Switzerland

Jubliäum in Leukerbad: «Das schönste Literaturfestival der Welt»

Der erste Schriftsteller in Leukerbad VS war eine «Sehenswürdigkeit», wie er selber sagte: «Ich wäre nicht auf die Idee gekommen – möglicherweise weil ich Amerikaner bin –, dass es irgendwo auf der Welt Menschen gibt, die noch nie einen Schwarzen gesehen hatten», schrieb James Baldwin (1924–1987, «Der Fremde im Dorf»), Lieblingsautor von Ex-US-Präsident Barack Obama (59), über seinen mehrmonatigen Aufenthalt im Walliser Bergdorf vor genau 70 Jahren.

Das änderte sich vor 25 Jahren: Seit 1996 steigen jeden Frühsommer dutzendfach ausländische und Schweizer Schreibende hinauf ins Dalatal zum Literaturfestival Leukerbad – ihre Leserschaft im Schlepptau. Zur diesjährigen Jubiläumsausgabe reisen 45 Publizistinnen, Philosophen, Wissenschaftlerinnen, Verleger und Übersetzerinnen an – unter ihnen die Österreicherin Eva Menasse (51), der Schweizer Jonas Lüscher (44, «Kraft») und der Weissrusse Sasha Filipenko (36, «Der ehemalige Sohn») (siehe Box unten).

Das Literaturfestival Leukerbad ist der wohl spektakulärste jährlich wiederkehrende Anlass im Schweizer Buchbetrieb. Der britisch-schweizerische Philosoph Alain de Botton (51) bezeichnete es einmal als «schönstes Literaturfestival der Welt». Denn wer bei Lesungen an dröge Schulbibliotheken oder stickige Buchhandlungen denkt, der liegt hier falsch: Im Thermalkurort auf 1401 Metern gibt es traditionellerweise Buchpräsentationen im römisch-irischen Bad, literarische Wanderungen in die Dalaschlucht und eine Mitternachtslesung auf dem Gemmipass 2315 Meter über Meer.

Sportlicher Einsatz von Schöngeistern

«Unser Anlass ist Literatur pur plus Ambiente», pflegte der gebürtige Leukerbader und Festivalgründer Ricco Bilger (64) schon zu Beginn zu sagen. Fürwahr: Ist die Beschäftigung mit Büchern gewöhnlich etwas für Stubenhocker, so wird sie in den Walliser Bergen ein Naturerlebnis. Mit allen Konsequenzen: Die Schweizer Schriftsteller Rolf Hermann (47) und Peter Weber (53, «Der Wettermacher») lassen sich bei ihrer Teilnahme 2013 auch nicht durch strömenden Regen von der literarischen Wanderung abbringen.

Das Festival mit seinen diversen Outdoorveranstaltungen – etwa auch Lesungen in den Hotelgärten – verlangt den Schöngeistern sportlichen Einsatz ab. So sagt der Bündner Autor Arno Camenisch (43, «Der Schatten über dem Dorf»), der 2018 die Mitternachtslesung bestritt, in Anlehnung an die Königsetappe des Radrennens Tour de France: «Die Gemmi ist wie die Alpe d'Huez der Literatur.» Von Peter Bichsel (86, «Kindergeschichten») über Melinda Nadj Abonji (52, «Tauben fliegen auf») bis Peter Stamm (58, «Agnes») – keine grosse Stimme der Schweizer Literatur liess es sich nehmen, in Leukerbad vorzusprechen.

Und auch internationale Grössen wie die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk (59, «Die Jakobsbücher»), der indisch-britische Romancier Salman Rushdie (73, «Die satanischen Verse») oder die somalische Schriftstellerin Nadifa Mohamed (40, «Black Mamba Boy») hiess man hier willkommen. Denn Leukerbad ist nicht mehr das fremdelnde Bergdorf wie zu Baldwins Zeiten, sondern ein Touristenmagnet mit 32,8 Prozent Ausländeranteil – schweizweit vergleichbar mit dem in Städten.

Eintrittszahlen stiegen auf 3800

1411 Geschichten erzählt von 457 Schriftstellerinnen und Schriftstellern – manche kommen immer wieder: Das ist die Bilanz aus 25 Jahren Literaturfestival Leukerbad. Die Eintrittszahlen stiegen von einigen Hundert in den 1990er-Jahren auf zuletzt 3800. Statt 20 bis 25 Autorinnen und Autoren sind jetzt jedes Jahr 35 bis 40 in Leukerbad zu Gast. Das Festival erweiterte seine Angebote mit Übersetzungskolloquia, Schreibwerkstätten und Auftaktveranstaltungen in Zürich.

