Switzerland

Kopf der Woche: Wu Tsang: Sie lebt das Dazwischen

Ihr neues Projekt ist «Moby Dick». Die Performance-Künstlerin Wu Tsang probt am Schauspielhaus die Begegnung mit dem Anderssein.

Sehr angesagt in der Kunstszene: Wu Tsang, Hausregisseurin am Schauspielhaus Zürich.

Sehr angesagt in der Kunstszene: Wu Tsang, Hausregisseurin am Schauspielhaus Zürich.

Foto: Blommers-Schumm


Auf die Finger der einen Hand hat sie «Wildness» tätowieren lassen. «Honesty» lässt sich auf der anderen lesen. Das ist aber nur eine Ferndiagnose. Denn in direkten Kontakt kommen wir mit Wu Tsang nicht. Die Hausregisseurin des Zürcher Schauspielhauses hat sich im Moment sehr zurückgezogen. Es sind nicht die besten Zeiten für ein Zusammentreffen.

Und doch: Vertraut ist sie uns geworden. Wir haben auf Youtube ihre Filme geschaut. Uns die Gespräche angehört, in denen sie über ihre Arbeit redet. Immer noch bester Erinnerung ist Wu Tsangs erste Arbeit «Composition 1» im Februar 2020 für das Schauspielhaus: Sie rockte damit die Probebühne im Zürcher Zeughaus und eroberte neues Terrain. Nie war das Publikum diverser. Und die Atmosphäre farbiger.

Wir wissen auch, was Wu Tsang im Augenblick macht. Sie hat uns ihre Lektüre gezeigt: Neben «Undrowned» von Alexis Pauline Gumbs – eine Ode der schwarzen Feministin auf das Meeresgetier – auch C. L. R. James’ Studie «Mariners, Renegades & Castaways» – Herman Melville erscheint da ganz gegenwärtig als Kapitalismuskritiker. Alles eine Vorbereitung zu ihrem neuen Schauspielhaus-Projekt: «Moby Dick». Man merkt: Da entsteht etwas sehr Spezielles.

«Es ist nicht unbedingt so, dass ich als Künstlerin eine Lösung parat habe.»

Wu Tsang

Eigentlich hätte es ja «Orpheus» sein sollen. Ein Stück über den Mythos vom Künstler in der Underground-Szene. Nun ist es die Geschichte über Kapitän Ahab und seinen Kampf mit einem weissen Pottwal geworden. Auch hier geht es um die Begegnung mit dem Anderssein. Und um Abgründe. «Moby Dick» enthalte einen ganzen Container von Vorstellungen, sagt Wu Tsang. Sie weiss ganz genau, was sie mit diesem Projekt will.

In einem Interview hat sie gesagt: «Es ist nicht unbedingt so, dass ich als Künstlerin eine Lösung parat habe. Es geht eher darum, gemeinsam mit meinen Kollaborateuren Wege zu finden, Geschichten zu erzählen, die sie als wahr empfinden. Und wenn man ihre Wahrheiten in Beziehung zueinander setzt, wird das eine hoch komplexe Erfahrung.»

Erste Überraschung: «Moby Dick» ist ein Film, Premierentermin ist März 2022 im Pfauen. Zweite Überraschung: Mit im Spiel ist das Zürcher Kammerorchester, es begleitet die Vorstellungen live. Drittens: Das Publikum kann schon zu Beginn von Wu Tsangs Arbeit mit der Gruppe von Darstellerinnen und Darstellern dabei sein. Die erste Tischlesung ist öffentlich – auf Zoom natürlich.

Gedicht in Bewegung

Work in Progress, das ist eine Spezialität der amerikanischen Filmemacherin und Performance-Künstlerin, geboren 1982 in Worcester, Massachusetts. Das hat sie letztes Jahr in ihrer Serie von «Compositions»-Arbeiten für das Schauspielhaus gezeigt. Die Arbeit ging in alle Richtungen. Reagierte auf jede Veränderung. War eine Performance. Ein Konzert. Ein Film. Ein Gedicht in Bewegung. Alles in allem ein Versuch, die Grenzen zu überwinden. Warum sollte also das Theater für «Moby Dick» nicht auch ein Kino sein können? Oder irgendetwas dazwischen?

Da sind wir schon bei ihrem Lieblingsort. «In-betweenness» nennt Wu Tsang dieses Terrain, wo alles möglich ist und nichts eine feste Grenze hat. Zwischen den Kulturen ist sie aufgewachsen. Ihre Mutter ist Amerikanerin mit schwedischen Wurzeln. Ihr Vater ein immigrierter Chinese.

Im Dazwischen begann auch ihre Karriere. In einer queeren Latino-Bar in Los Angeles organisierte Wu Tsang einst jede Woche einen Partyabend, zusammen mit einem Kollektiv von DJs, Künstlerinnen und Tänzern. Sie ist dann ins Gespräch mit den Gästen gekommen. Und hat begonnen, die Menschen, die in dieser Bar verkehrten, mit der Kamera zu begleiten. Entstanden ist der Film «Wildness» (2012), ein Porträt der queeren Szene, Dokument und Fiktion zugleich.

Manchmal bleibt vieles dunkel: Szenenbild aus Wu Tsangs «Compositions»-Serie.

Manchmal bleibt vieles dunkel: Szenenbild aus Wu Tsangs «Compositions»-Serie.

Foto: Diana Pfammatter

Von nun an war Wu Tsang ständig unterwegs. Sie machte Ausstellungen an sehr angesagten Orten: vom Moma in New York bis zur Londoner Tate Modern. Einladungen kamen aus Berlin, Paris, Hongkong, Shanghai. Überall war Wu Tsang präsent. Und zwar nicht allein, sondern mit ihrer «umherziehenden Band» von interdisziplinären Künstlerinnen und Künstlern.

Einige von ihnen sind mit ihr nach Zürich gezogen, um Teil des Ensembles des Schauspielhauses zu werden und ihre Zeit als Hausregisseurin zu begleiten: Performancekünstlerin Tosh Basco (auch als Boychild bekannt), DJ Ashma Maroof, Tänzer Josh Johnson.

Und es scheint, dass Zürich jetzt für Wu Tsang so etwas wie ein Lieblingsort geworden ist. Denn endlich ist die Zeit des Unterwegsseins vorbei. Hier kann sie über längere Zeit mit den anderen an einem Projekt arbeiten. Wie an «Moby Dick».

Zoom-Lesung «Moby Dick», Do 4.3., 20 Uhr schauspielhaus.ch

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