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Lachende Ratten – warum mit dem Lachen nicht nur zu spassen ist

(Illustration Pascal Staub)

In der wöchentlichen Rubrik «Hauptsache, gesund» werfen die Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin, Gesundheit, Ernährung und Fitness.

«Da lachen ja die Hühner», pflegten wir in jungen Jahren zu sagen, wenn etwas erzählt wurde, was besonders unglaubwürdig oder unsinnig war. Heute scheint dieser Spruch out zu sein. Bei meinen Kindern provozierte er bloss ein verständnisloses Schulterzucken.

Diese Reaktion ist insofern nachvollziehbar, als Hühner meines Wissens nicht lachen, auch wenn ihr Gegacker phonetisch daran erinnert. Doch vielleicht täusche ich mich. Denn schliesslich wusste ich auch nicht, dass Ratten lachen. Das tun sie aber, wie mir kürzlich ein sehr belesener Freund erzählte. Er bezog sich dabei auf neuere Studien in Fachzeitschriften. Ratten, die in entspanntem Zustand am Bauch gekitzelt werden, beginnen im Ultraschallbereich, also für das menschliche Ohr nicht hörbar, zu lachen. Die neuronalen Mechanismen scheinen dabei die gleichen zu sein wie beim Menschen. Das Endergebnis ist Wohlbefinden, das durch die Ausschüttung körpereigener «Drogen», sogenannter Endorphine, vermittelt wird. Mit Humor habe das Ganze nichts zu tun. Es handle sich primär um ein soziales Phänomen.

Teilnehmer eines Lachseminars.

Teilnehmer eines Lachseminars.

Imago

Ob und inwiefern Lachen der Rattengesundheit förderlich ist, war nicht Thema unseres Gesprächs. Als gesichert gelten kann aber, dass sich Lachen günstig auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Die Gelotologie, die Wissenschaft vom Lachen, liefert reichlich Belege dafür, auch wenn die Qualität der zugrunde liegenden Studien oft zu wünschen übrig lässt. Therapeutisch genutztes Lachen kann Depressionen und Angststörungen verringern, die Schlafqualität verbessern und das Immunsystem positiv beeinflussen.

So verringert Lachen offenbar die Produktion von sogenannten inflammatorischen Zytokinen. Diese Proteine spielen bei Entzündungen, wie sie etwa bei rheumatischen Erkrankungen auftreten, eine wichtige Rolle. Über die immunvermittelte Senkung des Zuckerspiegels von Diabetikern durch Lachen wird ebenso berichtet wie über die Verbesserung entzündlicher Hauterkrankungen. Letztere besserten sich aber auch bei Personen, die durch das Anschauen eines emotionalisierenden Films zu Tränen gerührt wurden. Getestet wurde dies an 60 Probanden, die sich sowohl das Hollywood-Drama «Kramer gegen Kramer» als auch den Wetterbericht anschauten. Nur Hollywood erwies sich als wirksam.

Allerdings ist eine wirksame Lachtherapie nicht auf Emotionen angewiesen. Zumindest gilt dies, wenn man sich auf eine im letzten Jahr publizierte Übersichtsarbeit abstützt. Gemäss dieser Studie ist simuliertes Lachen sogar effektiver als spontanes. Mit anderen Worten: In einem therapeutischen Setting ohne spezifischen Reiz einfach mechanisch zu lachen, ist wirksamer als zu lachen, weil man etwas lustig findet. Für Depressive eine gute Nachricht, dürfte ihnen doch spontanes Lachen ohnehin schwerfallen. Gerade diese Gruppe kann laut den Autoren von einer Lachtherapie profitieren.

Was wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Tatsächlich werden verschiedentlich Risiken des therapeutischen Lachens aufgelistet, darunter Herzstolpern mit Bewusstlosigkeit, Risse der Speiseröhre, Bauchwandbrüche, Asthmaanfälle, Kieferverrenkungen und die Verbreitung von Infektionskrankheiten. Mit dem Lachen ist also nicht nur zu spassen.

Bereits erschienene Texte der Rubrik «Hauptsache, gesund» finden sich hier.

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