Switzerland

Jetzt untersucht der Bund die Swisscom-Pannen

In der Nacht zum Mittwoch sind in vielen Teilen der Schweiz die Notrufe ausgefallen. Es war die zweite Panne beim Telekommunikationsanbieter innerhalb eines Monats. Nur wird der Bund aktiv.

Bei der Swisscom kam es gleich zweimal innerhalb eines Monats zu einer Panne.

Bei der Swisscom kam es gleich zweimal innerhalb eines Monats zu einer Panne.

Karin Hofer / NZZ

(sda)

Nach der zweiten Panne innerhalb eines Monats bei der Swisscom hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nun «eine vertiefte Abklärung der Ursachen» angekündigt. Wegen Wartungsarbeiten zur Erweiterung des Netzkapazitäten waren in der Nacht auf Mittwoch grosse Teile des Swisscom-Netzes ausgefallen. Betroffen von der rund eineinhalbstündigen Panne waren erneut auch die Notrufe. Das will der Bund nicht hinnehmen. Das Bakom verfüge zur Zeit allerdings noch nicht über einen detaillierten Fehlerbericht, teilte das Bundesamt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Deshalb seien genaue Aussagen zum Fehler und zum Verlauf der Fehlerbehebung noch nicht möglich.

Störungsdiagramm von Allestörungen.ch

Sollte das Bakom Rechtsverletzungen feststellen, so kann es gemäss Gesetz von der Swisscom Massnahmen verlangen, damit die Verletzung nicht wieder vorkommt, die Konzession durch Auflagen ergänzen und diese im schlimmsten Fall sogar einschränken, suspendieren, widerrufen oder entziehen.

Auch Alertswiss funktionierte nicht

Nach Angaben der Swisscom kam es bei den geplanten Wartungsarbeiten zur Erweiterung der Netzkapazität zu «mehrfachem menschlichem Fehlverhalten». Weil die Swisscom selber von der schweizweiten Störung betroffen war, konnten die benötigten Spezialisten nur erschwert aufgeboten werden und die Störungsanalyse und -behebung wurde verzögert. Auch die Notrufnummern 112, 117, 118, 144 und 147 waren gemäss Swisscom zum Teil nicht erreichbar und einzelne Notrufweiterleitungen funktionierten nicht.

Gleichzeitig meldeten zahlreiche Polizeidienststellen und Sanitätsdienste, dass die Notrufe ausgefallen seien und Hilferufe über Handynummern abgesetzt werden müssten. Von dem Unterbruch betroffen waren beispielsweise die Kantone Bern, Basel-Landschaft, Waadt und die Städte Basel, Winterthur sowie St. Gallen. Auch im Tessin und in der Romandie funktionierten die Notrufnummern teilweise nicht mehr, wie einzelne Polizeidienststellen über Twitter mitteilten. Auch hier dienten Handynummern der Sicherheitsbehörden als Ersatz.

Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass während der Zeit des Ausfalls über die Ausweichnummern keine Notrufe eingegangen seien. Auch bei der Waadtländer Kantonspolizei wurden die alternativen Nummern nicht angewählt.

Die Kantonspolizei Bern schrieb am Morgen auf Twitter, die Funkverbindungen der Blaulichtorganisationen hätten jederzeit funktioniert. Ausserdem seien die grossen Wachen besetzt und die Aussenpräsenz verstärkt worden. Die Polizei Basel-Landschaft erklärte ausserdem, dass die App Alertswiss ebenfalls nicht funktioniere.

Bereits Mitte Januar hatten Störungen auf dem Swisscom-Netz die Notfallnummern in weiten Teilen der Schweiz lahmgelegt. Verantwortlich dafür war eine fehlerhafte wichtige elektronische Komponente. Damals war aber das Mobilfunknetz nicht betroffen.

Feuerwehren in Kontakt mit Behörden

Swisscom will nun zusammen mit den Notruforganisationen alternative Erreichbarkeiten – wie zum Beispiel über Mobiltelefone – überprüfen. Nach Angaben des Schweizerischen Feuerwehrverbands Swissfire verfügen die Feuerwehren selber zwar über eigene Funknetze und Pager, um ihre Einsatzkräfte zu alarmieren. Doch sie stünden «am Ende der Nahrungskette» und seien darauf angewiesen, dass die Information zu ihnen komme, sagte der Swissfire-Kommunikationsverantwortliche Philipp Siedentopf auf Anfrage.

Auf dem Land bestehe im Brandfall wenigstens die Chance, dass die Leute Bekannte bei der Feuerwehr hätten, die sie im Notfall kontaktieren könnten. Doch in der Stadt gebe es bei einem Brandausbruch während einer Swisscom-Panne wohl keine andere Möglichkeit, als auf der Strasse jemanden mit einem anderen Netz zu suchen.

Nach der zweiten Swisscom-Panne innerhalb eines Monats habe Swissfire bei den verantwortlichen Stellen seine Bedürfnisse angemeldet und auch Gesprächsbereitschaft signalisiert. Er wisse, dass sich die entsprechenden Behörden mit dem Fall beschäftigten und sie vertrauten auf die Gespräche zwischen den Behörden und der Swisscom, sagte Siedentopf.

Störung auch bei Deutscher Telekom

Bei der Deutschen Telekom gingen am Mittwochmorgen über 7000 Störungsmeldungen ein, wie auf allestörungen.de zu sehen ist. Die Telekom hat auf Twitter bestätigt, dass es wegen des Ausfalls einer technischen Einrichtung zu Problemen bei der Telefonie und beim Internetzugang gab. Die Störungen seien teilweise schon wieder behoben worden.