Switzerland

Lauflegende Viktor Röthlin: «Geht bitte alleine Joggen»

«Ich bat die Gruppe, beim Passieren den Abstand von zwei Metern einzuhalten, das schien sie aber nicht gross zu interessieren. Der äussere Läufer ging mit weniger als einem halben Meter Abstand an mir vorbei.» Diese Anekdote stammt von einem Basler Läufer, der die vergangenen Tage mehrfach erlebte, wie andere Jogger sich um die Abstandsregeln foutierten. Dieses Verhalten sei dreist, asozial und gesundheitsgefährdend.

Der Tessiner Infektiologe Andres Cerny bestätigt das. Im Interview mit 20 Minuten erklärte er, dass durch die schwere Atmung mehr Aerosol in die Luft abgegeben wird, womit das Übertragungsrisiko für Personen in unmittelbarer Nähe steige. Wobei unter Fachleuten umstritten ist, wie stark das Infektionsrisiko dabei wirklich erhöht ist. Für Cerny ist dennoch klar, dass die Abstandsregeln auch beim Joggen befolgt werden sollen: «Je grösser die Distanz, desto kleiner das Risiko, sich zu infizieren.»

In stark frequentierten Naherholungsgebieten sorgte dies schon für dicke Luft. Wer muss wem ausweichen? Das Thema gibt auch bei der Leserschaft zu reden. Das Interview mit Cerny provozierte über 1400 Kommentare. In einer nicht repräsentativen Umfrage, an der über 16'000 Leser teilgenommen haben, gaben 10 Prozent an, wegen Corona ganz auf Joggen zu verzichten. Ist das wirklich nötig?

Randzeiten, andere Routen, breite Wege

Nein. Obschon das Bundesamt für Gesundheit rät, auch Sport möglichst drinnen zu treiben, darf man weiterhin auch draussen rennen. «Es tut auch gut, raus zu gehen», sagt der ehemalige Weltklasse-Langstreckenläufer Viktor Röthlin. Allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten. Grundsätzlich gilt: Auch beim Sport müssen die Abstandsregeln befolgt werden. Röthlin appelliert deshalb: «Geht bitte alleine Joggen!»

«Wer in städtischen Gebieten wohne, sollte vielleicht eher früh am Morgen rennen gehen», rät der ehemalige Marathon-Europameister. Oder Zeiten wählen, zu denen nicht so viel los sei. Viele seien nun etwas flexibler wegen Homeoffice und Kurzarbeit, das solle man nutzen. Laufen zu Randzeiten ist eine Strategie, um Kontakte zu vermeiden, weil dann deutlich weniger Spaziergänger unterwegs sind. Das gilt mit zunehmender Tageslänge auch für die Abendstunden.

Eine andere Strategie ist, die Route zu ändern. Die bei Ausdauersportlern populäre App Strava erfasst die Aktivitäten ihrer Nutzer in einer Heatmap. Anhand dieser lassen sich die meistfrequentierten Laufstrecken identifizieren und umgekehrt auch Gebiete entdecken, die nicht überlaufen sind. Ein Blick auf die Schweizer Heatmap zeigt auch: Das Problem, dass sich Spaziergänger und Sportler in grosser Zahl den gleichen Weg teilen, ist vor allem ein städtisches.

Wenn es also schwierig ist, taugliche Ausweichstrecken zu finden, kann man zumindest darauf achten, breite Wege zu benutzen, wo das Ausweichen besser möglich ist.

Auch drinnen kann man ein besserer Läufer werden

Auch wenn das Wetter zurzeit eher dazu verführt, sollte man deshalb nicht häufiger draussen rennen gehen. Laufcrack Röthlin rät seinen Followern auf Facebook, an ihren Defiziten zu arbeiten. «Wir Läufer trainieren viel Ausdauer und vernachlässigen tendenziell Kraft, Beweglichkeit und Koordination», erklärt der ausgebildete Physiotherapeut. «Jetzt ist die Zeit, das anzugehen», sagt er. In mehreren Videos gibt Röthlin darum praktische Tipps, mit welchen Übungen man daheim seine Stabilität verbessert oder sich auch drinnen auf einen Berglauf vorbereiten kann.

(lha)

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