Switzerland

Libyens Küstenwache schiesst auf italienische Fischer – mit einem von Italien geschenkten Boot

Angeblich schossen die Libyer in die Luft, sie verletzten dabei aber einen Kapitän. Die italienische Marine verjagte sie. Szenen eines Fischereikriegs.

Der Kapitän Giuseppe Giacalone wurde beim Beschuss durch die libysche Küstenwache leicht verletzt.

Der Kapitän Giuseppe Giacalone wurde beim Beschuss durch die libysche Küstenwache leicht verletzt.

Max Firreri / Handout / EPA

«Es geht mir gut. Aber nur durch ein Wunder sind wir noch am Leben. Sie haben ganze Salven abgefeuert, die Kabine ist voller Löcher.» Das berichtete Giuseppe Giacalone, der Kapitän des Fischerboots «Aliseo», übers Satellitentelefon der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Ein Boot der libyschen Küstenwache hatte am Donnerstagmittag um zwei Uhr das Feuer auf die Fischer aus Sizilien eröffnet. Giacalone wurde dabei nach seinen eigenen Angaben durch eine Kugel am Arm leicht verletzt, zudem durch Glassplitter am Kopf.

Die Libyer enterten darauf das Fischerboot, vermutlich um es samt der siebenköpfigen Mannschaft nach Libyen zu verschleppen, wie aus den vorliegenden Berichten hervorgeht. Doch schnell schickte die italienische Fregatte «Libeccio» einen Helikopter an den Ort des Geschehens, worauf die Libyer ihr Vorhaben aufgaben. Sie hätten sich dann sogar entschuldigt und erste Hilfe angeboten, berichtete Giacalone. Unterdessen befinden sich die Fischer auf der Heimfahrt.

Das Boot der libyschen Küstenwache wurde 2018 den Libyern aus italienischen Beständen geschenkt, um Migranten von der Überfahrt übers Mittelmeer abzuhalten, das bestätigten Regierungsstellen in Rom gegenüber der britischen Zeitung «The Guardian». Erst im April äusserte der italienische Ministerpräsident Mario Draghi bei einem Besuch in Tripolis «Genugtuung» über die Rettungsaktionen der Libyer. Der neue Zwischenfall ereignete sich 35 Meilen vor der libyschen Küste. Das Gebiet wird von den Libyern als ausschliessliche Wirtschaftszone beansprucht, was von andern Anrainern des Mittelmeers nicht akzeptiert wird. Angeblich hatten aber italienische Behörden den Fischern «geraten», jene Gewässer zu meiden.

Libyens umstrittene Ansprüche im Mittelmeer

12-Meilen-Zone, international anerkannt

74-Meilen-Zone, unilateral verfügt

Die libysche Küstenwache teilte mit, sie habe Warnschüsse in die Luft abgegeben, was nicht glaubhaft wirkt, wenn dabei eine Schiffskabine durchlöchert wird. Auch hatte es wenige Tage zuvor einen ähnlichen Zwischenfall gegeben, als ein libysches Schiff das italienische Fischerboot «Michele Giacalone» unter Beschuss nahm. In beiden Fällen schossen die Libyer offenbar mit Maschinengewehren auf die italienischen Fischerboote. Dabei griff jeweils die italienische Marine ein. Das deutet darauf hin, dass diese den Fischerbooten vor Libyen nun Geleitschutz bietet und nötigenfalls auch zu demonstrativem Handeln entschlossen ist.

Noch im Oktober konnte die libysche Küstenwache der Gegenregierung von General Khalifa Haftar zwei italienische Fischerboote kapern und nach Libyen verschleppen; die Mannschaft verbrachte dann über hundert Tage in libyscher Haft. Das passive Verhalten der italienischen Marine wurde damals in den italienischen Medien als feige und unwürdig kritisiert. Der jetzt verletzte Kapitän Giacalone konnte bei jener Gelegenheit den Libyern mit seinem Schiff entkommen.

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