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Jacobs-Mutter JDE Peet's: 130 Milliarden Tassen Kaffee und Tee gehen erfolgreich an die Börse

Dem von der Milliardärsfamilie Reimann beherrschten Konzern ist der grösste Börsengang in Europa in diesem Jahr geglückt. Am ersten Handelstag zogen die Aktien kräftig an. JDE Peet's erwirtschaftet fast 80% des Umsatzes mit abgepacktem Kaffee und Tee im Einzelhandel.

Der Kaffee-Holding JDE Peet's, zu der auch die Marke «Jacobs» gehört, gelingt der bisher grössten Börsengang in Europa in 2020.

Der Kaffee-Holding JDE Peet's, zu der auch die Marke «Jacobs» gehört, gelingt der bisher grössten Börsengang in Europa in 2020.

Imago

Vor rund 40 Jahren kannte in Deutschland wohl fast jeder das «Verwöhnaroma» von Jacobs Krönung, denn so wurde die Kaffeesorte in Fernsehspots mit der Werbefigur Karin Sommer angepriesen. Die – aus damaliger Optik – Vorzeigehausfrau rettete so manche Familienfeier, in dem sie den Gästen das aromatische Heissgetränk kredenzte. Am Freitag wurden nun die Aktionäre der Kaffee-Holding Jacobs Douwe Egberts Peet’s (JDE Peet's) verwöhnt, zu der inzwischen die Marke Jacobs gehört. Sie konnten sich über ein geglücktes Börsendebüt freuen. Es ist der bisher grösste Börsengang in Europa in diesem Jahr, der trotz des aufgrund der Coronavirus-Krise widrigen Umfeldes offenbar ausgezeichnet über die Bühne gegangen ist.

Wurzeln reichen 265 Jahre zurück

Das Unternehmen wird von der verschwiegenen deutschen Milliardärsfamilie Reimann beherrscht, die mit den beiden Investment-Vehikeln JAB Consumer Fund und JAB Holding Company operiert und deren Vermögen in den Medien auf bis zu 35 Mrd. € geschätzt wird. JAB ist zugleich grösster Aktionär des amerikanischen Parfum- und Kosmetikkonzerns Coty sowie am US-Getränkekonzern Keurig Dr. Pepper beteiligt, mit dem JDE pikanterweise konkurriert. Während das Geschäft derzeit vor allem bei Coty harzt, läuft das Kaffee-Business ausgezeichnet. Die Corona-Krise hat die Nachfrage nach dem heissen Getränk nicht negativ beeinflusst, das Geschäft hat im Gegenteil sogar noch zugelegt. Der Konzern erwirtschaftet fast vier Fünftel des Umsatzes mit abgepacktem Kaffee und Tee im Detailhandel.

Zu JDE Peet’s gehören insgesamt mehr als 60 Kaffee- und Teemarken, darunter sind so bekannte Brands wie Jacobs, Café Hag, Douwe Egberts, Senseo und Tassimo (jeweils Kapseln), L’Or, Moccona, Maison du Café, Carte Noire sowie Pickwick (Teebeutel). Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1755 zurück. Aufgrund der grossen Nachfrage zog der Konzern seinen ursprünglich erst für den Mittwoch nach Pfingsten geplanten Börsengang vor. Mit 2,3 Mrd. € ist es bisher die grösste Publikumsöffnung in Europa in diesem Jahr. Einschliesslich der Platzierungsreserve für die begleitenden Banken, dem sogenannten Greenshoe, beträgt der Erlös sogar bis zu 2,6 Mrd. €.

Anstieg am ersten Handelstag um 16%

Der Ausgabepreis wurde auf € 31.50 je Aktie festgelegt und lag damit in der oberen Hälfte der angekündigten Preisspanne zwischen 30 € und € 32.25. JDE Peet's wird somit insgesamt mit rund 16 Mrd. € bewertet. Der Start an der Börse am Freitag verlief fulminant. Der Aktienkurs stieg in der Spitze bis auf gut 37 € und notierte kurz vor dem Ende des ersten Handelstags an der zur Euronext gehörenden Amsterdamer Börse bei € 36.50, was einem Anstieg von 16% entspricht. So einen Handelsstart hätte sich wohl auch Karin Sommer gewünscht.

Kaffee-Holding JDE Peet's an der Börse gut gestartet

Kurs in Euro

28.05. 18 Uhr29.05. 16 Uhr3032343638

JAB hatte erst in diesem Jahr den weltweit zweitgrössten Kaffeeröster JDE mit der US-Kaffeekette Peet's zusammengelegt, um sich auf den Börsengang vorzubereiten. JDE Peet's erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,9 Mrd. €, die operative Marge lag bei 15%. Das Unternehmen ist nach Nestlé (Nescafé, Nespresso) die Nummer zwei im noch sehr stark zersplitterten globalen Kaffeemarkt, den Marktforscher auf 118 Mrd. € taxieren und der bis 2024 um über 13% wachsen soll. Davon dürften vor allem Premiummarken profitieren, zu denen Peet’s und andere Marken des Konzerns gehören. 2019 soll JDE Peet’s umgerechnet 130 Milliarden Tassen Kaffee und Tee in über 100 Ländern verkauft haben.

Vom Chemiegeschäft zum Kaffeegeschäft

Die Familie Reimann will bei dem Börsengang keine Aktien verkaufen, sondern eine Mehrheit von 37% behalten. Andere Eigner wollten ihre Anteile jedoch reduzieren. Vom Emissionserlös aus der Ausgabe neuer Aktien gehen 700 Mio. € an JDE Peet's selbst. Den Rest teilen sich der ehemalige Jacobs-Eigentümer Mondelez (u.a. Milka) und Anleger, die in die JAB Holding der deutschen Milliardärsfamilie Reimann investiert hatten. Mondelez war bisher mit 26% am Konzern beteiligt. Dieser Anteil soll auf gut 23% sinken. Insgesamt sind nun knapp 17% von JDE Peet's im Streubesitz. Zu den neuen Miteigentümern gehören unter anderem der Quantum Fonds des bekannten ehemaligen Hedge-Funds-Managers Georges Soros sowie die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity Management and Research (FMR). Diese neuen Eigner zeichneten mit 761 Mio. € allein rund ein Drittel des Emissionsvolumens. Durch den Börsengang sollen zudem die Schulden bei JDE Peet’s reduziert werden.

Reich wurde die Familie Reimann einst mit der Chemiefirma Reckitt Benckiser, seit dem Jahr 2012 ist das Portefeuille der Familie jedoch nach und nach stärker auf Kaffee und Tee ausgerichtet worden. Beide Getränke werden relativ unabhängig von der konjunkturellen Situation nachgefragt, wie sich auch in der derzeitigen Rezession einmal mehr zeigt. Als starker Mann in dem Gefüge gilt der Kölner Peter Harf, der unter anderem Senior Partner bei der JAB Holding ist. Er dürfte sich über den geglückten Börsengang genau so freuen wie Casey Keller, der Chef von JDE Peet’s. Er sehe seine Strategie durch das Investoreninteresse bestätigt, sagte Keller. Sein Mut, die Publikumsöffnung trotz Corona-Krise und einiger Warnungen inklusive Roadshow im Schnelldurchlauf durchzuziehen, hat sich gelohnt.

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