Switzerland

Luxus war gestern. Was heute zählt, ist ein Sack Mehl

Etwas verzögert hat die Einkaufswut auch Grossbritannien erreicht. Zuerst war das Bier weg, Pasta und Konserven folgten. Lernen wir so die wahren Werte kennen?

Rausgehen, die Beine vertreten, etwas Gutes heimbringen – Einkaufen wäre eine wunderbare Abwechslung, wenn einem die anderen bloss etwas übrig liessen.

Rausgehen, die Beine vertreten, etwas Gutes heimbringen – Einkaufen wäre eine wunderbare Abwechslung, wenn einem die anderen bloss etwas übrig liessen.

Robert Perry / EPA

Was bleibt, ist das Einkaufengehen. Selbst in Ländern, in denen Ausgehverbot herrscht: Das ist noch erlaubt. Die paar Schritte vor die Tür. Das Einkaufen war für viele das auch erste, handfeste Signal der schweren Erschütterung. Die leeren Regale. Die Hamsterkäufe. Der Shopping-Wahnsinn.

Am Morgen nach der Bekanntgabe der Restaurant- und Pub-Schliessungen in Grossbritannien waren alle Bierregale beim lokalen Sainsbury’s, einer der grossen Supermarktketten, leergefegt. Nur zwei Dosen Bud Light hatten den Weg in die örtlichen Kühlschränke noch nicht gefunden. Die billigen Weine: auch alle weg. In den nächsten Tagen ging es den höheren Preisklassen und dem Champagner an den Kragen. Was war der Plan: kaufen, horten, Koma auf der Couch? Ein Geschäft lockte mit Bier der Marke Corona zum Billigpreis. Davor machte dann selbst der britische Humor halt.

Wo horten sie das ganze Zeug?

Die unsägliche Klopapierkrise wütete auch hier, ebenso wie die Mehl- und Eierknappheit. Stürzen sich alle in Backorgien oder bauen Mehlburgen mit den Kindern? Und wo tun die Leute den ganzen Kram überhaupt hin, die Pastaberge und Konservendosen, die unzähligen Flaschen Desinfektions- und Reinigungsmittel? Garage, Gästezimmer? Einen Keller hat kaum einer hier.

In Ländern, wo das Coronavirus schon länger grassiert, gehen die Hamsterkäufe zurück, heisst es. Auch in Grossbritannien pendelt sich die Lage ein. Inzwischen stehen die Leute wieder kreuzbrav, diszipliniert und very British Schlange vor den Geschäften. Wie in alten Zeiten vor der Bushaltestelle. In dieser sonderbaren Sonntagsruhe, die jetzt überall herrscht. Als hätte es die Schlachten in den Läden nie gegeben, die gezeigt haben, wie dünn das Eis des zivilisierten Miteinanders ist.

Vor der Corona-Krise sprach kein Mensch vom Gang zum Supermarkt. Einkaufen – ausserhalb der Lebensmittelabteilung – hingegen war ein britischer und auch ein internationaler Volkssport, den sich Marc Ravenhill vor Jahren schon robust in seinem Stück «Shopping and F***ing» vorknöpfte. Man kannte Luxuskäufe, Frustshoppen, Käufe aus Langeweile oder um sich zu belohnen oder zu trösten und Window-Shopping für die Armen oder Unentschlossenen. Nun treten Angst- und Panikkäufe an die Stelle ihrer hedonistischen Verwandten.

Vorbei die Zeiten, wenigstens fürs Erste, als einem frisch erworbenen Luxusobjekt die Verheissung eines Neuanfangs innewohnte – die kleine Wahnvorstellung, mit einem Auto oder einem Kleid jemand anderes, Schöneres oder Erfolgreicheres zu werden oder mit einem Möbelstück die Bühne für ein neues Leben zu bereiten. Wir können zwar einstweilen weiterhin im Internet shoppen. Aber wer hat schon Lust, in nagelneuen Louboutin-High-Heels zwischen Küche und Wohnzimmer herumzuscharwenzeln. So ganz ohne Live-Publikum. Der Konsum als Traumerfüllung ist derzeit im Stand-by-Modus. Stattdessen ist ein Pfund Mehl plötzlich kostbar geworden.

Das hat gerade noch gefehlt

Und wir kaufen ein wie beim Aufbruch zu einer Reise ins Unbekannte. Was will man mitnehmen auf seine einsame Insel des Home-Office, der Self-Isolation oder Quarantäne? In Steven Soderberghs Katastrophenfilm «Contagion» («Ansteckung»), der 2011 entstand und wie eine Dokumentation zur gegenwärtigen Weltlage wirkt, werfen die Hamsterkäufer neben Hand-Desinfektant auch Taschenlampen in ihre Einkaufskörbe. Ich bin alarmiert: Taschenlampen?

Die Büchereien und Buchläden waren übrigens bis kurz vor ihrer Schliessung so spärlich besucht wie immer, entweder stehen Bücher auf der Prioritätenliste weit unten, oder viele begnügen sich mit digitalen Lesegeräten. Vielleicht werden wir trotzdem bald alle Daniel Defoes «Robinson Crusoe» lesen, beim Schein der Taschenlampe. Falls demnächst, wie manche zu befürchten scheinen, die Lichter ganz ausgehen.

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