Switzerland

Legende Ailton im Interview: «Ich kann mich an keinen GC-Spieler erinnern»

Legende Ailton im Interview

«Ich kann mich an keinen GC-Spieler erinnern»

Fussball-Legende «Kugelblitz» Ailton (46) redet im BLICK über das Werder-Wunder, seinen Freund Pizarro, Pizza-Toni, «Let’s Dance», Magnin und GC.

Ailton: Nein, das Verbot gilt auch für mich. Ich habe das Spiel in einem Restaurant verfolgt.

Und?
Das war der Wahnsinn, aber Fussball ist nun mal so. Fussball ist verrückt. Bremen musste gewinnen, und Düsseldorf musste bei Union verlieren – und so ist es gekommen. Ich bin einfach nur zufrieden, dass es Bremen nach dieser Saison noch in die Relegation geschafft hat.

Und dann gingen Sie mit Ihrem langjährigen Sturmpartner Claudio Pizarro noch feiern?
Nein. Hier ist nichts mit Feiern, es ist noch immer Corona-Ausnahmezustand. Ich bin mit Freunden essen gegangen. Aber sicher nicht mit Pizarro. Der soll zu Hause bleiben – wie alle Werder-Spieler. Die haben bis am Samstag noch gar nichts zu feiern! Noch stehen die Relegationsspiele an.

Und da schiesst dann Pizarro als 41-Jähriger Werder Bremen gegen Heidenheim zum Ligaerhalt?
Das wäre eine wahnsinnige Geschichte. Wenn einer so ein Ende verdient hätte, dann er. Ein Riesen-Typ.

Es wäre aber auch noch möglich, dass Pizarro seine tolle Karriere mit einem Abstieg beendet.
Das wäre einfach nur richtig scheisse. Er hatte eine so tolle Karriere, war ein klasse Fussballer – und dann würde er mit 41 in seinem allerletzten Spiel mit Werder in die 2. Liga absteigen. Ohne Zuschauer, ohne Stimmung, das wäre eine absolute Katastrophe. Aber jetzt nach dem 6:1 bin ich zuversichtlich, dass es Bremen in der Relegation packt. Wie gesagt: Am liebsten mit einem «Pizza-Tor».

Sie und Pizarro wurden früher «Pizza-Toni» genannt und harmonierten hervorragend.
Nicht nur im Sturm, auch neben dem Platz. Wir zwei hatten immer und überall Spass. Mit ihm zu spielen, war einfach mega. Mit der Qualität vorne von «Pizza-Toni» von vor zehn Jahren wäre Werder nie so weit hinten!

Jetzt tanzen Sie ­bekanntlich lieber. Warum sind Sie bei «Let’s Dance» eigentlich so früh ausgeschieden? Wir dachten, Brasilianer hätten das Tanzen im Blut.
Haben wir auch (lacht). Aber wissen Sie: Wir tanzen in Clubs oder auf der Strasse; und wir tanzen dann, wenn uns grad danach ist. Nicht in einer TV-Show. Obwohl es mir schon Spass gemacht hat.

Persönlich: Ailton

Mittlerweile ist Ailton 46 Jahre alt und nur noch am Rande im Fussball tätig. Seine glorreichste Zeit hatte er anfangs der 2000er-Jahre als er zusammen mit Claudio Pizarro Werder Bremen zum Double schoss. Danach ging die Karriere des «Kugelblitz» bergab. Schalke, Besiktas, HSV, Roter Stern Belgrad, GC, Duisburg, Metallurg Donezk, Altach, Campinense (Br), Lifan, Uerdingen, Oberneuland, Rio Branco (Br) und Hassia Bingen (8. Liga!) hiessen seine weiteren Station. Nach dem Profi-Leben sorgte Ailton vor allem mit Auftritten im Dschungelcamp und weiteren Reality-TV-Shows in Deutschland für Aufsehen.

So viel Spass wie im Jahr 2012, als Sie bei «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» mitgemacht haben?
Ach, kommen Sie! Das Dschungelcamp ist schon so lange her. Reden wir über was anderes.

Also gut. Was machen Sie eigentlich in Bremen? Ich dachte, Sie würden mit Ihrer Familie in Dallas leben.
Da wohnten wir auch die letzten vier Jahre. Aber nachdem unsere Tochter ihren Schulabschluss im Sack hatte, sind wir zurück nach Bremen gekommen. Sie ist jetzt 18, will Deutsch lernen und hier studieren. Wir werden wohl alle bleiben.

In Bremen haben Sie als bisher letzter Meisterschütze wohl Ihr Leben lang Legendenstatus, oder?
Ja, klar: Hier kenne ich viele Leute, und alle kennen Ailton.

Einer Ihrer Mitspieler in der Meistermannschaft war Ludovic Magnin. Haben Sie sich gut verstanden?
Mit Ludo? Sicher! Ein toller Mensch. Auch ein bisschen «loco» – verrückt wie ich.

Er ist mittlerweile Trainer beim FC Zürich.
Ich weiss. Sagen Sie ihm liebe Grüsse. Er soll mich doch anrufen, ich kann ihm junge, talentierte Fussballer empfehlen. Junge Ailtons!

Sind Sie jetzt Spielervermittler?
Nein (lacht). Das ist mir irgendwie zu kompliziert. Aber ich habe ein gutes Auge, sehe sofort, welcher Spieler was draufhat. Irgendwann werde ich ins Fussballbusiness zurückkehren. Mal schauen, was ich dann mache.

