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Krebs: Kombinationstherapie gegen Leberzellkarzinom vor Zulassung

Bei etwa einem Drittel der an Leberzellenkarzinom Erkrankten ist zum Zeitpunkt der Diagnose keine potenziell heilende Operation möglich. Die schlechten Behandlungsmöglichkeiten soll jetzt eine Kombination von Krebs-Immuntherapie und der Hemmung der Gefässneubildung im Tumor verbessern, erklärte Hepatologe Markus Peck-Radosavljevic (Klinikum Klagenfurt) gegenüber der Nachrichtenagentur APA: Bevacizumab hemmt die Angiogenese (Gefässwachstum), Atezolizumab macht Tumore wieder angreifbar durch das Immunsystem.

Die neue medikamentöse Therapieform des Basler Pharmakonzerns Roche sorgt unter Fachleuten seit Monaten für Aufmerksamkeit. Jetzt steht sie offenbar in der EU unmittelbar vor der Zulassung durch die Arzneimittelbehörde EMA. Die Daten der Zulassungsstudie (Phase III) wurden erstmals beim ESMO Asia-Kongress Ende vergangenen Jahres vorgestellt. Die Studie war bereits nach der ersten Zwischenauswertung abgebrochen worden, da ihre Ergebnisse signifikant waren. Im Frühjahr dieses Jahres ist sie im New England Journal of Medicine publiziert worden.

Vor allem bei Patienten mit grossen inoperablen Tumoren und Metastasen ausserhalb der Leber wurde und wird intensiv nach besseren medikamentösen Therapieformen geforscht. «85 Prozent der Patienten haben zugleich eine Leberzirrhose. Deren Ursache liegt zumeist in einer chronischen Hepatitis C, einer chronischen Hepatitis B oder sie ist alkoholbedingt. Diese Patienten sind sehr schwer zu behandeln», erklärte Peck-Radosavljevic.

Bisher war vor allem der Tyrosinkinase-Hemmer Sorafenib das Mittel der Wahl. Dagegen lancierte Roche eine neue Kombi-Behandlung: Der bereits bei mehreren Karzinomerkrankungen eingesetzte Angiogenesehemmer Bevacizumab plus das Immuntherapeutikum Atezolizumab, beides monoklonale Antikörper.

In die Wirksamkeits- und Verträglichkeitsstudie (IMbrave150) wurden 501 Patienten aufgenommen. Zwei Drittel davon erhielten die Kombinationstherapie (Bevacizumab/Atezolizumab), ein Drittel Sorafenib. Dies erfolgte bis zum Eintreten nicht akzeptabler Nebenwirkungen oder bis zum Verlust der Wirkung. Bei der Erstauswertung, die zum Abbruch der Untersuchung führte, zeigten die Patienten unter der neuen Therapieform eine um 42 Prozent reduzierte Mortalität. Das war statistisch signifikant.

Das Gesamtüberleben nach zwölf Monaten betrug unter der Kombinationsbehandlung 76,2 Prozent, bei Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Hemmer 54,6 Prozent. Das mittlere progressionsfreie Überleben (PFS; Überleben ohne Fortschreiten der Erkrankung) erhöhte sich unter der neuen Therapie im Vergleich zur alten von 4,3 auf 6,8 Monate.

Weitere Auswertungen in nächster Zukunft dürften den Trend aller Voraussicht nach noch zusätzlich und längerfristig untermauern, betonte der Hepatologe. Man hätte auch weniger Nebenwirkungen beobachtet.

Noch nicht geklärt ist, welche Therapie man Patienten anbieten sollte, die auf die Kombinationstherapie nicht oder nicht mehr ansprechen. Dazu sind weitere Untersuchungen notwendig. Möglich ist laut dem Experten auch, dass sich der Kreis der Patienten, für welche die neue Therapieform infrage kommt, noch erweitert: Ein hoher Prozentsatz von zunächst wegen eines Leberzellkarzinoms Operierter hat innerhalb von fünf Jahren einen Rückfall.

*Fachpublikationsnummer der Studie vom Mai 2020 DOI: 10.1056/NEJMoa1915745

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