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Manche Bücher spenden sogar wortwörtlich Licht

Wie eine Harmonika faltet es sich auf und hilft beim Lesen. Dabei erinnert dieses Buch auch an eine kleine Maus.

Ein Buch faltet sich auf zum Licht.

Ein Buch faltet sich auf zum Licht.

PD

Es gibt Dinge, in die wir uns verlieben, gerade weil sie nicht so sind, wie wir erwarten. Wie das Leben überhaupt, das manchmal anders als geplant verläuft. Diese Leuchte ist so ein Ding. Ich sah sie und wusste: Die möchte ich haben. Sie sieht aus wie ein Buch und ist keins. Sie spendet Licht. Rundum aufgefächert oder auch als Viertel- oder Halbkreis falten sich die Seiten zu einer kleinen Sonne auf. Und wenn man das Buch zuklappt, ist es wieder dunkel.

Genau: Es ist kein Buch zum Lesen. Es ist ein Ding, das in die Hand genommen werden will, sogar herumgetragen werden will. Weil es nämlich einen versteckten Eingang fürs Stromkabel hat, kann die Batterie immer wieder aufgeladen werden. Die reissfesten Papierseiten, die an Pergament erinnern, lassen sich an jedem erdenklichen Ort auffalten: mitten in der Nacht am Bettrand, frühmorgens am Schreibtisch oder einfach so, wenn dem Gemüt nach dem warmen, hellen Licht ist.

Wenn die Vorräte ausgehen

Der Frühling hat begonnen, doch er fühlt sich trotzdem kühl an. Obwohl die Vorratsschränke übervoll sind, fehlt es an vielem. Da erinnert das warme Licht der Pergamentharmonika auch an die Sonnenstrahlen, die der Mäuserich Frederick im unvergesslichen Kinderbuch von Leo Lionni für seine Geschwister gesammelt hat. «Was machen deine Vorräte?», rufen die kleinen Mäuse, die den ganzen Sommer Körner und Spreu gesammelt haben, ihm zu. «Macht die Augen zu», sagt Frederick, klettert auf einen grossen Stein und schickt ihnen Sonnenstrahlen, Farben und Wörter.

Während Frederick von der Sonne erzählte, wurde den kleinen Mäusen schon viel wärmer.

Während Frederick von der Sonne erzählte, wurde den kleinen Mäusen schon viel wärmer.

Leo Lionni, Frederick © 1967 Beltz & Gelberg

«Fühlt ihr es schon, wie warm sie sind? Warm, schön und golden?», fragt Frederick die traurigen Mäuse. Und die Erzählstimme des Kinderbuchs fährt weiter: «Und während er so von der Sonne erzählte, wurde den kleinen Mäusen schon viel wärmer.» Das ist erst der Anfang. Nach den Sonnenstrahlen bringt der kleine Sammler auch die Farben und die Wörter zu seinen Mäusefreunden in ihr Versteck zwischen den Steinen.

Wie ein Vorrat aus einer fernen Jahreszeit bringt auch das Ding aus dem Designgeschäft in New York City ein bisschen Glück: Zwischen den beiden Buchdeckeln liegt die Imagination, die wir so oft in den Buchstaben suchen, hier eingefangen im warmen, weichen Licht.

Kaltstart mit Crowdfunding 

Als der junge Produktdesigner und Architekt Max Gunawan Anfang des Jahres 2013 auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, dem amerikanischen Vorbild der Schweizer Firma Wemakeit, das Werbevideo für sein «Lumio» einstellte, kannte ihn noch keiner. Doch seine Idee überraschte und verzauberte das Publikum, und noch im selben Jahr konnte er die Buchleuchten produzieren. Es folgten verschiedene Koproduktionen. Darunter 2015 jene, die sich das MoMA auch 2020 noch auf die Fahne schreibt, nämlich eine Ausgabe des «mini Lumio+» in Knallrot. Wäre es ein Buch mit Buchstaben, hiesse dies Spezialausgabe. 

Im MoMA Design Store hatte schon die legendäre Architekturkritikerin Ada Louise Huxtable den ultimativen Stil gesucht und als Verkäuferin sogar angepriesen. Was hier verkauft wird, gehört bezüglich Gestaltung zur Weltklasse. Dass dieses Geschäft auch den Nachwuchs fördert, ist ebenso wenig bekannt wie Huxtables Tätigkeit als Verkäuferin vor ihrer Karriere als erste Architekturkritikerin der «New York Times» und später des «Wall Street Journal».

