Switzerland

Man muss nicht Raucher sein, um Zigaretten kultig zu finden – Wie zwei Freunde die Zürcher Marke Sullana wiederbeleben

Einst exportierte Sullana Millionen von Zigaretten aus Zürich in alle Welt, dann wurde die Fabrik von einem Grosskonzern aufgekauft, später geschlossen. Nun ist die Marke zurück, und vieles ist anders als damals.

Beat Geier (links) und Stefano Pibiri faszinierte die Geschichte der Sullana – nun haben sie die Zigarettenmarke zurückgebracht.

Beat Geier (links) und Stefano Pibiri faszinierte die Geschichte der Sullana – nun haben sie die Zigarettenmarke zurückgebracht.

Pd

Beat Geier zieht in diesen Tagen von Bar zu Bar und bewirbt seine Zigaretten. Geier ist eigentlich Religionslehrer – und Nichtraucher. Wie er dazu kam, die Zürcher Traditionsmarke Sullana wiederzubeleben, ist eine spezielle Geschichte. Sie beginnt mit einem Nebenjob in einem Callcenter in Altstetten.

Dort lernt Geier den Designstudenten Stefano Pibiri kennen. Die beiden Männer werden Freunde und träumen davon, sich selbständig zu machen. Irgendwann stösst Geier auf einen Zeitungsartikel, der über die einst florierende Zigarettenfabrik Sullana am Sihlquai berichtet. Er schickt den Text Pibiri – beide sind fasziniert vom Logo und von der Geschichte. Sie fangen an zu recherchieren.

Aus einem Jux wird Ernst

Sullana war einst eine der beliebtesten Zigarettenmarken der Schweiz. Gegründet hat das Unternehmen 1916 der Zürcher Philipp Beer. Bald wurden Grosskonzerne im Ausland aufmerksam auf die florierende Zigarettenfabrik: In den Sechzigern kaufte der niederländische Rothmans-Konzern Sullana auf. Er liess in Zürich Luxuszigaretten herstellen, die Produktion der Eigenmarke Sullana wurde eingestellt. Wenige Jahre später wurde die Fabrik nach Wetzikon verlegt, in Zürich war es zu eng geworden.

Als Rothmans 1996 mit Burrus im Jura eine zweite und grössere Zigarettenfabrik in der Schweiz kaufte, waren die Tage der Sullana gezählt. 1997 schloss Rothmans die Fabrik in Wetzikon, die Maschinen wurden in den Jura verschoben, die Mehrheit der Angestellten entlassen.

Am Sihlquai ist Sullana bis heute präsent: Der Schriftzug von 1945 ziert noch immer die Hausfassade beim Lettenviadukt. Das Gebäude gehört inzwischen dem Kanton und kann für Hochzeiten und Firmenfeste gemietet werden.

Aus Jux klärte Pibiri vor zwei Jahren ab, wie es um die Markenrechte der Sullana stand, und erfuhr Überraschendes: Sie waren nicht mehr geschützt und für 500 Franken zu haben.

Seit Ende Oktober verkaufen Geier, 40 Jahre alt, und Pibiri, 29, nun ihre eigenen Sullana-Zigaretten. «Wir haben uns den schlechtesten Moment ausgesucht, um eine Zigarettenmarke auf den Markt zu bringen», sagt Pibiri.

Das Coronavirus hat das Sozialleben in Zürich zum zweiten Mal fast stillgelegt. Konzerte, Feste und gemeinsame Mittagspausen – die Momente, in denen gemeinsam geraucht wird – sind rar geworden. «Aber als ich die ersten Schachteln in den Händen hielt, hätte ich keinen Tag länger damit warten können, sie zu verkaufen», sagt Pibiri. Er sitzt neben Geier auf einem Retro-Stuhl im gemeinsamen Büro in Wiedikon, zieht an einer Sullana. Das Büro ist so unkonventionell wie die Geschichte der beiden.

Auf dem Beton-Boden kleben Farbspritzer, darauf stapelt sich ein gutes Dutzend Kartonschachteln, gefüllt mit Zigarettenpackungen. Aus einem Kassettenrecorder ertönen die Beatles. Die Liebe zu alten Gegenständen ist omnipräsent: Auf einem Tisch liegen Zigarettenschachteln aus den verschiedensten Jahrzehnten, an den Wänden hängen alte Werbetafeln von Sullana. Geier und Pibiri haben sie auf Flohmärkten und online ersteigert. Die Werbeslogans von damals bringen sie zum Grinsen.

«Vollster Rauchergenuss ohne Beeinträchtigung der physischen Leistungsfähigkeit», schrieb Sullana in den dreissiger Jahren in einer Anzeige in der NZZ und behauptete, der verwendete orientalischem Edeltabak verursache kein Kratzen im Hals. Geier sagt dazu: «Wir wollen es nicht schönreden: Rauchen ist schädlich.» Es gebe Momente, in denen er sich als Nichtraucher frage, ob er nun auf die Seite der Bösen gewechselt sei. Aber dann überwiege die Freude, ein Kultobjekt wiederbelebt zu haben. Es ist nicht der einzige Aspekt, bei dem er ganz anders denkt und handelt als einst der Firmengründer Beer.

Tabak aus der Region Zürich

Dieser reiste monatelang durch den Orient, um den besten Tabak zu finden. Pibiri und Geier setzten auf nachhaltige Produkte aus der Schweiz und kurze Transportwege. Der Tabak stammt von Bauern aus der Region Zürich, produziert werden die Sullanas im Kanton St. Gallen bei Koch und Gsell – einem Startup, das 2017 bekannt wurde, als es unter der Marke Heimat die weltweit erste legale Tabak-Hanf-Zigarette auf den Markt brachte. Einen Hauch Orient haben Pibiri und Geier jedoch bewahrt: Ein Teil der neuen Mischung besteht aus Orient-Tabak – dieser wird exklusiv für Sullana von einem Bauer in der Region Zürich angebaut.

Die Sullana war einst die beliebteste 1-Franken-Zigarette der Schweiz, Werbeplakat von 1939.

Die Sullana war einst die beliebteste 1-Franken-Zigarette der Schweiz, Werbeplakat von 1939.

Hermann Rudolf Seifert

Früher produzierte Sullana mehr als eine Milliarde Zigaretten pro Jahr. Es sind Zahlen, an die Pibiri und Geier kaum je anknüpfen werden können. Denn damals war die Ausgangslage eine andere: Die Hälfte der Schweizer Bevölkerung konsumierte Tabak. Heute raucht noch jeder Vierte.

Pibiri und Geier schätzen, dass sie bisher etwa 500 Päckli à 8 Franken 70 verkauft haben. Für zwei Löhne reicht der Umsatz nicht. Pibiri zahlt sich im Moment keinen fixen Lohn aus, er sucht einen Nebenjob. Geier arbeitet 80 Prozent für Sullana, daneben unterrichtet er Religion.

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