Switzerland

Kandidatur als SP-Chefin: «Die Leute fühlten sich nicht ernst genommen»

Mit Mattea Meyer steht eine junge Frau bereit, um die SP zusammen mit Cédric Wermuth zurück zum Erfolg zu führen. Warum wollen Sie dem Jungtalent vor der Sonne stehen?
Eine Kandidatur steht allen offen – es geht nicht darum, jemandem vor der Sonne zu stehen. Wichtig ist, dass die Spitze breit abgestützt ist. Ich kandidiere gemeinsam mit Mathias Reynard, der gleich jung ist wie Cédric Wermuth. Wir decken also die Vielfalt der Partei ab – auch beim Alter. Und Lebenserfahrung ist auch kein Nachteil.

Meyer und Cédric Wermuth sind eng befreundet. Ist das ein Problem für die Parteiführung?
Es kann ein Vor- und ein Nachteil sein. Beide Wege sind gangbar. Aber um gemeinsam eine Partei zu führen, muss man nicht unbedingt beste Freunde sein.

Wie unterscheiden Sie sich vom Duo Wermuth/Meyer?
Unterschiede gibts zum Beispiel in der Wirtschaftspolitik. Die Überwindung des Kapitalismus ist für mich eine Vision, die okay ist. Aber sie ist nicht morgen oder übermorgen erreichbar.

Die SP fuhr bei den Wahlen das schlechteste Resultat der Geschichte in. Die schärfste Konkurrenz sind derzeit die Grünen. Was wollen Sie gegen die Grünen tun?
Es stimmt, die SP war schon besser zwäg. Es ist also kein schlechter Zeitpunkt, die SP wieder in bessere Gefilde zu führen. Auch ich sehe im Klimawandel die Herausforderung Nummer eins. Eine wiedererstarkte SP kann hier zusammen mit den Grünen als Partner viel bewegen. Wir haben nicht auf die falschen Themen gesetzt, wir müssen die Leute aber wieder besser erreichen, indem wir ihre Sprache sprechen.

Woran ist der scheidende SP-Präsident Christian Levrat gescheitert?
Christian Levrat hat die Partei sehr gut geführt: Niemand ist strategisch und taktisch geschickter als er. Gescheitert sind wir an der grünen Welle, auch wenn das nicht fair ist aus meiner Sicht. Zudem waren wir für viele Leute nicht mehr nahbar, sie haben sich nicht ernst genommen gefühlt. Wir haben teilweise zu abgehoben argumentiert und Themen nicht angesprochen, die den Leuten unter den Nägeln brennen.

Spielen Sie auf die Migration an?
Ja. Ich nehme mich hier nicht aus. Aber die SP hat das Thema zu lange tabuisiert, statt Antworten auf die Sorgen der Leute zu finden.

Sie sind diplomierte Ballettlehrerin. Können Sie die zwei Flügel der SP zu einer stimmigen Choreografie vereinen?
Dieser Flügelkampf wird herbeigeredet – in jeder Partei gibt es hin und wieder Diskussionen. Bei 95 Prozent der Themen sprechen wir mit einer Stimme. Ich scheue den inneren Diskurs nicht. Als Ballettlehrerin habe ich gelernt, an meine Grenzen zu gehen. Und ich bin sehr belastbar.

Sie müssen sich jetzt für eine Option entscheiden, damit die Leser Sie besser kennen lernen:
Simonetta Sommaruga oder Cédric Wermuth?

Sommaruga.

Sie ist eine Vertreterin des gemässigten SP-Flügels. Sie also auch?
Nein. Ich bewundere sie dafür, wie sie ihren Job als Bundesrätin macht.

Bier oder Cüpli.
Keines von beidem, aber wenn, dann eher Bier.

(daw)

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