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Investieren wie die Norweger - was Privatanleger vom norwegischen Erdölfonds lernen können

Norwegens milliardenschwerer Erdölfonds investiert langfristig, breit, nachhaltig, kostengünstig und regelmässig. Damit kann der weltgrösste Staatsfonds ein Vorbild sein für Privatanleger, die bloss ein kleines Vermögen auf der hohen Kante haben.

Nicolai Tangen, der neue Chef des norwegischen Erdölfonds, hat für die Stelle sein Lebenswerk abgegeben.

Nicolai Tangen, der neue Chef des norwegischen Erdölfonds, hat für die Stelle sein Lebenswerk abgegeben.

Hakon Mosvold Larsen / Ntb Scanpix / Reuters

Auch der weltgrösste Staatsfonds hat einmal klein angefangen: Ende Mai 1996 deponierte das norwegische Finanzministerium die ersten 2 Mrd. nKr. im Erdölfonds. Dessen Vermögen ist als Polster für schlechtere Zeiten gedacht und soll künftigen Generationen ein bequemes Leben garantieren, wenn die Erdölquellen in der Nordsee versiegt sind. Im vergangenen Vierteljahrhundert hat das schwarze Gold über 3220 Mrd. nKr. in den Fonds gespült. Zusammen mit Anlagerenditen und Währungsgewinnen ist das Sparschwein der Nation auf schwindelerregende 10 400 Mrd. nKr. (1050 Mrd. Fr.) gewachsen. Wer es genau wissen will, folgt dem Live-Ticker auf der Homepage, wo sich die 14-stellige Zahl in Sekundenbruchteilen dem jeweiligen Marktwert anpasst.

Die tägliche oder gar stündliche Beobachtung des Vermögenswertes ist Kleinanlegern nicht zu empfehlen. Sonst jedoch bietet das norwegische Finanzvehikel der Superlative viel Anschauungsunterricht auch für jene, die keine Millionen auf der hohen Kante haben. Ziel des Fonds ist es, die höchstmögliche Rendite bei vertretbarem Risiko zu erzielen. Dank dem im Prinzip unendlichen Anlagehorizont ist Markt-Timing ein Fremdwort: Die Geldzuflüsse aus dem Energiesektor werden laufend und unabhängig von der Stimmungslage an den Märkten angelegt. Mit regelmässigem Sparen und Investieren fährt auch der Privatanleger gut.

Die operative Verwaltung des Erdölfonds ist an Norges Bank Investment Management (NBIM) delegiert, eine Organisation innerhalb der Notenbank mit 540 Mitarbeitern aus 38 Ländern. Um die Investitionsentscheide marktnah treffen zu können, ist sie neben Oslo auch in den Finanzzentren London, New York, Singapur und Schanghai präsent. Dies reicht jedoch nicht, um in allen Bereichen Experte zu sein. Ende letzten Jahres hatte der Erdölfonds 83 Mandate an externe Spezialisten in Schwellenländern und an Small-Cap-Experten vergeben.

Trotz dieser geballten Manpower unterliegt das NBIM engen Vorgaben und strengen Kontrollen; schliesslich steht viel Geld auf dem Spiel – Geld, das dem Volk gehört. Während das Parlament die gesetzlichen Rahmenbedingungen festlegt und Strategieänderungen bewilligen muss, trägt das Finanzministerium die übergeordnete Verantwortung. Sie gibt, nach Beratung durch die Notenbank, die Anlagestrategie vor und muss den Volksvertretern jährlich Rechenschaft ablegen über die Entwicklung der Petromilliarden.

In den Kinderjahren durfte der Erdölfonds nicht mehr als 40% des Vermögens in Wertpapiere investieren; diese Grenze ist schrittweise auf 70% ausgedehnt worden, um mehr Rendite herauszuschlagen. Ende Juni machten festverzinsliche Papiere 27,6% des Vermögens aus und Immobilien knapp 3% (erlaubt sind 7%). Dabei sind den Fondsmanagern die Hände aber gebunden. Bei der Schaffung ihres Portfolios müssen sie vom Referenzindex des Finanzministeriums ausgehen, der auf Aktien- und Obligationenindizes externer Akteure basiert (FTSE Russell’s Global All Cap Stock Index bzw. mehrere Anleihen-Indizes von Bloomberg Barclays). Vorgegeben sind auch die Risikolimiten: In einem Normaljahr kann die Volatilität maximal 1,25 Prozentpunkte betragen (Mitte 2020 waren es 0,58 Punkte), während die Rendite in Krisenzeiten maximal –3,75% Punkte von der Benchmark abweichen darf.

Der lange Anlagehorizont und der geringe Liquiditätsbedarf machen kurzfristige Wertschwankungen verschmerzbar. Seit Gründung des Fonds lag die durchschnittliche jährliche Rendite bei 5,8%; nach Abzug von Verwaltungskosten und Inflation bleiben noch 3,9%. Dies liegt knapp unter der inoffiziellen Vorgabe: Gemäss einer ungeschriebenen und oft strapazierten Faustregel darf die Regierung jährlich höchstens 4% des Fondsvermögens in den Staatshaushalt schleusen.

Dem Erdölfonds gehören heute etwa 1,5% des Aktienbestandes an den Börsen der Welt; er ist global an 9200 Unternehmen beteiligt, dabei oft als grösster Aktionär, und hat es sich zum Ziel gesetzt, als aktiver Eigentümer mitzubestimmen. 2019 nahmen die Norweger an über 11 518 Aktionärsversammlungen teil. Mit diesen Dimensionen können Privatinvestoren nicht mithalten, die Anlagestrategie des Staatsfonds lässt sich jedoch in groben Zügen nachahmen. Wer investieren will wie die Norweger, setzt auf breit diversifizierte, globale Exchange-Traded-Funds (ETF) – börsengehandelte Anlagefonds also, die passiv und kostengünstig Indizes nachbilden.

