Switzerland

Lob den Schwererziehbaren

In der Gleichstellungspolitik geht es längst nicht mehr um die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau. Jetzt geht es um Umerziehung, Umverteilung, Bürokratieausbau, Privilegienwirtschaft und Partikularinteressen von Interessengruppen, die sich vornehm «Zivilgesellschaft» nennen.

«Das Kollektiv steht in dieser Heilslehre über dem Individuum.»

«Das Kollektiv steht in dieser Heilslehre über dem Individuum.»

Peter Klaunzer / Keystone

Internationale Abkommen sind ein komplexes Geschäft. Die Verhandlungen sind oft kompliziert, die Texte für Laien meist schwer verständlich. Kurzum: Das Ganze ist eine Sache für Eingeweihte, die sich professionell mit solchen Dingen befassen. Das ändert aber nichts daran, dass die Allgemeinheit von all diesem rätselhaften Tun unmittelbar betroffen ist und das Ganze samt Kostenfolgen auch finanziert.

Nehmen wir zum Beispiel das Cedaw, das Uno-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau. Die Schweiz hat es 1997 ratifiziert. Seither muss sie regelmässig einem internationalen Expertengremium Bericht erstatten und ihre Anstrengungen zur Geschlechtergleichstellung begutachten lassen. Die zahlreichen Berichte, Schattenberichte, Zwischenberichte und Empfehlungen sind alles andere als eine beschwingte Sommerlektüre für die Strandferien.

Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen und eine Schar gleichgesinnter Organisationen haben das erkannt und befreien uns nun von der Last der Informationsbeschaffung. Alles, was man aus der Sicht der Kommission und ihrer Freundinnen über das Cedaw-Übereinkommen wissen muss, gibt es jetzt in Form eines Animationsfilmchens. Das Filmchen empfiehlt sich allen Leuten ohne juristisches Fachwissen und insbesondere auch für die Sekundarstufe II. Mit etwas Glück können die Absenderinnen ihre politische Botschaft also direkt im Schulzimmer platzieren.

Das Filmchen lässt trotz aller Kürze kein Dogma des Gendermoralismus aus, verzichtet dafür auf jegliche kritische Würdigung. So erfahren wir lauter absolute Wahrheiten. Wir lernen, dass in der Schweiz die Frauen nur auf dem Papier gleichstellt sind; in Wahrheit sind sie überall benachteiligt – im Beruf, in der Familie, im Asylzentrum. Sie haben tiefere Löhne, sind weniger oft Chefin, leiden unter häuslicher Gewalt, und ihre Arbeit wird geringgeschätzt. Kurz: Es muss schrecklich sein, in der Schweiz eine Frau zu sein.

Nachdem dieses Narrativ festgelegt ist, werden die Instrumente zur moralischen Besserung der Gesellschaft gezeigt. Wir lernen, dass Gleichstellung vor dem Gesetz nicht ausreicht. Es braucht «positive Massnahmen». Das geht so: «Benachteiligte Frauen werden so lange bevorzugt gefördert, bis die tatsächliche Gleichstellung erreicht ist.» Wer das als ungerecht empfindet, wird korrigiert. «Dies ist keine Diskriminierung gegenüber denjenigen, die bis jetzt im Vorteil waren.» Das Kollektiv steht in dieser Heilslehre also über dem Individuum; den einzelnen Mann darf man ruhig kaltstellen, wenn es «den Frauen» dient.

Wir lernen, wie wir dank dem Cedaw-Abkommen beim Staat neue Ansprüche einfordern können. Die Beurteilungen durch das Expertengremium seien eine «gute Chance für die Zivilgesellschaft», Forderungen an Politik, Verwaltung und Justiz zu stellen. Unter «Zivilgesellschaft» darf man sich allerdings nicht einzelne Bürger vorstellen, wie sich das für ein direktdemokratisches Land vielleicht anböte. Nein, hier sind vorwiegend linke NGO gemeint, die sich anmassen, für «Millionen von Frauen in der Schweiz» zu sprechen.

Bei der Gleichstellungspolitik geht es schon lange nicht mehr um gleiche Rechte für Frauen und Männer. Es geht um Umerziehung, Umverteilung, Bürokratieausbau, Privilegienwirtschaft und Partikularinteressen von Gruppen, die sich «Zivilgesellschaft» nennen. Vor diesen Angriffen auf unsere Freiheit können uns wohl nur noch die Schwererziehbaren retten. Also alle, die sich trotz der permanenten Indoktrination der echten und nicht der kollektivierten Zivilgesellschaft verpflichtet fühlen, die Freude am Selberdenken haben und sich auch einmal trauen, zivilen Ungehorsam zu üben.

Zur Person

Claudia Wirz

NZZ

Claudia Wirz

ist freie Journalistin und Autorin. Alle bisher erschienenen Kolumnen von Claudia Wirz finden Sie auf unserer Überblicksseite.

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