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«Iron Dome» – so funktioniert Israels Raketen-Abwehrsystem

Das «Iron Dome»-Abwehrsystem fängt eine Rakete aus dem Gaza-Streifen ab, März 2021. Bild: keystone

«Iron Dome» – so funktioniert Israels Raketen-Abwehrsystem

Die Hamas haben in den letzten zwei Tagen über 1000 Raketen nach Israel abgefeuert. Die meisten davon fing Israels «Iron Dome» ab. Wir erklären wie er funktioniert – und warum es trotzdem zu Todesfällen kommt.

Was ist der Iron Dome?

Bei der sogenannten «Eisernen Kuppel» handelt es sich um ein israelisches mobiles Raketenabwehrsystem, genannt C-RAM (Counter Rocket, Artillery and Mortar System). Wie das System in Betrieb aussieht, zeigten am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Videos auf Social Media. Folgendes Video wurde von dem israelischen Militär (IDF) gezeigt.

So sieht das System in Aktion aus:

Je nach Quelle wehrt das System bis zu 90 Prozent der Raketen ab, schreibt etwa der Journalist Emanuel Fabian der «Times of Israel» auf Twitter.

Wie funktioniert der Iron Dome?

Eine Iron-Dome-Batterie besteht aus einem Radarsystem, einem Kontrollzentrum und bis zu vier Starteinheiten. Eine Starteinheit ist jeweils mit 20 Abfangraketen bestückt.

Auf dem Bild sieht man zwei Starteinheiten in Nordisrael an der Grenze zum Libanon. Bild: keystone

Wenn das Radar einen Raketenstart lokalisiert, berechnet es automatisch die Flugbahn und den möglichen Einschlagpunkt. Befindet sich der Einschlagpunkt innerhalb einer definierten Schutzzone (wie zum Beispiel eine Wohnsiedlung), werden bis zu zwei Abfangraketen gestartet. Die Daten werden dem Radarsuchkopf der Rakete übermittelt und im besten Fall wird die feindliche Rakete abgewehrt.

Das System sorgt am Nachthimmel für eindrückliche Bilder:

Die Abfangraketen basieren auf einer Luft-Luft-Rakete und sind mit einem Steuerleitwerk ausgerüstet. Wie manövrierfähig die Raketen sind, ist auf einigen Videos an den Kondensspuren ersichtlich.

Die Batterien sind mobil und können zum gewünschten Einsatzort gebracht werden. Das hat auch den Vorteil, dass der Feind den genauen Standort nicht erfährt. Ein System kann etwa 150 Quadratkilometer schützen und bis zu sechs anfliegende Objekte gleichzeitig erfassen.

Die Kosten pro Abfangrakete erscheinen auf den ersten Blick hoch: Eine Rakete kostet 20'000 bis 50'000 Dollar, weil jeweils deren zwei abgefeuert werden, kostet die Abwehr eines Objekts bis zu 100'000 Dollar. Im Vergleich zu anderen Abwehrsystemen ist das aber ein tiefer Preis. So tief, dass auch die Amerikaner Interesse an einem Kauf des Systems haben.

Wo ist das Limit?

Der Iron Dome ist zur Abwehr von Kurzstreckenraketen konzipiert, das heisst, es werden vor allem Artillerieraketen mit einer Reichweite von 5 bis 70 Kilometern abgefangen. Bei Langstreckenraketen kommt das israelische Arrow-System zum Zug, bei Raketen mit einer Reichweite von 70 bis 250 Kilometern das System «David's Sling».

Warum kam es trotzdem zu Einschlägen?

Theoretisch kann der Iron Dome bis zu 90 Prozent der Raketen abfangen. Schwierig wird es dann, wenn das System überfordert wird. Das hat man beispielsweise gestern Abend gesehen, als über 100 Raketen in einer kurzen Zeit auf Tel Aviv abgefeuert wurden. Bei einem der Einschläge kam dort eine Frau ums Leben.

Welche Raketen besitzen die Hamas?

Bei den meisten Raketen im Besitz der Hamas handelt es sich um Artillerieraketen. Weil diese kein richtiges Steuersystem haben, sind sie relativ ungenau und leichter abzufangen.

Artillerieraketen eignen sich nicht für den präzisen Einsatz, vielmehr wird ein grösseres Gebiet unter Beschuss genommen. Die logische Folge davon ist, dass es zu mehr zivilen Opfern kommt. So etwa auch gestern Nacht, als bei Lod zwei arabischstämmige Menschen ums Leben kamen.

Die Herkunft der Raketen ist unterschiedlich. Während die Quassam-Raketen mit geringer Reichweite im Gazastreifen hergestellt werden, kommen etwa die Raketen des Typs Fadschr aus iranischen Waffenschmieden.

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