Switzerland

Leichtathletik, wie man sie nie wieder sehen wird

Die Corona-Pandemie zwingt Weltklasse Zürich, völlig neue Wege zu gehen. Das Produkt nennt sich Inspiration Games und wird für das Fernsehen am nächsten Donnerstag aus sieben Stadien rund um den Globus zusammengeschnitten.

Mujinga Kambundji wird im Letzigrund gegen zwei virtuelle Gegnerinnen laufen.

Mujinga Kambundji wird im Letzigrund gegen zwei virtuelle Gegnerinnen laufen.

Jean-Christophe Bott / Keystone

Schon die Medienkonferenz findet virtuell statt, man lächelt sich am Bildschirm zu, und die Macher geben sich motiviert, völlig neue Wege zu gehen. Aber dann sagt der SRF-Regisseur Stefan Koch diesen Satz: «Wir hoffen alle, dass wir das nie mehr machen müssen.» Denn Leichtathletik, das bedeutet in Zürich eigentlich: Wettkampf Frau gegen Frau, Mann gegen Mann; die besten Athleten der Welt in einem Stadion; 25 000 Zuschauer auf den Rängen. Das ist in diesen Tagen schlicht unmöglich, weshalb sich die Organisatoren von Weltklasse Zürich entschieden haben, ein TV-Produkt zu schaffen, wie es die Welt noch nie gesehen hat.

Inspiration Games nennt es sich, es umfasst 8 Disziplinen, wird am nächsten Donnerstag in 7 verschiedenen Stadien ausgetragen und in der Regie in Zürich zu einem TV-Bild zusammengeschnitten. Am Start sind lauter Athleten der Weltklasse. Wie das funktioniert, lässt sich am Beispiel des 150-m-Laufs der Frauen erklären, den Allyson Felix, Shaunae Miller-Uibo und Mujinga Kambundji bestreiten.

Zürich, Kalifornien, Florida

Die eine sprintet in Zürich, die andere in Kalifornien, die dritte in Florida. Gestartet wird das Rennen wie alle anderen in Zürich, Swiss Timing schafft das Kunststück, die Startpistolen in den beiden anderen Stadien genau synchron knallen zulassen. Und begeht zum Beispiel Kambundji einen Fehlstart, werden sofort auch Felix und Miller-Uibo zurückgepfiffen. Das hat es noch nie gegeben. Alain Zobrist, der CEO von Swiss Timing, spricht von einer technischen Revolution.

Es ist die Aufgabe des Fernsehens, aus diesen drei einzelnen Läufen ein Rennen zu machen. Weil es bei der Übertragung der Bilder aus den USA in die Schweiz leichte Verzögerungen gibt, braucht es eine nachträgliche Synchronisation. Die Regie des Fernsehens SRF nimmt sich dafür zwei Minuten Zeit, sie verwendet den Blitz an den Spitzen der drei Startpistolen, um die Bilder exakt in Einklang zu bringen. Der Bildschirm wird dafür dreigeteilt und in einen Rahmen gestellt. Andreas Hediger, Co-Meetingdirektor von Weltklasse Zürich, sagt: «Das Fernseh-Produkt wird nichts mit dem zu tun haben, was wir von Weltklasse kennen. Alles wird in einer grafischen Welt stattfinden.»

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den Impossible Games, die im Juni in Oslo ausgetragen wurden. Dort wurden die Bilder so produziert, wie das an einem Diamond-League-Meeting üblich ist. Das Ergebnis war an Trostlosigkeit kaum zu überbieten, obwohl einige ausgezeichnete Leistungen zu sehen waren.

Auch Stabhoch- und Dreisprung wird es an den Inspiration Games geben, ebenfalls auf drei Stadien verteilt. Jeder Athlet wird permanent von einer Kamera begleitet, und die Teilnehmer können auf einem Computerbildschirm live verfolgen, was ihre Gegner machen. Das Bild für die TV-Zuschauer wird hier aber sehr ähnlich aussehen wie bei einem normalen Meeting.

Interviews über die Kontinente hinweg

8 Disziplinen in 90 Minuten – da würden im Letzigrund die Leute einschlafen. Die Zeit zwischen den Starts wird aber dafür genutzt, in jeder Disziplin eine Athletin oder einen Athleten in einem Clip vorzustellen, ausserdem gibt es Interviews über die Kontinente hinweg. Regisseur Koch sagt: «Das wird eine komplett neue Show, man wird oft um die Welt fliegen.»

Weltklasse Zürich bietet also sehr viel Innovation, und trotzdem liegt auf der Hand, dass dies nicht die Zukunft der Leichtathletik sein kann. Die Athleten starten in verschiedenen Zeitzonen, in der Schweiz wird es Abend sein, in Kalifornien Morgen. Die Temperaturen können unterschiedlich sein, und es ist durchaus möglich, dass an einem Ort ein heftiger Rückenwind bläst, am anderen Windstille herrscht und am dritten Gegenwind. Ganz abgesehen davon, dass nicht jede Bahn gleich schnell ist.

Man muss diese Wettkämpfe also mit einem gewissen Augenzwinkern verfolgen. Dennoch: In jedem Stadion sind die Voraussetzungen so, dass Rekorde ratifiziert werden können. Und es geht auch nicht nur um die Gaudi, sondern um harte Dollars. Für einen Disziplinensieg gibt es 10 000 Dollar, für einen 2. Rang 6000 und für einen 3. Rang 4000. Zudem gibt es in jedem Einzelwettkampf Punkte für eine Teamwertung zu gewinnen, allerdings ohne finanziellen Anreiz. Am Start sind die Teams Europa, Welt und Nordamerika.

Obwohl sieben Stadien genutzt werden, ist der Aufwand nicht mit dem eines normalen Weltklasse-Meetings zu vergleichen. Laut dem Co-Meetingdirektor Hediger liegt das Budget in Franken leicht unter einem siebenstelligen Betrag, 2019 betrug der Etat für die Veranstaltung im Letzigrund 9,5 Millionen Franken. Das TV arbeitet in 7 Stadien mit 20 Kameras, im Letzigrund sind es normalerweise fast 30. Und Swiss Timing benötigt deutlich weniger Personal als sonst.

Das soll 2021 wieder ganz anders sein, wenn Zürich als Finalort der Diamond League vorgesehen ist, mit Wettkämpfen in 24 Disziplinen, auf 3 Tage und 3 Örtlichkeiten verteilt: Den Letzigrund, den Hauptbahnhof und den Sechseläutenplatz.

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