Switzerland

Junkers-Klassiker zügelt per Heli an den Bodensee

Der Rumpf einer Ju-52 reist spektakulär von Dübendorf nach Altenrhein: Er schwebt unter einem Helikopter gen Osten.

Er hat etwas von einer Libelle, dieser Helikopter. Extrem schmal, dafür ziemlich lang. Normalerweise transportiert er schweizweit Baumstämme oder andere gewichtige Gegenstände durch die Luft. An diesem Freitag Mitte Juli ist es stattdessen eine Aviatiklegende. Unter dem Heli zügelt der Rumpf einer Ju-52 von Dübendorf an seinen neuen Standort auf dem Flughafen St. Gallen-Altenrhein.

Sorgfältig und behutsam setzt der Helikopterpilot seine wertvolle Fracht nach dem Anflug über den Bodensee vor dem Hangar C5 des Flugplatzes ab. Es handelt sich hier keineswegs um ein Museumsstück. Diese Ju-52 wird wieder fliegen und damit die einzige weltweit sein, in der zahlende Passagiere mit an Bord gehen dürfen.

So sieht eine Ju-52 aus, wenn sie selbst als Fluggepäck dient.

So sieht eine Ju-52 aus, wenn sie selbst als Fluggepäck dient.

Uwe Stohrer

Warum aber schwebt die Ju-52 mit dem Kennzeichen HB-HOS überhaupt auf diese spektakuläre Weise an den Bodensee? Die 2018 gegründete Firma Junkers Flugzeugwerke AG war bisher am Flugplatz Dübendorf als Mieter ansässig. Dann erhielt sie nach eigenen Angaben im Frühjahr die Kündigung. Unternehmenszweck ist hauptsächlich der Nachbau von historischen Junkers-F13-Flugzeugen in Kleinserie. Diese entsprechen mit ihrer charakteristischen Wellblechstruktur optisch exakt dem 1919 erstmals geflogenen Original. Das gilt als erstes serienmässiges Passagierflugzeug aus Metall. Jetzt verlässt das Unternehmen den Militärflugplatz und siedelt sich neu am Flughafen St. Gallen-Altenrhein an. Dort werden Räumlichkeiten im Flieger- und Fahrzeugmuseum (FFA), dazu im Hangar C5 wie auch im nahe gelegenen Widnau bezogen.

Die 1939 gebaute und damals fabrikneu an die Schweizer Luftwaffe ausgelieferte Ju-52 HB-HOS wird nun in Altenrhein von der Junkers Flugzeugwerke AG wieder flugfähig gemacht. Die Produktionswerkstätten für ihren Wiederaufbau stehen in Widnau. Die Wartung des Oldtimers findet hingegen im Hangar C5 des Flughafens Altenrhein statt. Der dreimotorige Klassiker ist noch nicht allzu lange im Eigentum der Junkers Flugzeugwerke AG. Deren Chef ist der deutsche Unternehmer und Luftfahrtenthusiast Dieter Morszeck. Er ist bekennender Fan der Wellblechbauweise bei Flugzeugen, selbst Pilot und der Junkers-Historie stark verbunden. Seinem Unternehmen gehört nun die HB-HOS.

Nicht viele Helikopter sind in der Lage, solch kostbares Frachtgut zu transportieren.

Nicht viele Helikopter sind in der Lage, solch kostbares Frachtgut zu transportieren.

Uwe Stohrer

Die «Tante Ju» wird in Altenrhein sowohl restauriert als auch modernisiert. An die Stelle der betagten BMW-132-Neunzylinder bekommt sie drei amerikanische R-1340-Wasp-Sternmotoren von Pratt & Whitney. Die sind einfacher zu warten, und es gibt mehr Ersatzteile im Vergleich zu den heute seltenen Triebwerken aus Bayern.

