Switzerland

Interview mit Patientenschützerin: «Jedes Leben hat gleich viel Wert»

Viele ältere Menschen verfassen wegen der Corona-Pandemie eine Patientenverfügung. Flavia Wasserfallen, die neue Präsidentin der Patientenstellen, will verhindern, dass gesellschaftlicher Druck die Entscheidungen beeinflusst.

Nicht alle Patienten wollen im Falle einer schweren Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden und schreiben dies in einer Patientenverfügung fest.

Nicht alle Patienten wollen im Falle einer schweren Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden und schreiben dies in einer Patientenverfügung fest.

Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Das Gesundheitswesen der Schweiz ist gefordert wie nie zuvor. Hunderttausende sind innert eines Jahres an Corona erkrankt, über 8000 Menschen gestorben. Wie ist es in einer solchen Zeit um die Patientenrechte bestellt?

Der Informationsbedarf der Patientinnen und Patienten ist nochmals gestiegen. Sie wenden sich unter anderem mit Fragen zu Patientenverfügungen an uns. Viele wollen wissen, wie sie ihr Selbstbestimmungsrecht ausüben können. Die Patientenstellen helfen, dass sie sich zurechtzufinden in diesem Dschungel von Informationen.

Der Abschluss einer Patientenverfügung wird stark empfohlen. Besteht nicht die Gefahr, dass Betagte aus gesellschaftlichem Druck auf Spitalbehandlungen verzichten, insbesondere auf Intensivpflege?

Das ist ein grosser Prüfstein für unsere Gesellschaft. Wir müssen uns dazu bekennen, dass jedes Leben gleich viel Wert hat. Unser Ziel ist es, dass die Ratsuchenden ihren Wunsch erkennen und auch richtig formulieren können. Wir wollen vermeiden, dass ökonomischer Druck die Entscheidung der Patienten beeinflusst. Für jene Betagten, die im Falle einer Erkrankung auf Intensivmedizin verzichten, muss eine gute palliative Begleitung sichergestellt sein. Deshalb fordern wir, dass die Palliativbetreuung in den Altersheimen besser unterstützt wird. Die Heime müssen für die Sterbebegleitung genügend Fachpersonal zur Verfügung haben.

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