Switzerland

Kritik an Argumentation: War das BAG bei den Masken nicht ehrlich?

Seit Wochen verteidigt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seinen Appell: Gesunde Personen sollten in der Öffentlichkeit keine Hygienemasken tragen, da diese keinen effektiven Schutz bieten würden. Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, warnte wiederholt vor einem falschen Sicherheitsgefühl durch Masken. Diese könnten dazu führen, dass man die Hände weniger wasche, sich vielleicht mehr an die Maske und ins Gesicht fasse und die Distanz nicht einhalte.

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Diese Argumentation ist umstritten, da beim Coronavirus nicht alle Infizierten überhaupt Symptome entwickeln. Masken verhindern aber, dass sie Tröpfchen in die Luft husten und weitere Leute anstecken. Elaine Shuo Feng, Epidemiologin an der Universität Oxford, geht davon aus, dass Regierungen vor allem aufgrund des eingeschränkten Angebots an Masken von deren Tragen abrieten, wie sie in der Fachzeitschrift «Science» erklärte. Nun gilt in Österreich ab Mittwoch im Kampf gegen weitere Ansteckungen mit dem Coronavirus eine Maskenpflicht beim Einkaufen.

«Zu wenig transparent kommuniziert»

Weil das BAG damit argumentierte, die Masken würden eine falsche Sicherheit vermitteln, fühlen sich Schweizer Politiker vom BAG verschaukelt. «Das BAG hat zu wenig transparent kommuniziert», kritisiert etwa Grünen-Nationalrat Bastien Girod. Da die Masken ein knappes Gut seien, habe das BAG vor allem strategisch kommuniziert. «Es ist aber klar, dass es auch sinnvoll ist, wenn gesunde Personen Masken tragen.» Hätten Masken keinen Nutzen, würde auch das Spitalpersonal darauf verzichten.

Auch der SVP-Nationalrat und Gesundheitspolitiker Andreas Glarner sagt: «Meine erste Überlegung war von Anfang an, dass diese Empfehlung deshalb herausgegeben wird, weil wir gar nicht genügend Masken haben.» Hier habe die Schweiz klar ihre Hausaufgaben nicht gemacht: «Die Pflichtlager waren für eine solche Situation nicht ausreichend mit medizinischem Material gefüllt.»

«Schutz wäre nicht viel grösser»

Keine Kritik übt SP-Nationalrat und Hausarzt Angelo Barrile. «Würden alle Menschen in der Öffentlichkeit Masken tragen, wäre der Schutz wahrscheinlich nicht viel grösser», sagt er. Wichtiger sei aktuell, dass genügend Masken für das Gesundheitspersonal vorhanden seien, da die Menschen dort einer grossen Ansteckungsgefahr ausgesetzt seien. Doch genügend schützen könne sich das Personal nach wie vor kaum. «Die Maske, die man nach zwei Stunden wechseln sollte, muss ich in der Praxis zurzeit einen Tag lang tragen.»

Auf die umstrittene BAG-Haltung angesprochen, betonte Daniel Koch an der Medienkonferenz vom Montag, dass Masken für das Personal in Spitälern, der Spitex, in Arztpraxen und Pflegeheimen reserviert sein müssten. «Im Moment hat der Bund genügend Masken. Der Verbrauch ist aber auch sehr hoch.» Täglich würden mehrere Millionen gebraucht.

Nach wie vor gibt es laut Koch keine gesicherte Evidenz, dass das Maskentragen in der Öffentlichkeit wirklich einen grösseren Schutzfaktor darstellt. «Wenn man eine Massnahme zugunsten einer Maskenempfehlung fallen lassen würde, müsste man genau wissen, dass die Maske den gleichen Schutzfaktor wie die übrigen Empfehlungen erreicht.» Undenkbar ist eine Maskenpflicht in der Schweiz aber nicht. Ob eine Maskenpflicht vorgesehen werde, hänge auch davon ab, ob genügend Masken vorhanden seien, sagte Koch. «Wir werden das im Detail noch diskutieren.»

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