Switzerland

Italien fällt wirtschaftlich in die 90er Jahre zurück

Verschiedene Indikatoren zeigen eine wirtschaftliche Stabilisierung des Landes auf tiefem Niveau. Im Hafen von Genua schaut man derweil nach vorn – und nach Norden.

Der Containerumschlag in Genua ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als einen Viertel eingebrochen.

Der Containerumschlag in Genua ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als einen Viertel eingebrochen.

Imago

Wer nach Anzeichen dafür sucht, wie es um die italienische Wirtschaft bestellt ist, muss nach Genua blicken: Der Containerumschlag am dortigen Hafen ist ein Indikator für den Gang der sogenannten Realwirtschaft. Und im Juni dieses Jahres ist er im Vergleich zum Vorjahr um 26,5% eingebrochen. Noch 180 000 Container wurden ein- oder ausgeladen, gleich wenige wie im Mai. Genua ist der wichtigste Hafen Italiens, hauptsächlich über ihn läuft der Export und Import des industriellen Nordens, der Grossregion Mailand - Turin - Bologna.

Containerumschlag im Hafen von Genua

Erstes Halbjahr 2020, Veränderung gegenüber 2019, in Prozent

JanFebMärAprMaiJunJuli-Daten noch nicht verfügbar.–30–20–10010

Über die letzten zehn Jahre haben Italiens Exporte stetig zugenommen, im letzten Jahr machten sie knapp ein Drittel des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Industrielle Mittelbetriebe mit starker Spezialisierung haben diese Dynamik geprägt und die Vitalität des italienischen Unternehmertums bewiesen. Die wirtschaftliche Erholung des Landes nach dem Covid-19-Schock wird stark von diesen Betrieben abhängen, von ihrer Präsenz in ausländischen Märkten, in Europa und jenseits der Meere.

Kleinerer Rückgang als in Frankreich

Italiens Wirtschaftsleistung ist wegen der Covid-19-Pandemie auf den Stand der mittleren neunziger Jahre zurückgefallen, um 12,4% im zweiten Quartal, von 406 Mrd. € im Vorjahr auf 356 Mrd. € dieses Jahr. Zu den neusten Zahlen des Statistikamts sagte Finanzminister Roberto Gualtieri dieser Tage zweckoptimistisch, der Rückgang sei weniger schwer als von den meisten Prognostikern erwartet.

Doch es ist eine Tatsache: Dies ist für Italien die schwerste Rezession der Nachkriegszeit. Die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone ist von der Covid-19-Krise wirtschaftlich deutlich stärker getroffen als Deutschland (–10,1%) und etwa gleich stark wie Frankreich (–13,8%).

Sorge bereitet die Aussicht auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Da drohe eine «soziale Bombe», wird gemahnt. Infolge der Covid-19-Krise gingen schon 600 000 Arbeitsplätze verloren. Die Zahl der Neuanstellungen ging angesichts trüber Konjunkturaussichten deutlich zurück. Eine Entlassungswelle wurde bisher durch ein allgemeines Kündigungsverbot und die verbreitete Einführung von staatlich subventionierter Kurzarbeit vermieden. Die Regierung plant, den Schutz der Arbeitsplätze bis Ende Jahr fortzusetzen, nicht nur, um Unruhen zu vermeiden, sondern auch, um die Nachfrage nach Konsumgütern zu stützen.

Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass der Talboden der Rezession erreicht ist. Der Elektrizitätsverbrauch scheint sich bei –10 bis –13% im Vergleich zum Vorjahr einzupendeln. Verschiedene weitere Indikatoren lassen eine Stabilisierung auf tiefem Niveau erkennen, eine Erholung ist aber höchstens in Ansätzen erkennbar. Auffallend: Es gibt wieder Touristen, vor allem an den Stränden und in den Bergen, aber kaum in den Kunststädten. Es sind etwa halb so viele wie vor einem Jahr. Von der Überfüllung früherer Jahre ist man weit entfernt.

Tieferer Stromverbrauch in Italien im Lockdown

Veränderung des Konsums 2020, im Vergleich zum Vorjahr, in %

JanuarFebruarMärzAprilMaiJuni–15–10–50

Die Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» hat Statistiken zum wirtschaftlichen Alltag zusammengestellt. Laut diesen sind die Leute wieder draussen unterwegs wie vor dem Lockdown. Die Ladengeschäfte haben annähernd gleich viele Kunden, der Verkauf von Neuwagen zieht an – wohl auch weil der Staat den Kauf sogenannter sauberer Autos mit einem «ecobonus» von 5000 € und mehr fördert.

Genua setzt weiter auf Globalisierung

Paolo Emilio Signorini, der Direktor von Ports of Genoa.

Paolo Emilio Signorini, der Direktor von Ports of Genoa.

PD

Im Hafen von Genua gibt man sich nicht geschlagen und investiert in die Zukunft. Ein Rückgang des Güterumschlags um 15% in diesem Jahr wäre für den Hafen zwar ein Schlag, aber zu verkraften, sagt Paolo Emilio Signorini, der Direktor von Ports of Genoa. Für ihn ist die Globalisierung trotz Covid-19-Pandemie keineswegs am Ende angelangt. 1,1 Mrd. € werden derzeit in die Hafenanlagen investiert, es braucht Platz für grössere Schiffe, längere Züge und bessere Lastwagenzufahrten.

Auch China ist nicht weit. Chinesische Staatsbetriebe haben Teile der Hafenanlagen in Genua in Pacht genommen. Signorini sagt dazu: «Hier in Genua sind die Chinesen unsere wichtigsten Kunden.» Sie seien schon lange stark präsent. «Ich mache keine Aussenpolitik. Ich hoffe, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China beigelegt wird.» Während das Frachtgeschäft einigermassen läuft, ist das Kreuzfahrtgeschäft komplett am Boden. 1,35 Millionen Kreuzfahrtpassagiere hatte Genua im letzten Jahr. Jetzt liegen die Schiffe still, vertäut in den Häfen entlang der Küste.

Immerhin: Die neue Autobahnbrücke ist endlich eröffnet, der Bau des neuen Eisenbahntunnels in Richtung Mailand ist nach einem kurzen Unterbruch wegen Covid-19 wieder in Gang gekommen. Der Blick geht jetzt nach Norden. «Mit dem Gotthard-Basistunnel und den neuen Kapazitäten in Genua erweitern wir unsern Radius bis nach Süddeutschland. Bisher waren wir einfach der wichtigste Hafen für Norditalien. Wir hatten in diesem Bereich ein natürliches Monopol. Wir haben uns auch ein wenig auf unsern Lorbeeren ausgeruht. Aber jetzt beginnt eine neue Epoche.»

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