Switzerland

Langnauer Leiden in der Leere

Stell dir vor, es gibt ein Time-Out – und alle in der Halle hören dem Trainer zu. Eigentlich unvorstellbar? Nun, im Moment jedenfalls nicht. In der Schlussminute also nimmt der EV Zug beim Stand von 3:4 die 30-sekündige Auszeit. Es ist der letzte Trumpf, weil Torhüter Luca Hollenstein bereits einem sechsten Feldspieler Platz machte.

EVZ-Assistenzcoach Josh Holden schnappt sich die Taktiktafel und instruiert seine Mannen vor dem anstehenden Bully in der Langnauer Offensivzone. Und ein paar Meter nebenan können sie auf der Tigers-Bank alles mithören. Denn die Bossard-Arena – sie ist wegen der bundesrätlichen Verfügung im Zusammenhang mit dem Corona-Virus – ebenso leer wie alle anderen Stadien.

Offenbar aber haben die Langnauer nicht richtig hingehört. Denn Zug gewinnt das Bully, Sven Senteler geht vergessen, und markiert den 4:4-Ausgleich. 33 Sekunden vor Schluss. Es ist ein weiterer Nackenschlag für die in den letzten Wochen arg gebeutelten SCL Tigers. Weil sie schliesslich im Penaltyschiessen 4:5 verlieren, da nur Zug-Topskorer Grégory Hofmann trifft.

Pause für die Dauerläufer

Die SCL Tigers und ihr Abschlussverhalten, das böte in dieser Saison Stoff für ein Drama. Nur jeder 13. Schuss eines Langnauers findet den Weg ins Tor. Das ist die schwächste Ausbeute der Liga. Warum das so ist, demonstrierten die SCL Tigers in Zug zu Beginn einmal mehr. Robbie Earl kam innert zwei Minuten zu zwei sehr guten Möglichkeiten – aber es waren die Zuger, die ein erstes Mal jubeln konnten. Jan Kovar verwertete erst einen Abpraller im Powerplay (11.) und war dann nach mustergültigem Zuspiel Grégory Hofmanns wieder erfolgreich.

Als Sven Leuenberger in der 27. Minute das 3:1 für den EVZ erzielte, schien das Langnauer Schicksal besiegelt. Aber: Nolan Diem und Schmutz – die sich wie Kovar als Doppeltorschützen auszeichnen konnten – brachten die SCL Tigers tatsächlich in Front. Die Emmentaler legten in dieser Phase eine bemerkenswerte Effizienz an den Tag. Es schien an und für sich alles für sie zu laufen – bis der ärgerliche Fehler beim Bully kam.

Heinz Ehlers hatte für die zweitletzte Qualifikationspartie auf Ben Maxwell und Harri Pesonen verzichtet. Was eine Seltenheit ist, weil die beiden in dieser Saison je erst ein Spiel verpasst haben.

Es ist gewiss kein schlechter Entscheid des Trainers, die Batterien seiner Dauerläufer etwas aufzuladen. Weil die Saison – je nach Corona-Virus – noch länger dauern könnte. Mit der Niederlage in Zug sind die SCL Tigers nämlich auf den 11. Platz abgerutscht, punktgleich mit Ambri-Piotta (10.)

Entsprechend tun die SCL Tigers gut daran, sich heute in der ebenfalls leeren Ilfishalle gegen Biel noch ein wenig Selbstvertrauen für die Platzierungsrunde zu holen. Im Derby übrigens dürfte nochmals Damiano Ciaccio im Tigers-Tor stehen, ehe für die entscheidende Phase der Saison dann Ivars Punnenovs zurückkehren wird, der sich von einer leichten Gehirnerschütterung erholt hat. Ciaccio, so viel sei noch erwähnt, spielte gestern sehr gut. Und trotzdem kassierte der Pechvogel die elfte Niederlage im elften Einsatz.