Switzerland

«Lächerliches Kindertheater»: In der Corona-«Arena» Nr. 19 geraten zwei aneinander

Zwei Streithälse in Aktion: SVP-Nationalrat Thomas Aeschi und SP-Nationalrat Cédric Wermuth waren alles andere als gleicher Meinung. bild: srf/screenshot

«Lächerliches Kindertheater»: In der Corona-«Arena» Nr. 19 geraten zwei aneinander

Masken, Massnahmen, Missmut: Moderator Sandro Brotz lädt mit einer Alliteration zur 19 Corona-«Arena» – und hat dabei seine liebe Mühe, zwei besonders streitlustige Gäste im Zaum zu halten.

1000 Corona-Fälle bis Weihnachten: So lautet das ehrgeizige Ziel des Gesundheitsministers Alain Berset. Gezittert haben diese Woche vor allem die Skiregionen. Nach der bundesrätlichen Medienkonferenz vom Freitag können sie Aufatmen – fürs Erste. Zwar dürfen Züge, Kabinen und Gondeln ab dem 9. Dezember nur zu zwei Drittel gefüllt werden, weitere Kapazitätsbeschränkungen gibt es vorerst aber (noch) nicht.

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Neben den Skiregionen sorgte auch der Start der Wintersession im Parlament für Schlagzeilen. Das nicht etwa aufgrund von umstrittenen politischen Entscheiden, sondern wegen eines Blasorchesters und roten Luftballons. Mit ersterem wurde der neue SVP-Ständeratsspräsident Alex Kuprecht feierlich begrüsst. Die Ballons erhielt Finanzminister Ueli Maurer zu seinem 70. Geburtstag.

Auf die feierlichen Szenen im Bundeshaus, die in der Bevölkerung für einiges an Gesprächsstoff sorgten, stürzte sich auch «Arena»-Moderator Sandro Brotz. «Wann er denn das letzte Mal an einer Party gewesen sei?» fragte Brotz SVP-Nationalrat Thomas Aeschi spitzzüngig. Davon aus der Ruhe bringen, lässt sich Aeschi nicht. Man könne ja nicht einfach alles verbieten, so der SVP-Mann. «Vertreter aus allen Parteien haben Ueli Maurer zum Geburtstag gratuliert. Und alle haben eine Maske getragen.»

«Absolut verwerflich», habe er diese Aktion gefunden, wettert darauf der neue Co-Präsident der SP, Cédric Wermuth. Das sei ein sehr schlechtes Signal gewesen vom Parlament. «Sowas hat in einer Pandemie nichts verloren.»

Von der Party im Bundeshaus wechselt Brotz zu einem nicht minder emotionalen Thema: Dem Wintertourismus. Die Schweizerinnen und Schweizer sollen sich trotz Pandemie Skis und Snowboards an die Füsse schnüren dürfen. Für diese winterliche Freiheit gekämpft habe vor allem die SVP mit einer ausserordentlichen Pressekonferenz, so Nationalrat Aeschi: «Dank dem Druck der SVP findet der Wintertourismus statt und die Betriebe können hoffentlich überleben.»

Prompt entweicht SP-Nationalrat Wermuth ob dieser Aussage ein Seufzer. «Ein lächerliches Kindertheater» sei diese Pressekonferenz gewesen, fährt er Aeschi über den Mund. Letzterer startet direkt zum Gegenangriff: «Es war genau Herr Wermuth und seine Partei, die massive Einschränkungen und faktisch eine Schliessung der Skigebiete forderten!» «Hören Sie auf zu lügen, Herr Aeschi!», grätscht Wermuth erneut dazwischen. Es sei extrem wichtig, strenge Massnahmen zu ergreifen – auch für die Skigebiete. «Wir forderten nie eine Schliessung. Aber wenn die Schweiz zu einem zweiten Ischgl wird, dann fangen Sie an Menschenleben zu gefährden, Herr Aeschi!», poltert Wermuth weiter. Die beiden Streithälse reden sich so in Rage, dass Moderator Brotz händeringend nach Contenance schreien muss.

Hilfesuchend wendet sich Brotz zu seiner Linken. Die ehemalige Grünen-Präsidentin Regula Rytz wird inmitten des Hahnenkampfs Wermuth-Aeschi zur Stimme der Vernunft. Die Fakten lägen auf dem Tisch, so Rytz. «Die Schweiz ist heute der Corona-Hotspot in Europa.» Worauf man sich nun einzig und allein fokussieren müsse, sei das Drosseln der Fallzahlen. «Nur so können wir Menschenleben schützen.»

Ziemlich überrascht von der emotionalen Diskussion ist auch Berno Stoffel, Direktor Seilbahnen Schweiz. «Wir verstehen nicht, wieso eine so grosse Diskussion über die Skigebiete entbrannt ist.» Es gäbe weder Evidenz, dass sich die Leute auf der Piste, noch in der Gondel anstecken. «Klar, gab es Ischgl. Aber da hat man noch sehr wenig über das Virus gewusst und die Leute haben sich im Après Ski angesteckt», so Stoffel.

Um weitere Eskalationen zu vermeiden, wechselt Brotz zum nächsten Themenblock: Den Corona-Unterstützungsgeldern. Dafür erteilt er einem Gast das Wort, der weiss wovon er spricht: Beat Müller, Inhaber einer Marketing- und Eventagentur, war bereits im März in der «Arena». Von zwölf auf neun Mitarbeitende habe er unterdessen reduzieren müssen, sagt Müller. «Wir waren vor der Krise ein gesundes Unternehmen. Nun stehen wir ohne jegliche Planungssicherheit da», so Müller. «Langsam sind die Reserven aufgebraucht.»

FDP-Ständerat Ruedi Noser, der vierte in der Politikerrunde, versteht zwar die finanziellen Schwierigkeiten von Agenturinhaber Müller. Der Bund habe aber mit Corona-Krediten, Kurzarbeit und Härtefallregelung genug getan, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Nun sei in vielen Branchen Kreativität und ein Umdenken gefragt. «Die Eventbranche wird um mindestens 25 Prozent schrumpfen. Der Staat soll in der Krise helfen, aber er kann nicht alle Unternehmen für immer am Leben erhalten.»

Von Nosers Ausführungen wenig begeistert ist SP-Nationalrat Wermuth. «Die Reisebranche kann noch so innovativ sein, das Geschäft läuft nicht, Punkt.» Rückendeckung erhält er dabei von Ratsgspändli Rytz. «Es war eine riesige Enttäuschung für sehr viele Menschen, dass die Vorlage zum Teilmieterlasse fürs Gewerbe nicht durchkam.» In einer Krise sei es wichtig, Politik zu machen für diejenigen, die es am meisten brauchen. «Und dabei sollen diejenigen mithelfen, denen es gut geht», wirft Rytz in die Runde.

Ob absichtlich oder nicht – nach Rytz’ Statement gegen Sendungsende, bleibt dem einen oder der anderen wohl unweigerlich ein alter Mani Matter-Song im Ohr hängen.

Dene wos guet geit, giengs besser
Giengs dene besser wos weniger guet geit
Was aber nid geit, ohni dass's dene
Weniger guet geit wos guet geit

Drum geit weni, für dass es dene
Besser geit wos weniger guet geit
Und drum geits o dene nid besser
Wos guet geit.

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