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Madrid im Greta-Fieber

Polizisten müssen der Klimaaktivistin bei ihrer Ankunft den Weg durch die Menge bahnen. Zehntausende beteiligen sich am Klimamarsch.

Die 16-Jährige wird in Spanien von Journalisten auf Schritt und Tritt begleitet. (6. Dezember 2019) Foto: Juan Medina/Reuters

Die 16-Jährige wird in Spanien von Journalisten auf Schritt und Tritt begleitet. (6. Dezember 2019) Foto: Juan Medina/Reuters

«Ob wir wollen oder nicht: der Klimawandel kommt!», verkündete Greta Thunberg auf der grossen Kundgebung am Freitagabend. Es ist der Abschluss des grossen «Klimamarsches» durch das Zentrum von Madrid. Viel konkreter wurde sie nicht, doch es gab langanhaltenden Beifall und auch Trommelwirbel, denn an dem Marsch hatten sich auch Musikgruppen beteiligt. Kein Zweifel: Madrid wurde vom Greta-Fieber erfasst, zweifellos mehr als in Berlin, wo sie im Juli Tausende auf die Strasse gebracht hatte. In Madrid waren es Zehntausende, die Veranstalter sprachen gar von einer halben Million, was aber ein Sprecher der Polizei als masslos übertrieben bezeichnete.

Den Marsch vorbei am Prado, der berühmten Gemäldesammlung, führte eine Gruppe von Ureinwohnern aus der Amazonas-Region an, die besonders von den Folgen der massiven Umweltzerstörung in ihren Lebensraum betroffen sind. Es nahmen viele kostümierte Gruppen aus vielerlei Ländern teil, die auf Spruchbändern vor den Gefahren des Klimawandels warnten. Mehrere Redner, darunter der spanische Kinostar Javier Bardem, appellierten an die Politiker, die derzeit auf dem Madrider Messegelände an dem Weltklimagipfel COP25 teilnehmen, endlich effektive Massnahmen gegen die Erwärmung des Erdklimas zu beschliessen.

Greta Thunberg sagte in ihrer Rede: «Schon seit einem Jahr streiken wir, und nichts ist geschehen!» Die 16-Jährige hat in ihrer Heimatstadt Stockholm mit einem Schulstreik an jedem Freitag, für den sie dem Schulunterricht fernblieb, die weltweite Bewegung Fridays for Future ausgelöst. Begleitet meist von ihrem Vater hat sie seitdem mehrere europäische Länder und die USA bereist. Über den Atlantik war sie als Passagierin einer Hochseesegelyacht gekommen, sah sich dann aber der Kritik ausgesetzt, dass die meisten Mitgliedre der Segelcrew die Rückreise mit dem Flugzeug angetreten hätten. Greta Thunberg selbst vermeidet Flugreisen wegen des hohen klimaschädlichen CO2-Ausstosses.

Ursprünglich hatte sie von den USA mit dem Zug nach Chile weiterreisen wollen, wo der Klimagipfel eigentlich stattfinden sollte. Doch wegen innenpolitischer Unruhen in Chile wurde die Experten- und Politikerkonferenz mit Tausenden von Teilnehmern nach Madrid verlegt. Thunberg und ihr Vater fanden eine Mitreisegelegenheit auf einem Segelschiff, das sie aus den USA nach Lissabon brachte.

Für internationales Aufsehen sorgte das Angebot eines Nachbarschaftsvereins aus einem Dorf unweit der spanischen Stadt Toledo, sie mit dem umweltfreundschaftlichen Verkehrsmittel nach Madrid zu bringen: Sie solle den Weg auf dem Rücken eines Esels zurücklegen, so wie dies früher Generationen von Spaniern getan hätten. Auf seiner Webseite zeigte der Verein das Bild des Esels, den er angeblich zur Verfügung stellen wollte. Unter den Madrider Umweltaktivisten aber war man sich nicht sicher, ob dies nicht ein Scherz war.

Jedenfalls nahm sie den Nachtzug mit Liegewagen für die zehn Stunden währende Fahrt von Lissabon nach Madrid. Als der Zug im Bahnhof Madrid-Chamartín einfuhr, warteten Dutzende von Journalisten und Hunderte von Schaulustigen auf sie. Polizisten mussten ihr den Weg durch die Menge bahnen, sie wich allen Mikrofonen aus und sagte kein Wort.

Später reagierte sie auf Twitter mit einem Scherz auf ihre Ankunft: «Ich habe mich heute in Madrid eingeschlichen. Ich denke, niemand hat es bemerkt.» Angefügt war ein Link zu einer kurzen Filmsequenz über den Massenandrang. Ihr Vater sagte dazu dem schwedischen Rundfunk: «Das war Wahnsinn, solch einen Andrang habe ich noch nie erlebt!» Zu der Pressekonferenz, die der Madrider Ableger von Fridays for Future organisiert hatte, waren mehr als 400 Journalisten akkreditiert. Greta Thunberg rief ihnen zu: «Wir wollen Aktion sehen!»

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