Switzerland

Koch-Nachfolger Stefan Kuster tritt auf eigenen Wunsch zurück

(dpo) Kaum hat Stefan Kuster die Nachfolge von «Mister Corona» Daniel Koch angetreten, geht er bereits wieder. Auf eigenen Wunsch tritt er als Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) spätestens ab 1. Dezember 2020 zurück. Ein BAG-Sprecher bestätigte am Mittwoch auf Anfrage von CH Media einen entsprechenden Bericht von «Blick.ch».

Kuster wird aber weiterhin für das BAG tätig sein, wenn auch auf Mandatsbasis. Er werde sich in Zukunft auf die «epidemiologischen Aspekte der Krisenbewältigung konzentrieren», heisst es in einer Stellungnahme. Weitere Details zu den genauen Gründen von Kusters Rücktritt waren darin nicht zu entnehmen.

Gemäss «Blick.ch» hat sich Kuster aus privaten Gründen entschlossen, sein Amt niederzulegen. Er habe die Stelle im April unter anderen Voraussetzungen angetreten. Bevor der Vater von zwei Kindern die Leitung der Abteilung Übertragbare Krankheiten übernahm, arbeitete er als Leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.

Zu grosse Fussstapfen?

Was auch immer die Gründe für seinen Rücktritt sind, eines steht fest: Stefan Kuster musste bei seinem Amtsantritt in grosse Fussstapfen treten – vielleicht zu grosse. Obwohl die Kritik an seinem Vorgänger Daniel Koch mittlerweile lauter geworden ist – Stichwort Maskendiskussion – bleibt er in den Augen vieler Menschen immer noch der unumstrittene «Mister Corona». Der gmögige Berner mit der markanten Glatze war auf dem Höhepunkt der Coronapandemie im März ein Ruhepol und avancierte in Bundesbern zum heimlichen Medienstar. Der Nachfolger von Daniel Koch hatte also von Beginn weg einen schwierigen Stand.

Doch Stefan Kuster hat auch selber dazu beigetragen, dass er in der Öffentlichkeit nie ganz als «Mister Corona» wahrgenommen wurde. So ist er einige Male mit seiner offensiven Kommunikation vor den Medien ins Fettnäpfchen getreten. Etwa als er im August den ersten Corona-Todesfall einer Person aus der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen bestätigte. «Das Virus macht keinen Halt vor jungen Personen», sagte er dazumal. Gleichentags musste das BAG zurückkrebsen, der Todesfall war eine Falschmeldung.

Bereits im Juli hatte Kuster mit seinen Aussagen zu einer rückwirkend geltenden Quarantänepflicht für Verwirrung gesorgt. Kurz darauf musste das Bundesamt für Gesundheit die Angaben des eigenen Experten korrigieren.

Wer übernimmt die Nachfolge?

Wer nach Kusters Rücktritt die Leitung der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG übernimmt, ist zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich noch nicht bekannt. Laut «Blick.ch» sei geplant, dass Patrick Mathys, Leiter der Abteilung Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit, und Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle, vermehrt die Rolle Kusters übernähmen. Fragen zur Nachfolge von Stefan Kuster liess der BAG-Sprecher unbeantwortet.

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