Während Privatanleger zu einem «home bias» tendieren, also einheimische Titel bei der Vermögensanlage übergewichten, darf der Erdölfonds nicht im Inland investieren, um eine Überhitzung der norwegischen Wirtschaft zu vermeiden. Im Vergleich mit globalen Aktienfonds weist der «staatliche Pensionsfonds Ausland», wie er offiziell heisst, allerdings ein Übergewicht europäischer Titel auf; diese machten Mitte Juni 32% aus, US-Aktien 42%. Ende Juni waren die Technologie-Riesen Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet die gewichtigsten Aktienposten im Fonds-Portfolio, es folgen Nestlé und Roche. Wer mehr über Anlagestrategie, Vermögensverteilung und Performance des Erdölfonds erfahren will, findet auf der Homepage des NBIM detaillierte Informationen wie auch allgemeines Finanzwissen.

Moralischer Leuchtturm

Der Petrofonds hat sich zu nachhaltigem Anlegen verpflichtet. Seit 2004 prüft ein unabhängiger Ethikrat, ob die Investitionen den moralischen, sozialen und umweltpolitischen Richtlinien entsprechen. Firmen oder Länder, welche die Umwelt schädigen, Menschenrechte missachten, Kinderarbeit zulassen, Waffen und Tabak produzieren oder korrupt sind, gelangen auf eine schwarze Liste (wie etwa Airbus, Glencore und Philip Morris). Paradox mag der Ausschluss von Öl- und Kohle-Titeln erscheinen: Während die Norweger ihren Reichtum aus den nicht erneuerbaren Quellen auf dem norwegischen Kontinentalsockel schöpfen, sind Investitionen in Firmen, die ihr Geld mit fossilen Energieträgern verdienen, für den Fonds tabu.

Der enge Handlungsspielraum und das Niedrigzinsumfeld machen es dem Fondsmanagement nicht einfach, den Vergleichsindex zu schlagen. Die durchschnittliche jährliche Mehrrendite beträgt 0,23 Prozentpunkte, wozu das Stock-Picking einen grossen Teil beiträgt. Um die Performance zu erhöhen, will der Staatsfonds künftig an privaten Finanzierungsrunden vielversprechender Firmen teilnehmen können. Bei den Börsengängen von Spotify und Slack zum Beispiel mussten die Norweger zusehen, wie institutionelle Investoren, die den «Einhörnern» zuvor mit Kapital unter die Arme gegriffen hatten, satte Gewinne einsteckten. Das NBIM deponierte vor Jahresfrist ein entsprechendes Gesuch beim Finanzministerium – bis dies behandelt wird, dürfte es aber dauern.

Als der Erdölfonds in Immobilien investieren wollte, um die Rendite zu erhöhen, verstrichen Jahre, bis das Parlament grünes Licht erteilte. 2010 erst konnte er die ersten Liegenschaften kaufen. Diese Trägheit ist der Preis der demokratisch verankerten Investitionsstrategie. Zeitkritische Entscheide, die über das Mandat hinausgehen, sind dem NBIM verwehrt. Privatanleger habe es leichter, ihre Anlagestrategie neuen Realitäten anzupassen und regelmässig Umschichtungen vorzunehmen.

Ein Vertrauensgeschäft

Transparenz und Vertrauen in die Fondsverwaltung sind zentral. Dies erklärt den Aufschrei, den im Frühling die Ernennung Nicolai Tangens zum neuen NBIM-Chef auslöste. Bei dem Gründer des erfolgreichen internationalen Hedge-Funds AKO Capital bestanden keine Zweifel an der fachlichen Qualifikation, viele Parlamentarier hinterfragten aber die Unabhängigkeit des Milliardärs. Eine Linkspolitikerin bezeichnete ihn als «wandelnden Interessenkonflikt». Der designierte Chef konnte die Kritiker erst von seinen guten Absichten überzeugen, als er sein Lebenswerk abgab und zudem das Privatvermögen auf Sparkonten überführte – ein radikaler Schritt, der Tangen um 1 Mrd. Fr. ärmer machte. Der Job als oberster Hüter des norwegischen Erdöl-Schatzes schien ihm dies wert zu sein.

Football news:

Barça-Fans glaubten an einen frühen Abgang von Bartomeu (wegen der Kontroverse um den referendumstermin). Vergebens: es gab keine rücktrittsgedanken, die Trophäen sind irgendwo in der Nähe. Oktober war ein historisches Ereignis für die Fans des FC Barcelona geplant: am morgen berichtete Diario Sport, dass Josep Bartomeu nach der Sitzung des Board of Directors zurücktreten könnte, wenn die katalanische Regierung die Abstimmung über das Misstrauensvotum der Führung des Klubs (es ist für 1-2 November geplant) nicht verschieben würde. Die Abstimmung wurde nicht verschoben-aber auch Bartomeu blieb vor Ort. Die Fans müssen also noch ein wenig warten (zur Erinnerung: wenn das Votum genehmigt wird, geht die gesamte Führung in den vorzeitigen Rücktritt). Im Anschluss an den Vorstand Sprach Bartomeu auf einer Pressekonferenz alle wichtigen Fragen an
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