Switzerland

Kritisiert Kasami hier etwa CC?: «Ich bin nicht derjenige, der Spieler rekrutiert»

Mensch 1: Pajtim Kasami. Nicht immer waren die Leistungen des Zürchers in dieser Saison gut. Am Donnerstag gibt er sich ein, versucht etwas, schliesst ab, geht voran. Doch Luzern-Keeper Marius Müller, der eine Toppartie abliefert, hat was gegen ein Kasami-Tor und fliegt rechtzeitig gen Lattenkreuz. Sion verliert Sion. Zum 13. Mal in den letzten 20 Spielen. «Es ist frustrierend! Wir haben einen guten Match geliefert, hatten vier, fünf Chancen. Wir wurden aber nicht belohnt. Und die Tore haben wir Luzern geschenkt. Wenn man in dieser Situation ist, fällt einem alles ein bisschen schwerer. Aber es stehen noch neun Spiele aus. Da müssen wir positiv bleiben. Die Rangliste ist die Realität. Es ist schwierig. Jetzt müssen wir diese Punkte machen. Sonst wird es wirklich eng am Schluss.» Logisch, bei so wenig Qualität. Da fehlt es an allen Ecken und Enden. Kasami: «Ich bin Spieler und versuche, meine Leistung auf dem Platz zu bringen. Ich bin nicht derjenige, der die Spieler rekrutiert. Das ist der Job des Vereins.» Auch eine Variante zu sagen: Die Qualität reicht schlicht nicht.

Mensch 2: Fabio Celestini. Der Erfolgstrainer, der die heissblütigen Innerschweizer Fussballfans zum Träumen bringt – von Europa. Dabei war es für den Schweizer Fussball zuletzt immer ganz schlecht, wenn sich der FCL in der Sparte Europa-League-Qualifikation versuchen durfte. Es endete immer in einem grandiosen Debakel. Doch so weit mag der Romand nicht denken. «Ich schaue mir die Tabelle nicht an», sagt er schmunzelnd. Viel lieber redet er von seinem Team, von seinen Jungen: «Es ist unglaublich, was diese junge Mannschaft leistet. Wir dürfen nicht vergessen, wo diese Mannschaft im Dezember war. Jetzt hat man das Gefühl, alles sei einfach. Aber nichts ist einfach! Es ist Arbeit, es ist Professionalität, es ist Demut. Nochmals: Diese Mannschaft ist unglaublich!» Und jetzt hat der Waadtländer Coach diesen FCL zum besten Team des Jahres gemacht. «Allerdings ist es nicht einfach. St. Gallen hat einen Super-Rhythmus. Aber wir sind die beste Mannschaft der dritten Runde und wollen so weitermachen.»

Mensch 3: Gelson Fernandes: Der Bub aus Sitten, der als Duracell-Männchen mit Puncher-Qualitäten eine derart grosse Karriere gemacht hat, die in Sion seinen Ursprung hatte, besprach die Niederlage zuerst mit Generaldirektor Marco Degennero und munterte dann Kevin Fickentscher auf, den Goalie, der wie fast immer in den letzten Monaten sackstark hielt. «Hätte ich zwanzig Fickentschers im Team – wir stünden nicht, wo wir derzeit stehen», sagte Präsident Christian Constantin früh in dieser Woche. Der eben zurückgetretene Gelson – eine Frohnatur vor dem Herrn –, bei dem die Eltern offenbar vergessen hatten, eine Portion Trübsal-Blasen in den Kinderwagen zu legen, versprühte Lebensfreude. Er spricht von seinem Trainer Adi Hütter. Wie der die Eintracht-Krise gemeistert hat, ohne dass man ihm anmerkte, wie gewaltig der Druck war, unter dem auch Sportchef Fredi Bobic stand. «Ein grosser Trainer. Seine Erfolge sind kein Zufall», sagt Gelson. Die gemeisterte SGE-Krise soll ein Vorbild sein für den FC Sion, es den Hessen gleichzutun. Übrigens: Kaum hat Fernandes als aktiver Fussballer aufgehört, wirkt der bestens gekleidete Gelson – Sommer-Sakko über modischem Kaschmir-Pulli – wie ein Manager. In Sion müsste er den Krisenmanager geben. Er wird sich hüten, das zu tun.

Mensch 4: Kevin Fickentscher. Er ist der Mann, den Gelson zu trösten versucht. Der Waadtländer ist assimilierter Walliser. Von der NZZ in totaler Verkennung von Lage und Leistungen zu einem Problemfall empor stilisiert, liefert er in Tat und Wahrheit seit Monaten überragende Leistungen ab. «Er ist sogar seit Jahren ein überdurchschnittlicher Goalie», sagt Gelson. Fickentscher selber sagt … nichts. Und das nicht nur, weil es neben Gelson schwierig ist, zu Wort zu kommen, wenn der mal loslässt. Man spürt es: Die Niederlage nagt immer noch am Keeper. Er nimmt sie persönlich. Er weiss: Vielleicht ist Sion nicht mehr lange in der Super League. Es wäre für Fickentscher eine persönliche Katastrophe. Sie scheint nah. Sehr nah.

PS. Im Schatten all dieser Menschen verrichtet der Platzwart im Tourbillon seinen Job wie eh und je. Genauer: Seit 2004. Es ist der Vater von Gelson. Und er wird seinen Job mit der genau gleichen Akribie verrichten, wenn hier Chiasso und Kriens und nicht mehr YB und Basel zu Gast sind.

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