So traditionell der Einband in Nussbaum- oder Eichenfurnier oder in dunkelblauem, grauem oder schwarzem Leinen daherkommt, so ungewohnt ist das Innenleben im Lumio-Buch: Die Leuchtkörper selber bleiben unsichtbar, die Anschlüsse fürs Wiederaufladen der Batterien weitgehend auch. Das Papier aber ist nicht nur optisch attraktiv, es liegt auch angenehm in der Hand. Wie die Seiten eines Buches eben. 

Tyvek, das reiss- und wasserfeste Papier, das in den Vereinigten Staaten auch für Briefpost und Pakete verwendet wird, erlebte in den letzten Jahren eine Renaissance als umweltfreundliches Material für innovatives Design, so auch für Brieftaschen und Portemonnaies, die dank der hauchdünnen und doch widerstandsfähigen Papierschicht in der Hosentasche nicht zu stark auftragen.

Sogar in die Top Ten der innovativsten Firmen, die sich dank Crowdfunding etablieren konnten, hob das amerikanische «Entrepreneur Magazine» den in Jakarta geborenen Max Gunawan, der seine kleine Firma nun in San Francisco betreibt. Und unter den Zitaten, die das Lumio-Design anpreisen, ist auch jenes der in New York stadtbekannten «Swiss Miss», die schreibt: «Ich musste nach Luft schnappen, als ich die Kickstarter-Kampagne sah: eine Schönheit!» Mit ihrem Design-Blog ist die Appenzellerin Tina Roth Eisenberg seit fünfzehn Jahren eine prägende Stimme in der amerikanischen Designszene.

Magnetisch und magisch

Wie die Swiss Miss, nur einige Jahre später, schnappte auch ich im MoMA Design Store nach Luft. Und wie die Mäuse in ihrem Steineversteck atme ich tief ein, wenn das sanfte Licht wie Sonnenstrahlen mein inneres Auge wärmt. Und das fast überall: Sogar am Kühlschrank haftet das Leuchtding, solange dieser über eine metallische Oberfläche verfügt. Auch am Ständer meiner blendend hellen LED-Leuchte, die ich manchmal spätabends gar nicht einschalten mag, weil das grelle Licht meine Schlafhormone durcheinanderbringt. Deshalb falte ich dann nur mein Leuchtbuch auf und warte, bis es am Chromstahl der ausgeschalteten Schreibtischlampe haftet.

Die erste Auflage des Leuchtbuchs «Lumio» wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne ermöglicht.

Die erste Auflage des Leuchtbuchs «Lumio» wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne ermöglicht.

PD

Wenn sich Umstände oder Dinge in unerwarteter Weise wandeln, verändert das auch uns. Gerade was wir nicht genau verstehen, berührt uns manchmal am meisten. Darum vielleicht erinnert mich das Leuchtbuch aus dem fernen New York an die immateriellen Vorräte, welche die kleine Maus Frederick anstelle von Körnern und Nüssen gesammelt hat. In der Höhle meines Home-Office braucht es nun nämlich nicht nur Vorräte an Klopapier, Mehl und Olivenöl. Es sind Sonnenstrahlen, Farben und Wörter, die uns durch die langen Wochen bringen werden.

Europäisches Design, das die Gemüter verzaubert

Virtuelle Blickfang-Messe

svf. Unter dem Motto «Zuhause bleiben. Gutes Design entdecken» eröffnet die beliebte Messe Blickfang für unabhängige Gestalter aus den Bereichen Mode, Möbel und Produktdesign dieses Jahr online. Sie wird, wie so vieles andere auch, dieses Jahr in keiner der Städte im deutschsprachigen Raum, wo sie bereits zur Tradition geworden ist, stattfinden. Vielmehr wird die Designmesse am Freitag, 10. April, im Internet live gehen. Mit dabei sind wie an den bisherigen Messen mehr als 200 europäische Aussteller. Sie nehmen die Besucher mit Bildern, Texten, Videos, Live-Chats und Live-Streams mit in ihre Ateliers und Werkstätten. Ausser den Produkten stellen sie auch die Designer vor und erlauben so einen Blick hinter die Kulissen.

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