Vor allem die Gesprächsreihe «Perspektiven» erhöhte die Bekanntheit des Festivals über die Landesgrenzen hinaus. «Das Literaturfestival Leukerbad möchte einen Beitrag dazu leisten, die Welt, in der wir leben, in ihrer heutigen Komplexität auszuhalten und Inseln des Verstehens zu schaffen», beschreibt die heutige Co-Leitung, Hans Ruprecht (68) und Anna Kulp (43), ihr Vorhaben. Der frühere Mitorganisator der Konzertreihe «Taktlos Bern» und die Kommunikationsfachfrau erbten das Festival 2006 von Ricco Bilger.

«Mich freut es, dass die Quelle, die wir zum Sprudeln brachten, heute immer noch fliesst», sagt Bilger, «und Autorinnen und Autoren aus der ganzen Welt nach Leukerbad zu locken vermag.» Und er schwelgt in Erinnerungen: «Die Performerin Katharina Franck wurde 2002 zur Königin der Nacht, Sven Regener brachte im selben Jahr die Therme zum Kochen, und um Mitternacht stürzten sich alle ins Wasser, um dann beim Morgengrauen den Schwalben beim Gezwitscher zu lauschen.»

Literarische Quelle sprudelt im Pleitedorf

Neben seiner 1983 gegründeten Buchhandlung Sec 52 in Zürich hat Bilger Anfang der 1990er-Jahre noch einen zweiten Laden in seinem Geburtsort Leukerbad. Für Lesungen im legendären Hotel Les Sources des Alpes holt er immer wieder namhafte Literaten wie H. C. Artmann (1921–2000), Paul Nizon (91, «Diskurs in der Enge»), Helen Meier (1929–2021) oder Ingrid Noll (85, «Die Apothekerin») hinauf in den Bäderort.

«Leukerbad: So gingen 346 Mio bachab!», titelt der Blick 1998. Noch bevor der Schuldenskandal wegen überrissener Infrastrukturprojekte für solche Schlagzeilen sorgt, feiert man 1996 hundert Jahre Hotel- & Bädergesellschaft Leukerbad – mit einem preisgekrönten Buch im Bilger-Verlag. Und natürlich steigt zur Veröffentlichung ein üppiges Fest im Dorf: «Wir erweckten stillgelegte Orte wie das Bad St. Laurent, den eingemotteten Bahnhof oder einen Stadel zu magischem Leben», sagt Bilger. Und es gibt die erste Mitternachtslesung auf der Gemmi.

«In der folgenden Woche rief mich René Grüninger an, schwärmte vom literarischen Wochenende und schlug mir vor, den Anlass zu wiederholen», sagt Bilger, «er würde mir dabei helfen.» Und so kommt das Literaturfestival auf die Welt, ohne dass es je jemand geplant hätte. In den darauffolgenden zehn Jahren führen Bilger und Grüninger das Festival unter dem programmatischen Titel «Wortwürfelkommadampf».

«Unsere Liebe galt den unentdeckten, den neu zu entdeckenden und den verkannten Autorinnen und Autoren», sagt Bilger, «sowie einem Publikum, das Jahr um Jahr in immer grösseren Scharen nach Leukerbad zur literarischen Kur anreiste.» Und am nächsten Sonntag, wenn die 25. Ausgabe zu Ende geht, kehrt es dann geläutert in die Niederungen der «Üsserschwiiz» zurück.

25. Literaturfestival Leukerbad

Keystone

Nachdem die 25. Ausgabe 2020 pandemiebedingt ausfiel, steht sie nun vom 25. bis 27. Juni 2021 auf dem Programm – genau 25 Jahre nach der ersten Ausgabe. Um flexibel auf die Hygieneauflagen und das Wetter reagieren zu können, stehen erstmals zwei Zelte für zusätzliche Veranstaltungen zur Verfügung. 45 Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland sind an fast 50 Anlässen zu sehen, hören und zu sprechen. Am Freitag liest Eva Menasse im James-Baldwin-Zelt (21 Uhr), Dana Grigorcea führt am Samstag eine literarische Wanderung in die Dalaschlucht (9 Uhr), und Lukas Bärfuss spricht mit Jonas Lüscher am Sonntag in der Diskussionsreihe «Perspektiven» über Populismus (12 Uhr). Während Michelle Steinbeck zur gleichen Zeit im Garten des Hotels Les Sources des Alpes liest, schliesst Sharon Dodua Otoo das Festival gleichenorts mit einer Lesung ab (15 Uhr).
Detailprogramm: Literaturfestival.ch

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