beschlossene Maskenpflicht in den ÖV zum finanziellen Stressfaktor werden. Caritas verteilt 10'000 Gratismasken. Doch die Bürgerlichen winken ab – und warnen vor Ungleichbehandlung.

Wer über zwölf Jahre alt ist und ab kommendem Montag ein öffentliches Verkehrsmittel betritt, muss sich eine Masken aufsetzen. Die nationale Maskenpflicht im ÖV wurde am Mittwoch vom Bundesrat beschlossen.

Werden die herkömmlichen Einwegmasken verwendet, sollte diese nach jeder Fahrt entsorgt werden – das empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Ein Schal oder Halstuch als Maske zu benutzen, erfülle die Bestimmung der Maskenpflicht nicht. Von selbstgenähten Masken wird zudem abgeraten.

Wer sich also BAG-gerecht schützen will, greift auf eine medizinische Schutzmaske oder eine geprüfte Textilmaske zurück. Rechnen wir das mal durch: Ein Paar mit zwei Kindern über zwölf Jahren, die mit dem ÖV zur Schule oder in die Lehre fahren, brauchen pro Tag mindestens acht Masken (je eine Maske pro Person und Hin- und Rückweg). Wollen sie auch am Wochenende mit dem Tram oder Bus fahren, sind sie schnell bei einem Verbrauch von über 200 Masken pro Monat und Kosten von mindestens 140 Franken (bei einer Packung für 34.90 Franken von der Migros).

Setzt die Familie auf wiederverwendbare Stoffmasken, kommt es zwar längerfristig günstiger, aber der erste Kauf ist keine billige Investition: Für vier Personen machen mindestens acht Masken Sinn, jeweils eine zum Tragen und eine frisch gewaschene Ersatzmaske. Denn das BAG empfiehlt, die Maske nach einem Tag im Pendlerverkehr zu waschen. Eine den bundesrätlichen Standards entsprechende Stoffmaske kostet je nach Anbieter rund 20 Franken. Die Familie muss also 160 Franken ausgeben.

bild: watson/julia neukomm

Maskenpflicht als Stressfaktor für Armutsbetroffene

Das sieht für Normalverdienende auf den ersten Blick vielleicht nach nicht allzu viel aus. Für Leute mit einem kleinen Budget könne die Maskenpflicht jedoch zum Stressfaktor werden, sagt Caritas-Sprecher Stefan Gribi und warnt: «Das könnte zu gravierenden finanziellen Problemen führen. Wer jeden Franken, den er ausgibt, dreimal umdreht, der muss dann bei anderen Ausgaben, zum Beispiel beim Essen, Abstriche machen.»

Der Bundesrat habe die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr eingeführt, ohne die sozialen Folgen zu bedenken, kritisiert Gribi. Gribi würde es nicht überraschen, wenn finanziell schlecht aufgestellte Personen aus Spargründen die Masken mehrmals verwenden werden. «Wenn man einen Schutz will, dann muss auch gewährleistet werden, dass sich das alle leisten können», sagt er.

Auch die Gewerkschaft Unia begrüsst zwar die Tragepflicht, fordert aber den Bund auf, den Pendlern die Masken gratis abzugeben. «Es geht um den Schutz für alle vor einer Pandemie. Auch auf dem Arbeitsweg», sagt Unia-Sprecher Serge Gnos. Denn seit die Home-Office Empfehlung vom Bund aufgehoben wurde, seien die Züge und Busse wieder voll mit Pendlern. «Deshalb muss der Bund auch sicherstellen, dass die Leute geschützt sind.». Gnos hat auch schon einen konkreten Vorschlag, wie das gehen soll: «Der Bund und die Kantone lagern derzeit über 200 Millionen Schutzmasken, die von der Armeeapotheke beschafft wurden. Diese könnten jetzt verteilt werden.»

Mehr zum Thema Maskenpflicht

Forderungen aus der Politik

Dem widerspricht FDP-Nationalrätin Regine Sauter. «Diese Schutzmasken wurden von der Allgemeinheit bezahlt. Nicht alle benutzen den ÖV aber gleich viel. Es ist zumutbar, hier einen eigenen Beitrag zu leisten.» Bei armutsbetroffenen Familien oder Personen sei eine unentgeltliche Abgabe hingegen denkbar. Nicht differenzieren will die Juso Schweiz und fordert auf Twitter gratis Masken für jede und jeden.

Diese Forderung unterstützt auch SP-Nationalrat Fabian Molina. «Das Masken-Lager ist aufgefüllt, es wäre sinnvoll, wenn alle eine Maske tragen und diese gratis zur Verfügung gestellt bekommen.» Spätestens seit der Corona-Krise wisse man, in welchen prekären Umständen gewisse Menschen in diesem Land wohnen. Für diese Leute sei die Gratis-Maske Gold wert. Aber auch für Nicht-Armutsbetroffene sei es praktischer, wenn sie die Masken ganz einfach an den grossen Bahnhöfen beziehen könnten.

Caritas wird nun aktiv und gibt ab nächster Woche in ihren Märkten gratis Hygienemasken ab. Vorerst handle es sich um 10'000 Stück.

Du denkst, dass die Leute in deinem Zug komisch sind?

Das sagen Passanten zur Maskenpflicht

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Wer glaubt, SwissCovid sei eine Spionage-App, hat diese Tweets noch nicht gesehen

Seit Donnerstag steht die Corona-Warn-App SwissCovid offiziell zum Download bereit. Anders gesagt: Nun sind WhatsApp-Gruppen-Benachrichtigungen nicht mehr die schlimmsten Notifications...

Die Schweizer Corona-Warn-App SwissCovid ist endlich am Start. Sie soll mithelfen, eine potenzielle zweite Corona-Welle möglichst flach zu halten. Mit der vom Bund lancierten App sollen Covid-19-Infektionen rasch erkannt und Ansteckungsketten nachverfolgt werden können.

Die Nutzung der Corona-Warn-App geschieht anonym und sie greift zu keinem Zeitpunkt auf den Standort zu. Da alle sensitiven Informationen stets auf dem eigenen Smartphone bleiben, sprich nicht auf einem fremden Server zentral …

Link zum Artikel

Football news:

Ex-Trainer Roma Di Francesco leitete Cagliari und wechselte Zenga
In England werden Spieler entfernt, die absichtlich auf Gegner und Schiedsrichter Husten
Man City zeigte eine neue auswärtssituation
Island hat die heimform für die Saison 2020/21 vorgelegt
1999 besiegte Arsenal Sheffield im Cup, aber Wenger bot an, das Spiel zu wiederholen – weil Kanu brach Fair Play
Mailand und Napoli Interessieren sich für Godfrey. Norwich will für den Verteidiger 30 Millionen Euro
Wenger nannte die Champions-League-Favoriten: Manchester City und PSG