Auch im Cockpit ziehen im Zuge der Restaurierung modernere Zeiten ein. So ist künftig ein hochmodernes Antikollisions-Warnsystem mit an Bord. Zusätzlich wird ein Autopilot eingebaut, der die beiden Piloten bei der Arbeit entlastet. Ausserdem soll künftig eine sogenannte Black Box in der Ju-52 vorhanden sein, wie sie in modernen Verkehrsflugzeugen vorgeschrieben ist. Darin werden alle wichtigen Flugparameter und die Cockpitgespräche aufgezeichnet, damit man im Falle eines Unfalles mehr Informationen über mögliche Ursachen erhält. «Wir gehen damit freiwillig weit über die Anforderungen des Bazl hinaus», betont Dieter Morszeck zu dem deutlichen Plus an moderner Technik und Sicherheit in der künftigen Ju-52.

Die HB-HOS wird nach der Landung von ihren Schleppseilen befreit.

Die HB-HOS wird nach der Landung von ihren Schleppseilen befreit.

Uwe Stohrer

Nach ihrer Restaurierung könnte diese Maschine womöglich wieder der Dübendorfer Fluggesellschaft Ju-Air für den Flugbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Die Ju-Air betrieb früher bis zu vier Ju-52. Sie musste nach dem tragischen Absturz einer Maschine am Piz Segnas am 4. August 2018 aber im Herbst 2018 temporär ihren Flugbetrieb einstellen. Bei dem Unglück kamen siebzehn Passagiere und drei Crewmitglieder ums Leben. Die Airline verfügt derzeit über kein flugfähiges Exemplar einer Ju-52 mehr.

Während die Tragflächen der Ju-52 in Malters und dem deutschen Oberndorf bei der Fachfirma Kaelin Aero Technologies neu aufgebaut werden, darf der Ju-52-Rumpf materialschonender auf dem Luftweg unter einem K-Max der Rotex Helicopter AG zügeln. Der bei der amerikanischen Kaman Aerospace Company gebaute Einsitzer ist nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa eine exotische Erscheinung, vor allem durch die ungewöhnliche Anordnung der beiden Rotoren. Sie sind schräg gekippt auf dem Rumpf angebracht. Ihre Rotorebenen ragen also ineinander. Ein Getriebe sorgt dafür, dass sich die vier Rotorblätter keinesfalls touchieren können. Der K-Max kann so anders als konventionelle Helikopter mit gleicher Leistung mehr Gewicht heben, als er selbst wiegt.

Im Hangar C5 des Flughafens St. Gallen-Altenrhein beginnt nun die fachmännische Restauration der Ju-52, damit sie bald wieder für Passagierflüge zugelassen werden kann.

Im Hangar C5 des Flughafens St. Gallen-Altenrhein beginnt nun die fachmännische Restauration der Ju-52, damit sie bald wieder für Passagierflüge zugelassen werden kann.

Uwe Stohrer

Der Ju-52-Rumpf bringt zwar etwa 2000 Kilogramm auf die Waage. Damit kommt der K-Max aber noch lange nicht an seine Grenze. Bis maximal 2,72 Tonnen kann er je nach Flughöhe heben. Allerdings ist der Rumpf der Ju-52 ziemlich lang, gut 18 Meter. Dieser darf sich während des Flugs nicht drehen. Deshalb wird er mithilfe eines kleinen Fallschirms am Heck stabilisiert, so dass er unter dem Heli nicht ins Rotieren kommt. Dank dem extrem schmalen Rumpf und grossen Cockpitfenstern mit seitlichen Ausbuchtungen sieht dessen Pilot hervorragend nach unten. So hat er den 50 Meter tiefer hängenden Ju-52-Rumpf und das Landefeld gut im Blick. Zudem wird möglichst über unbesiedeltes Gebiet geflogen, um Risiken auszuschliessen.

Einen Misston gibt es dennoch an diesem Tag. Eigentlich sollte auch eine neue Junkers F13 der Kleinserie mit dem Kennzeichen HB-RIM per Helikopter nur zwei Stunden nach dem Rumpf der Ju-52 von Dübendorf nach Altenrhein zügeln. Der Flugplatzkommandant von Dübendorf hat laut Dieter Morszeck den geplanten Flug untersagt. Die Hintergründe dafür sind unklar.

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