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Mamablog: Richtig motivieren: Wie Lob den Noten schadet

Eigentlich dachten wir, dass ein ermunterndes «Du bist aber intelligent!» das Selbstbewusstsein unserer Kinder fördere. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Die Lernfreude der Kinder hänge nicht von ihrer Intelligenz ab, lautet eine neue These.

Die Lernfreude der Kinder hänge nicht von ihrer Intelligenz ab, lautet eine neue These.

Foto: Getty Images

Für ein Experiment an der Stanford-University mussten Fünftklässler Puzzles lösen. Erst simple, dann schwere. Nach dem Lösen lobten die Forscherinnen die Gruppe A jeweils mit: «Du bist aber schlau!» und Gruppe B mit: «Du hast dich beim Lösen auch wirklich angestrengt!» Kein grosser Unterschied – möchte man meinen. Nur dass die einen für ihre Intelligenz (Eigenschaft) gelobt wurden und die anderen für ihre Anstrengung (Verhalten).

Dann sollten die Schüler selbst wählen, ob sie weiterhin schwere Puzzles lösen oder einfachere. Gruppe A wollte entweder gar nicht mehr puzzeln oder zurück zu den Einfacheren. Gruppe B hingegen war motiviert und wagte sich erneut an die Schwereren. Das Experiment wurde variiert: Sie bekamen Puzzles, die eigentlich für Siebtklässler gedacht waren. Gruppe B strengte sich an und gab trotz Scheitern an, dass ihnen die Suche nach der Lösung Spass gemacht habe. Gruppe A gab viel schneller und vor allem schlechtgelaunter auf.

Fehler positiv besetzen

Die Lernfreude der Kinder hängt also nicht von ihrer Intelligenz ab, sondern von der Art und Weise wie wir mit ihnen reden? Carol Dweck – eine der weltweit führenden Forscherinnen der Motivationspsychologie – hat zu dieser These einen Bestseller geschrieben. Hier die Quintessenz für Eltern: Wenn es ums Lernen geht, dominieren bei Menschen zwei Selbstbilder: fix oder flexibel. Das fixe Selbstbild lautet: Intelligenz ist angeboren. Das Flexible hingegen: Intelligenz ist ein Muskel, der sich trainieren lässt. Wenn wir also ihre Intelligenz loben und beurteilen, nehmen wir Kindern die Kontrolle: Entweder ich bin schlau oder eben nicht. Sie werden verwundbar und kriegen Angst, das nächste Mal weniger klug auszusehen. Und greifen entsprechend zum leichteren Puzzle. Wenn wir aber ihre Anstrengung oder Fleiss loben, überlassen wir Kindern den Lead: Es liegt an mir, ob ich mich beim nächsten Mal wieder anstrenge und fleissig bin. Entsprechend fühlen sie sich gut, wenn sie sich bei der nächsten Aufgabe wieder anstrengen und dabei einen Fortschritt erzielen.

Spannend ist auch, dass Fehler bei einem flexiblen Selbstbild positiv besetzt sind: Ein allfälliger Fehler bedeutet nicht, dass man dumm ist, sondern dass auf diesem Gebiet lediglich noch Erfahrung oder Übung fehlen. Es ist ein wenig wie bei Thomas Edison. Er musste ja erst 10’000 Prototypen von Glühbirnen bauen, bis er endlich eine Funktionstüchtige hatte und sagte dazu: «Ich habe nicht einmal versagt, sondern 10’000 Wege entdeckt, die nicht funktionieren.»

Unsere Stimme wird zur Stimme unseres Kindes

Dweck hat gezeigt, dass unsere Stimmen zu inneren Stimmen unserer Kinder werden. Doch das Thema Nicht-Loben versetzt Eltern oft in Aufregung. Man fragt sich vielleicht: Bin ich nun schuld an den schlechten Noten meines Sohnes? Haben meine Eltern auch mich falsch erzogen? Das zeigt: Erwachsene sind – genau wie Kinder – höchst sensibel, wenn sie selbst bewertet werden.

Und nun ein kleiner Test punkto Selbstbild: Was sagt Ihre innere Stimme beim Lesen dieses Textes? Sonän Hafechäs, diese neue Erziehung stellt ja auch alles in Frage! Oder: Wieder was Neues gelernt, wo kann ich nun richtig loben üben? Oder um bei der inneren Stimme zu bleiben, soll ihr Kind sagen: Sonän Hafechäs, ich kann Mathe / Französisch einfach nicht! Oder doch lieber: Toll, da ist eine Möglichkeit neues zu lernen und zu wachsen?

Dieser Text erschien zuerst auf Instagram bei @chezmamapoule.

Wer gerne Neues lernt, dem empfehlen wir den nächsten Artikel von Ellen Girod (erscheint am 08. Februar 2021). Dort stellt sie konkrete Beispiele für richtiges Loben und Motivation auf Augenhöhe vor.

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