Switzerland

Kajakfahrer stürzt sich 40-Meter-Wasserfall hinunter

Für Dane Jackson sind Wasserfälle das, was Berge für Kletterer sind: Orte mit einer ganz speziellen Anziehungskraft. Orte, die bezwungen werden wollen. Orte des Adrenalins. Der kleine Unterschied: Die Bergsteiger wollen von unten nach oben, die Kajakfahrer von oben nach unten.

Weil er das Kajak bei der Landung verlässt, kann der Versuch offiziell nicht gewertet werden. Die genaue Messung nach dem Manöver ergibt aber eine Höhe von 134 Fuss, fast 41 Meter also. Es ist der zweithöchste je befahrene Wasserfall, der Weltrekord liegt bei unglaublichen 57,6 Metern.

Das Abenteuer am Salto del Maule ist nur eine Episode in Jacksons ereignisreichem Leben. Er wuchs zusammen mit seiner Schwester im Wohnwagen auf, die Eltern schulten die Kinder unterwegs. Dank der gewonnenen Freiheit paddelte die Familie gemeinsam auf unzähligen Flüssen.

Vater Eric ist selber nationaler Kajak-Meister und Gründer einer Kajakhersteller-Marke. Bereits im Alter von zwei Jahren setzte er Sohn Dane in sein erstes Kajak. Gestoppt werden die beiden Männer auch von ihrer starken Schwerhörigkeit nicht. Dane sagt: «Es gibt keine Nachteile, wenn man beim Kajakfahren schwerhörig ist. Das Wasser ist sowieso zu laut, und ich habe dank meiner Hörschwäche Lippenlesen gelernt.»

Jackson stürzt sich im August 2019 einen anderen Wasserfall hinunter. Video: Instagram.

Das Abenteurer-Gen hat Dane Jackson also von seinen Eltern geerbt, noch heute wohnt er die meiste Zeit im Wohnwagen. Vor einer Woche noch in Chile, weilt er mittlerweile bereits im indonesischen Jakarta, wohl auf der Jagd nach dem nächsten Wasserfall à la Salto del Maule.

Dass es nach fünfjährigem Traum mit ebendiesem Salto del Maulo doch noch klappte, hat Jackson einer neu gebauten Strasse in der Nähe zu verdanken. Zuvor war der Wasserfall schlicht zu abgelegen.

In naher Zukunft ist aber ein neues Wasserkraftwerk etwas flussaufwärts geplant. Der Fluss dürfte umgeleitet werden und der mächtige Wasserfall zu einem viel kleineren Wasserstrom werden. Gut möglich, dass Jackson in seinem pinken Kajak der einzige Mensch bleiben wird, der ihn je befuhr.

Als Jackson vor fünf Jahren zum ersten Mal ein Foto des Salto del Maule sah, verspürte er genau diese Anziehungskraft. Sie mag für den Normalsterblichen absurd klingen, aber der Kajakfahrer wollte sich diesen Wasserfall hinunterstürzen.

«Es ist einer der schönsten Wasserfälle, die ich je gesehen habe. Und er ist auch noch ziemlich hoch», sagt Jackson der «New York Times». Am 5. Februar wagt er das Wahnsinnige, inmitten dieser vulkanischen Region in Zentralchile.

«Die ersten Meter sind die wichtigsten»

Der Mann im pinken Kajak – so nennt sich Jackson auf Instagram selber – kennt die genaue Höhe des Wasserfalls vor dem Wagnis nicht. Nur, dass ihn offiziell noch nie jemand hinuntergefahren ist, weiss er. Der 26-Jährige sagt: «Es ist ein Fluss mit sehr viel Zug und Kraft. Die ersten sieben Meter im freien Fall sind die wichtigsten und entscheiden über das Gelingen. Das Ziel ist es, das Kajak möglichst senkrecht zu bekommen, dann landet man am weichsten.»

Auf dem Video sieht das alles mässig weich aus, Jackson ist nach dem Eintauchen sekundenlang nicht zu sehen aufgrund der starken Gischt. Der Amerikaner erzählt: «Ich hatte eigentlich eine sehr sanfte Landung. Doch beim Aufprall füllte sich das Kajak mit Wasser. Das ist normalerweise kein Problem, doch diesmal zog es das Kajak weg von mir und ich musste das Boot verlassen.»

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