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Kämpfe um Provinz Idlib: Die Türkei droht Syrien mit Vergeltung

Der Kampf um die letzte syrische Rebellenhochburg Idlib droht sich zu einem türkisch-syrischen Krieg auszuweiten. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat massive Vergeltungsschläge angekündigt, wenn Syrien seine Angriffe auf die in Idlib stationierten türkischen Soldaten fortsetze. So hatte er am vergangenen Mittwoch zum Beispiel gedroht, Ankara werde die syrischen Truppen überall angreifen, sollten türkische Soldaten zu Schaden kommen.

Idlib ist die letzte grosse Rebellenhochburg im Norden Syriens. Die Provinz wird von Dschihadisten mit engen Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida kontrolliert. Der syrische Machthaber Baschar al-Assad versucht, Idlib jetzt wieder unter seine Kontrolle zu bringen. In der Region droht deshalb eine humanitäre Katastrophe: Hunderttausende Zivilisten sind vor den Regierungstruppen bereits auf der Flucht.

Die Zuspitzung des Konflikts in Idlib beschwört nicht nur die Gefahr eines offenen Krieges zwischen der Türkei und Syrien herauf. Sie führt auch zu wachsenden Spannungen zwischen Ankara und Moskau. Russland ist neben dem Iran die wichtigste Schutzmacht Assads. Die Türkei dagegen unterstützt die islamistischen Rebellen im Kampf gegen die syrischen Truppen.

Wichtiger Kunde für russische Gasexporte

Bisher haben sich die Türkei und Russland im Syrienkonflikt zu arrangieren versucht, auch mit Blick auf ihre gemeinsamen Interessen in der Energie- und Rüstungspolitik: Die Türkei ist der drittgrösste ausländische Kunde des russischen Gaskonzerns Gazprom und ein Transitland für russische Gasexporte nach Europa. Ausserdem hat Erdogan russische Flugabwehrraketen bestellt. Aber jetzt stellt der von Russland mitgetragene Vormarsch der syrischen Armee auf Idlib die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau auf eine schwere Probe.

Eine türkische Delegation werde an diesem Montag nach Moskau reisen, um über das weitere Vorgehen zu beraten, sagte der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu am Wochenende an der Münchner Sicherheitskonferenz.

Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin hatten im September 2018 bei einem Treffen im Schwarzmeerort Sotschi vereinbart, in Idlib eine demilitarisierte Deeskalationszone zu schaffen. Die Türkei richtete zur Überwachung des Waffenstillstands zwölf militärische Beobachtungsposten ein. Aber entgegen der türkisch-russischen Abmachung begann das syrische Militär im Frühjahr 2019 mit dem Vormarsch auf Idlib.

Seit Anfang Februar eskalieren die Kämpfe in der Rebellenhochburg. Mindestens 14 türkische Soldaten sind diesen Monat bereits gefallen. Die Türkei antwortete mit Vergeltungsschlägen, bei denen nach Angaben aus Ankara über 100 syrische Soldaten getötet und zwei Kampfhubschrauber abgeschossen wurden. Mehrere türkische Beobachtungsposten sind bereits von syrischen Truppen umzingelt. Erdogan hat Damaskus ein Ultimatum bis Ende Februar gesetzt. Zieht Syrien bis dahin seine Soldaten nicht von den türkischen Stellungen ab, werde die Türkei «das selbst erledigen», drohte Erdogan. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte, die Streitkräfte hätte Weisung, jeden syrischen Angriff mit «gnadenloser Vergeltung» zu beantworten.

Militärpräsenz massiv verstärkt

Um dem Ultimatum Nachdruck zu verleihen, hat die Türkei ihre Militärpräsenz in Idlib in den vergangenen Tagen mit hunderten Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Artilleriegeschützen massiv verstärkt. Die Türkei wirft Russland vor, es unterstütze die syrischen Truppen bei der Offensive und verletze damit die Vereinbarung von Sotschi.

Russland beschuldigt seinerseits die Türkei, sie breche das Abkommen, weil sie in Idlib weiterhin mit Al-Kaida-Dschihadisten und ehemaligen Kämpfern des IS-Terrornetzwerks zusammenarbeite. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Wochenende, diese Terroristen würden in Idlib Angriffe auf die syrische Armee und die russischen Militärbasen verüben, obwohl sich die Türkei im Sotschi-Abkommen verpflichtet habe, sie zu entwaffnen.

Die türkisch-syrische Konfrontation in Idlib eskaliert auch verbal. Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay warnte am Samstag im Fernsehen, die Türkei werde «keine Grenzen kennen», wenn es weitere Angriffe auf ihre Soldaten gebe. Vergangene Woche forderte Erdogans Koalitionspartner Devlet Bahceli, Chef der ultra-nationalistischen Partei MHP, die Türkei müsse nun die syrische Hauptstadt Damaskus erobern. «Lasst uns Syrien niederbrennen, lasst uns Idlib zerstören», rief Bahceli vor Abgeordneten seiner Parlamentsfraktion.

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