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Konzert in Solothurn: Metal-Sänger springt von Balkon in Zuschauermenge

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Der Sänger einer englischen Metalcore-Band wagte bei einem Konzert im Solothurner Kofmehl einen Stagedive vom Balkon. Solche Aktionen endeten schon tragisch – auch im Kofmehl.

Die britische Metalcore-Band While She Sleeps gastierte am Dienstagabend in der Solothurner Kulturfabrik Kofmehl. Gegen Ende des Konzerts kletterte Sänger Lawrence «Loz» Taylor auf den Balkon und stürzte sich in die Zuschauermenge. Ein Besucher hielt die Aktion auf Video fest. «Ein solcher Sprung ist nicht gerade alltäglich», sagt der Leser-Reporter, der regelmässig an Metal-Konzerte geht. Der Balkon sei immerhin drei bis vier Meter hoch und in der Regel würden die Protagonisten lediglich von der Bühne aus springen.

Angst um den Sänger habe er aber nicht gehabt, sagt der Leser. Taylor habe den Sprung gut vorbereitet und die Menge unter sich versammelt. «So wurde er gut abgefedert.»

Tote und Verletzte

Doch nicht immer verlaufen Stagediving-Aktionen glimpflich. Manche enden sogar tödlich – so auch im Kofmehl im Januar 2014: An einem Konzertabend mit mehreren Hardcore-Bands verletzte sich ein 28-jähriger Besucher beim Sprung von der Bühne so schwer, dass er später im Spital seinen Verletzungen erlag.

Daneben kommt es immer wieder zu mehr oder weniger schweren Verletzungen: Der Sänger der kalifornischen Metal-Band Decrepit Birth brach sich im Oktober 2018 den Oberschenkelknochen, nachdem er bei einem Konzert nicht aufgefangen worden war. Der Schlagzeuger der australischen Punk-Band Frenzal Rhomb erlitt im Juli 2015 beim Sprung ins Publikum einen Armbruch. Im November 2013 stürzte sich der amerikanische Rapper George Watsky bei einem Auftritt von den 12 Meter hohen Lichttraversen und verletzte dabei sich selbst und zwei Konzertbesucher.


Rapper George Watsky stürzte sich aus 12 Metern in die Zuschauermenge.

«Sprung vom Balkon noch nie erlebt»

Die Kofmehl-Betreiber stehen dem Stagediving denn auch zwiespältig gegenüber. «Wir sind uns der damit verbundenen Gefahren bewusst und unterstützen das Stagediving in unserem Lokal nicht», sagt Programmleiter Patrick Juchli. Andererseits seien die Sprünge von der Bühne fest in der Metal-Kultur verankert und gehörten zur «künstlerischen Freiheit» der Bands. «Als Veranstalter sind einem da ein wenig die Hände gebunden», so Juchli.

Von Taylors Sprung vom Balkon war auch der Booking- und Programmchef überrascht. Herkömmliche Stagedives habe es zwar im Kofmehl schon ab und an gegeben. «Dass ein Sänger vom Balkon gesprungen ist, habe ich aber noch nie erlebt», sagt Juchli. Derartige Show-Elemente seien in aller Regel nicht mit den Organisatoren abgesprochen.

Nach dem tragischen Unglück von 2014 habe man im Kofmehl begonnen, die Konzertgänger stärker auf die Gefahren des Stagedivings zu sensibilisieren, sagt Ruchli. Aufgestellte Schilder im Lokal würden von den Sprüngen abraten. Allerdings sei es für die Besucher heute ohnehin praktisch unmöglich, auf die Bühne zu gelangen. Juchli: «Die Schutzplanken und das Sicherheitspersonal hindern sie daran.»

(sul)

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