Bei Werder haben Sie auch mit Raphael Wicky gespielt.
Raphi war auch ein netter Schweizer. Irgendwie war er immer ein Gentleman und sicher ruhiger als Ludo.

2007 stürmten Sie für GC. Wie wars?
Den Namen GC habe ich lange nicht mehr gehört. Ich habe da viele Tore geschossen. Mit Trainer Krassimir Balakov hatte ich ein super Verhältnis. Wir hatten die gleiche Fussball-Philosophie. Die Stadt Zürich ist Weltklasse, da kann man eine Menge Spass haben. Leider war nach einer Saison schon Schluss, weil GC kein Geld mehr hatte und sich mich nicht mehr leisten konnte. Wie gehts dem Klub jetzt?

Mässig. GC spielt zurzeit in der Challenge League, in der zweithöchsten Liga. Vor wenigen Wochen haben Chinesen den Klub übernommen.
Aha, reiche Chinesen! (lacht) Jetzt hat GC also wieder Geld.

An Balakov erinnern Sie sich. Können Sie auch einige Mitspieler von damals aufzählen?
Da sind einige Gesichter in meinem Kopf, die Namen aber habe ich vergessen.

Grösster Aussenseiter seit Einführung der Relegation

Aussenseiter Heidenheim aus der 50’000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg spielt heute gegen Werder Bremen das Hinspiel in der Relegation. Mit Blick auf die Vergangenheit des Klubs, etwas schier Unfassbares. Trainer Frank Schmidt führte das Team 2008 in die viertklassige Regionalliga Süd. Ein Jahr später folgte der Aufstieg in die dritte Liga und fünf Jahre später in die Zweite.

Drei Aufstiege in sechs Jahren. Dies sind nur einige Erfolge des 46-Jährigen zusammen mit «seinem» 1. FC Heidenheim. «Seinem», weil Schmidt beim Verein seit 13 Jahren an Seitenlinie steht. Eine Ausnahme in diesem schnelllebigen Business. Kein Coach im deutschen Profifussball ist länger bei seinem Klub als Schmidt bei Heidenheim.

Trainer und Captain mit Legendenstatus

Schmidt, der 200 Meter vom Heidenheimer Stadion entfernt geboren wurde, liebt seinen Job nach wie vor: « Ich bin jeden Tag gern hierher gefahren und habe noch keinen Tag gehabt, wo ich gesagt habe, heute habe ich keine Lust», sagt er gegenüber SWR und fügt an: «Ich hoffe meinen Spielern geht es auch noch lange so.»

Einem ganz bestimmt. Auf dem Feld gehört Captain Marc Schnatterer (34) seit zwölf Jahren zu den wichtigsten Protagonisten der Schwaben. Ist also fast genau so legendär wie sein Trainer. Der Ex-Karlsruher schiesst das erste Zweitliga-Tor für Heidenheim und steht zudem in den ersten 133 Zweitligaspielen nonstop auf dem Platz. Ein Muskelfaserriss durchbricht seinen Rekordlauf.

Schmidt und Schnatterer bilden zusammen mit Klubchef Holger Sanwald die Heidenheimer Basis und stehen für deren Kontinuität, dank der sich der Klub schrittweise nach oben gearbeitet hat.

«Ich glaube an das Unglaubliche»

Mit einem weiteren Aufstieg könnte das Heidenheimer Märchen nun weitergehen. Die Schwaben sind einem neuen Kapitel in der Vereinsgeschichte zum Greifen nah. «Für die meisten ist es eine Lebenschance. Manche Dinge passieren im Leben häufig, manche bekommt man nie oder ganz selten. Wir haben jetzt die Situation, etwas ganz Aussergewöhnliches machen zu dürfen. Ich glaube an das Unglaubliche», sagt Schmidt im Vorfeld der Partie.

Aussergewöhnlich wäre für Schmidt der Schritt ins Oberhaus auch persönlich. In seinen 292 Partien als Aktiver hat es nie über die 2. Bundesliga hinaus gereicht. Und jetzt könnte er mit «seinem» Heidenheim erstmals in die Bundesliga stürmen. Ob die Heidenheim-Story noch die Krone aufgesetzt bekommt, zeigt sich spätestens am 6. Juli nach dem Rückspiel in der notabene höchstgelegenen deutschen Arena (555 Meter über Meer). Heidenheim und seine Superlative...(ebo)

Verfolgen Sie das Relegations-Spiel der Bundesliga (Bremen – Heidenheim) ab 20.30 Uhr live auf Teleclub.

Football news:

Conte will zu Juventus zurückkehren. Er fragte die Spieler nach sarrys Zukunft im Verein
Ex-Trainer Roma Di Francesco leitete Cagliari und wechselte Zenga
In England werden Spieler entfernt, die absichtlich auf Gegner und Schiedsrichter Husten
Man City zeigte eine neue auswärtssituation
Island hat die heimform für die Saison 2020/21 vorgelegt
1999 besiegte Arsenal Sheffield im Cup, aber Wenger bot an, das Spiel zu wiederholen – weil Kanu brach Fair Play
Mailand und Napoli Interessieren sich für Godfrey. Norwich will für den Verteidiger 30 Millionen Euro