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Kampf für die Zetzwiler Bibliothek – «man muss einen anderen Weg begehen»

Anfang Dezember, als Sarah Götti mit ihren beiden Kindern die Zetzwiler Bibliothek besuchte, erfuhr sie, dass diese auf Ende Jahr schliessen werde und die drei Teilzeitangestellten entlassen würden. Weil die Familienmutter dieses Angebot der Wynentaler Gemeinde schätzt, fragte sie auf der Gemeindeverwaltung nach, ob dieser Entscheid nicht noch abzuwenden sei.

Bereits vor der Gemeindeversammlung Ende November hatten sich Bewohner mit 137 Unterschriften gegen die Schliessung gewehrt. Doch im Zusammenhang mit der Budgetabstimmung 2021 unterlag der Antrag mit 45:36 Stimmen. Gemeindeschreiberin Patrizia Salm wies Sarah Götti auf die Möglichkeit eines Referendums hin. Dazu braucht es in Zetzwil Unterschriften von einem Fünftel aller Stimmberechtigten.

Götti ergriff daraufhin die Initiative mit ihrer Schwester Andrea Hauser und weiteren Personen aus ihrem Umfeld. Auch die ursprünglichen Initiantinnen leisteten zum Erhalt der vor 65 Jahren gegründeten Bibliothek Unterstützung. So kamen über die Festtage 269 Unterschriften zusammen. Davon erklärte die Gemeindeverwaltung 251 als gültig, was mehr als einem Viertel aller Stimmberechtigten entspricht.

«Fast alle angefragten haben unterschreiben»

«Fast alle Leute, die wir anfragten, haben unterschrieben», erzählt Andrea Hauser. «Männer und Frauen, ob alt oder jung, wollen die Zetzwiler Bibliothek erhalten und freuen sich über unser Engagement.» Aber warum engagieren sich denn die beiden Frauen so beherzt für die kleine Bibliothek. «Hier finde ich gute Bücher für die Kinder. Für uns ist dies eine wertvolle Familienaktivität», erklärt Sarah Götti, und Andrea Hauser ergänzt, dass eine Bibliothek Teil der Dorfkultur sei. «Wir haben bei unserer Unterschriftensammlung auch das Bewusstsein für diese Dienstleistung der Gemeinde geweckt.»

Gemeindeammann Daniel Heggli macht geltend, dass die öffentliche Bibliothek bei Ausgaben von 8000 Franken für Lohnkosten und Bücher nur knapp 400 Franken pro Jahr eingenommen habe. «Wir haben mit Einsparungen von rund 170'000 Franken gegenüber dem ursprünglichen Budget eine dreiprozentige Steuererhöhung verhindert», verweist Heggli auf den Zusammenhang mit der angespannten Finanzsituation von Zetzwil.

Auch für Erwachsene ohne schulpflichtige Kinder

Andrea Hauser widerspricht diesem Vorgehen. «Man muss doch in dieser Situation einen anderen Weg begehen und versuchen, für den Nettoaufwand von 7600 Franken einen besseren Nutzen zu erreichen, statt einfach eine Dienstleistung für die Öffentlichkeit streichen.» Sarah Götti wünscht sich, dass Ideen, wie einst ein Spielnachmittag für Kinder, wieder aufgenommen werden sollten. «So könnte ein Mehrwert geschaffen werden.»

Gemeindeammann Heggli bedauert, dass die beiden Initiantinnen des Referendums nicht den Weg über die Schule gewählt haben. «Wenn die beiden Frauen mit der Schule gesprochen hätten, wäre ein anderer Weg möglich gewesen, denn der Gemeinderat hat erst jetzt erfahren, dass mit den vorhandenen Spielsachen auch der Kindergarten betroffen ist.» Andrea Hauser ist aber wichtig, dass die Bibliothek auch für Erwachsene ohne schulpflichtige Kinder erhalten bleibt. «Diese werden bei einer Lösung nur für die Schule ausgeschlossen.»

«Die Dorfgemeinschaft fördern»

Auch für Sarah Götti geht’s mehr als «nur» um das Angebot für Kinder. «Mit der Bibliothek kann die Dorfgemeinschaft gefördert werden. Dazu bietet Zetzwil mit der Bibliothek etwas für Familien an.» Die Geschwister sind deshalb nicht einverstanden, dass die Gemeinde bei einem Gesamtbudget von 5 Millionen Franken mit der Schliessung der öffentlichen Bibliothek 7600 Franken spart. «Aus unserer Sicht ist dies ein lachhaft kleiner Betrag, der diese Massnahme nicht rechtfertigt.» Wenn die Gemeinde das Angebot der Bibliothek besser publizierte, würde die Benützung zunehmen, glaubt Andrea Hauser.

Vor der Abstimmung wird ein Flyer lanciert

Die Abstimmung über das Budget-Referendum ist für den 7.März zusammen mit der nationalen Abstimmung vorgesehen. Die Initiantinnen planen, einen Flyer zur Information der Bevölkerung herauszugeben. Ihr grosses Ziel: ein Nein zum Budget an der Urne. Bei einer Ablehnung des Gemeindebudgets 2021 erwägt der Zetzwiler Gemeinderat eine ausserordentliche Gemeindeversammlung Ende April.

Ammann Daniel Heggli sagt dazu: «Ideal wäre, wenn wir die hängige Nutzungsplanung auch behandeln könnten. Sonst würden wir das bereinigte Budget an der ordentlichen Gemeindeversammlung am 3.Juni verabschieden.»

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