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Jetzt muss Schluss sein mit der Bevormundung. Die Vögel zeigen dem Menschen den Vogel

Die Corona-Krise hat seltsame Folgen. Zu den schöneren zählen die Tiere, die nun plötzlich neue Freiräume entdecken.

Der Waldrapp ist in Mitteleuropa ausgestorben. Nun gibt es verschiedene Programme der Auswilderung.

Der Waldrapp ist in Mitteleuropa ausgestorben. Nun gibt es verschiedene Programme der Auswilderung.

Imago

Danke, Corona! Jetzt ist ihm auf einmal alles egal. Er ignoriert die Reisewarnungen und zieht von zu Hause aus. Er will endlich wieder rummachen und Spass haben. Nicht trotz, sondern wegen des Virus! Der Waldrapp. Der Waldrapp ist kein querköpfiger bayrischer Vegankoch, sondern ein vom Aussterben bedrohter Vogel. Dass er leben will, stellt er gerade eindrücklich unter Beweis. Es ist eine der schönsten Erfolgsgeschichten der Natur in jüngster Zeit.

Jahrzehntelang haben die Vogelforscher den sensiblen Waldrapp umhegt, damit er nicht vom Planeten verschwindet. Sie sind ihm mit Flugzeugen vorausgeflogen, um zu verhindern, dass er sich auf seinen Routen verfliegt. Sie haben die Jungen aufgepäppelt und den Eltern vollmöblierte Nistplätze gebaut.

Es geschieht ein Wunder

Kaum bleiben diese Forscher zu Hause, weil sie wegen der Krise nicht hinausdürfen, geschieht das Unglaubliche: Der Vogel macht, was er will. Er macht genau das, was seine Vorfahren schon immer getan haben. Auf eigene Faust fliegt er jetzt im Frühjahr von Italien nach Norden. Er sucht sich schmucke neue Wohnhöhlen in gebirgiger Wildnis und richtet sie ganz nach seinem Geschmack ein. Zum Abschied von den Menschen gibt es nur ein leises «Servus, ciao, bis denne!».

Es ist viel von den Chancen der Krise die Rede. Dazu hätte das plumpe Tier mit dem schwarzen Gefieder einiges zu sagen. Vielleicht hat der Waldrapp seinem Pflegepersonal innerlich schon länger den Vogel gezeigt und nur auf einen günstigen Moment gewartet, um wieder die Sau rauszulassen. Genauso wie die vielen Tiere, die während der Quarantäne in die Städte gekommen sind, weil sie einmal sehen wollten, wie die Menschen so leben. Wie es von draussen ausschaut, wenn jemand im Käfig sitzt.

Bergziegen sind durch die Blumenbeete der Kreisverkehre gezogen und lustig lärmende Streifenhörnchen durch die Rotlichtviertel. Auf den Friedhöfen ist tierisches Leben eingekehrt, aber in den Zoos war tote Hose. Man hört, dass manche Tiere die Menschen vermisst haben. Dass sie sich in den letzten Wochen gelangweilt haben und die Pfleger deshalb eigene Unterhaltungsprogramme starten mussten. Vor allem für die Tüpfelhyänen und die Kurzohrrüsselspringer. Manche Menschenaffen haben mangels Publikum ihr unsittliches Treiben eingestellt.

Dem Waldrapp ist nicht langweilig, und je mehr es von seiner Art wieder gibt, umso besser. Der schwanengrosse Vogel mit dem langen Schnabel ist ein Gesellschaftstier. Und dazu auch noch höflich. Neuankömmlinge fliegen tagelang vor den Kolonien auf und ab, bis sie sich niederlassen und «chrup chrup» rufen. Dann verneigen sie sich vor der zukünftigen Braut. Das finden alle in der Kolonie schön, also verneigt sich bald das gesamte anwesende Vogelvolk. Es dauert eine Weile, bis jeder jedem seine Ehrerbietung dargebracht hat und zu den üblichen Geschäften zurückfindet. Bei so viel Respekt voreinander: Schön, dass es dich gibt, lieber Waldrapp!

Der letzte Überlebende

Natur ist Leben, aber Natur bedeutet auch, dass man das Leben einmal lassen muss. Und deshalb passt eine andere Meldung hierher. Saturn ist tot, «der letzte Deutsche in russischer Kriegsgefangenschaft» («Stern»). Saturn war weit über achtzig und hat als schon lange altersschwacher Alligator im Moskauer Zoo auf ein ereignisreiches Leben zurückgeblickt. Geboren in Amerika in den dreissiger Jahren, hat das Tier den Zweiten Weltkrieg im Zoo in Berlin überlebt, bevor es nach Russland kam. Uralte Legenden haben gemunkelt, dass Saturn während seiner Berliner Zeit eine Art Haustier Adolf Hitlers gewesen sei. Sein Geheimnis nimmt der Alligator jetzt mit ins Grab.

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